Titel: Die Gehaltsprüfung des Glycerins durch das specifische Gewicht; von A. Metz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 10 (S. 460–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi05_10

Die Gehaltsprüfung des Glycerins durch das specifische Gewicht; von A. Metz.

Daß die gegenwärtige Weinbereitungskunst große Mengen käuflichen Glycerins verwendet, ist kein Geheimniß mehr. Ob Weinproducenten, vielleicht durch einen gewissen Instinct geleitet, den Glycerinzusatz schon vor dem Erscheinen der Pasteur'schen Arbeiten anwendeten, ist dagegen ungewiß, indeß nicht ganz unwahrscheinlich. Die schwerfälligere Brauindustrie hat jedenfalls erst viel später Notiz von diesem Verbesserungsmittel genommen. In neuerer Zeit ist jedoch nicht unbekannt geblieben, daß man, zumal bei manchen speciellen Vieren, dem für den beabsichtigten Charakter nicht ausreichenden Glyceringehalte derselben durch einen künstlichen Zusatz, und zwar mit zweifellosem Erfolge, aufzuhelfen sucht.108) Eine gewisse Fülle und Rundung des Geschmacks zu geben, dürfte sich auch wohl nicht leicht ein besseres Mittel finden lassen.

Das im Handel vorkommende Glycerin zeigt nun einen ziemlich wechselnden Wassergehalt, selbst abgesehen vom Kleinverkehr, wo diese Schwankungen noch weit beträchtlicher sind. Der Werth desselben ist aber selbstverständlich von diesem Wassergehalte wesentlich abhängig. Die einfachste Gehaltsprüfung einer derartig bezogenen Waare ist nun offenbar, sonstige Reinheit des Productes vorausgesetzt, die Bestimmung des specifischen Gewichtes. Das im Großen erzeugte Glycerin leidet sehr häufig an einer namhaften Verunreinigung durch unorganische Bestandtheile, Chlornatrium etc., welche sich jedoch leicht durch Einäscherung auffinden lassen. Bleibt hierbei irgend ein beachtenswerther Rückstand, so wird man ein solches Präparat ohnehin für den in Rede stehenden Gebrauch verwerfen. Uebrigens werden von den Producenten die größten Anstrengungen gemacht, ein nach dieser Richtung tadelfreies Product zu liefern; bei dem stets wachsenden Gebrauch des Glycerins wird die wach gerufene Concurrenz auch das Ihrige zur Lösung dieser Aufgabe beitragen.

Vollkommen wasserfreies, reines Glycerin hat gemäß directen Bestimmungen bei + 14° R., verglichen mit Wasser von derselben Temperatur, ein specifisches Gewicht von 1,261. Durch Wasserzusatz wird dasselbe natürlich geringer.

Sollte sich nun, wie voraussichtlich, der Glycerinverbrauch in der Brauerei in ähnlicher Weise ausdehnen, wie es für die Weinbereitung bereits vorliegt, so wird die Ermöglichung einer raschen Controlle für den Gehalt und Werth des Glycerins nicht nur willkommen seyn, sondern sogar zu einem gewissen Erforderniß werden. Dieß hat den Verf. bestimmt, den Zusammenhang zwischen dem specifischen Gewichte und dem Gehalte der Mischungen des reinen Glycerins mit Wasser durch directe Bestimmungen zu ermitteln. Er benutzte für diese, in unserer Quelle ausführlich beschriebenen Versuche ein mit Dampf destillirtes, gänzlich aschenfreies, wie im Uebrigen vollkommen tadelloses Product aus einer englischen Fabrik. Die Resultate seiner Versuche sind in einer unserer Quelle beigefügten Tabelle in der Weise graphisch zusammengestellt, daß man für jedes specifische Gewicht eines Glycerins leicht und genau de procentischen Gehalt desselben an wasserfreiem Glycerin auffinden kann.

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In der nachstehenden Tabelle hat der Verf. die für die Unterschiede von 10 zu 10 Proc. Mehrgehalt berechneten specifischen Gewichte mit den Werthen, welche Fabian im Jahre 1860 bei seiner Arbeit über die Füllung der Gasuhren mit Glycerin und den Gefrierpunkt der Mischungen des Glycerins mit Wasser erhalten hat (polytechn. Journal Bd. CLV S. 345), zusammengestellt. Diese älteren Ermittelungen weichen zum Theil bedeutend von den vorliegenden ab und zeigen unter einander auffallende Unregelmäßigkeiten, welche namentlich bei der graphischen Verzeichnung augenfällig hervortreten. Da es sich in neuerer Zeit vielfach als bequem erwiesen hat, bei derartigen Tabellen auch den Gewichtsgehalt im Volumen anzugeben, so fügt der Verf. auch hierfür eine betreffende Rubrik bei. Er hat dieser Tabelle die Temperatur von 14° R. = 17,5°C. sowohl für das Glycerin als für das Wasser zu Grunde gelegt, d.h. dieselbe gibt das specifische Gewicht des Glycerins bei 14° R. an, verglichen mit Wasser von derselben Temperatur. Es geschah dieß, weil die saccharometrischen Bestimmungen für dieselben Umstände im allgemeinen Gebrauch stehen.

Spec. Gewicht
nach
Fabian.
Procente
Glycerin
Spec. Gewicht
nach
Metz
In 1 Kubikcentimeter, resp. 1 Liter,
finden sich Gramme, resp. Kilogr.
wasserfreies Glycerin.
100 1,261 1,2612
1,232 90 1,232 1,1088
1,120 80 1,206 0,9648
1,179 70 1,179 0,8255
1,159 60 1,153 0,6918
1,127 50 1,125 0,5625
1,105 40 1,099 0,4396
1,075 30 1,073 0,3219
1,051 20 1,048 0,2096
1,024 10 1,024 0,1024

(Der bayerische Bierbrauer, 1870, Nr. 1 u. 2.)

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Man s. polytechn. Journal Bd. CXCVI S. 487 (erstes Juniheft 1870).

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