Titel: Ueber Filtriren des Weines.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 18 (S. 464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi05_18

Ueber Filtriren des Weines.

Foelix in Mainz theilt darüber der deutschen Weinzeitung Nachfolgendes mit:

Häufig kommt es vor, daß ein Faß Wein durchaus nicht hell werden will, und wobei auch die beste Schönung nichts hilft, und für einen solchen Wein hat man in der neueren Zeit die Filtrirmaschinen erfunden, welche mehr oder weniger ihren Zweck erreicht haben. Vorzüglich bewährt sich die neue, wie man sagt, von einem Holländer erfundene Filtrirmaschine, die hier jetzt im allgemeinen Gebrauch ist, wo nämlich der Wein durch doppelte, lange, leinene Beutel, deren Poren durch Kohlenpulver verstopft werden, filtrirt wird. Bei richtiger Manipulation wird der Wein glanzhell, und man kann des Tages 1–2 Stück filtriren.

So schön auch die Sache ist, so habe ich doch gefunden, daß Weine, welche Bouquet haben, durch das Kohlenpulver sehr Roth leiden, indem das Bouquet wenigstens theilweise verschwindet. Dieß ist auch sehr natürlich, wenn man bedenkt daß die Holzkohle viele Geschmack- , Geruch- und Farbestoffe ganz zerstört, so daß sie sogar zum Reinigen übelriechender Trinkwässer und anderer Flüssigkeiten gebraucht wird. Da es nun nicht rathsam erscheint, feine Bouquet-Weine durch Kohlenpulver zu filtriren, so versuchte ich, statt mit Kohlenpulver, durch dicken Trubwein die Poren der Filtrirbeutel zu verstopfen, und dann den Wein zu filtriren. Der Versuch fiel nach Wunsch aus, denn der Wein wurde glanzhell wie durch Kohlenpulver, und behielt sein Bouquet vollständig.

In Ermangelung von Trubwein, rühre man etwas frische Weinhefe mit den ersten paar Stutzen Wein, welchen man aufgießt, an, und beginne dann weiter das Filtriren. Man darf nicht zu viel Hefe nehmen, weil man sonst die Filter ganz verstopft.

Auf diese Weise läßt sich das Kohlenpulver ganz ersetzen, welches auch noch häufig den Nachtheil hat, daß es dem Wein einen üblen Geruch oder Geschmack mittheilt, wie ich mich selbst überzeugt, und auch viel Klagen darüber gehört habe. Wahrscheinlich waren die Kohlen nicht gehörig durchgeglüht, oder hatten durch das Alter aus der Luft Geruch- oder Geschmackstoffe absorbirt.

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