Titel: Airy's Methode zur Prüfung von Trägern etc. auf Risse oder Sprünge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 2 (S. 455–456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi05_2

Airy's Methode zur Prüfung von Trägern etc. auf Risse oder Sprünge.

Es ist schon lange bekannt, daß man bei Gefäßen aller Art, plattenförmigen Gegenständen, wie Blechtafeln, bei eisernen Wagenachsen etc. aus dem durch Anschlagen hervorgerufenen Ton oder Klang erkennen kann, ob diese Gegenstände ohne Risse oder Sprünge sind. Ebenso entscheidet bei vielen Constructionen die Höhe des angeschlagenen Tones über die Spannung der Stäbe, wie z.B. bei dem Spannstangen-Armsystem der Wasserräder. Nun ist in neuester Zeit durch W. Airy in London noch ein Schritt weiter geschehen und wird aus der Höhe des angeschlagenen Tones die Größe der Spannung selbst bestimmt. Die Methode der Kräfteberechnung ist als neu, elegant und sicher zu bezeichnen, und obwohl sie nur an einem Modell eines Bowspring-Trägers angewendet worden ist, so läßt sie sich in gleicher Weise auch für andere |456| Constructionen (Fachwerkträger, Stationsdächer, Bogendrücken mit Gitterwerk etc.) benutzen. Es ist diese Methode überall da von Werth, wo die Schwierigkeiten und die Unsicherheit der theoretischen Bestimmung eine experimentelle Untersuchung der betreffenden Construction als wünschenswerth erscheinen läßt. Dieß ist auch der Fall bei Airy gewesen, welcher zu seinen Versuchen durch einen Auftrag veranlaßt wurde, sich bei der Berechnung einer größeren Bowspring-Trägerbrücke zu betheiligen. Er hält es überhaupt keineswegs für überflüssig, wenn ein Ingenieur, der ein größeres Bauwerk auszuführen habe, ein Modell zum Experimentiren zur Hand nähme.

Diese Methode der Kräftebestimmung besteht nun nach einer Mittheilung des Regierungsraths Prof. Schneider in der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ in Dresden in folgendem Verfahren. Der deutlich hörbare Ton, den jedes Spannband des belasteten Trägers beim Anschlagen gab, wurde mit dem Tone eines frei aufgehängten Drahtes von gleicher Länge und Stärke, der durch Gewichte gespannt war, verglichen und bei Gleichheit des Tones auf eine gleich starke Beanspruchung des untersuchten Trägergliedes geschlossen. Der Apparat hierzu oder diese neue Rechenmaschine ist sehr einfach, ebenso die Manipulationen mit demselben. Es handelt sich nur um Anhängen von Gewichten, Ablängen der tönenden Stücke durch einen beweglichen Sattel und um ein gutes Gehör. Airy hat durch vergleichende Versuche gefunden, daß diese Methode genaue Resultate bis zu 1/160 geben könne. Auf diese Weise wurde das Verhalten eines solchen Trägers in seinen einzelnen Theilen bei gleichförmiger, wie bei ungleichförmiger, resp. isolirten Belastung, mit Leichtigkeit untersucht. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 32.)

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