Titel: Stahlgußerzeugnisse der Gebrüder Glöckner zu Tschirndorf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 3 (S. 456–457)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi05_3

Stahlgußerzeugnisse der Gebrüder Glöckner zu Tschirndorf.

Einem Bericht über die dritte schlesische Gewerbe-Ausstellung entnehmen wir folgende Mittheilungen über die Ausstellungs-Gegenstände dieser Firma.

Der Stahlguß dieser Firma ist eine Legirung von Gußeisen und Gußstahl oder Schmiedeeisen, welche die Eigenschaft besitzt, sich eben so wie Gußstahl härten zu lassen. Diese Legirung ist Erfindung der genannten Firma und bisher noch nicht in den Handel gekommen. Die ausgestellten Gegenstände sind sämmtlich für den Gebrauch ausgeführt worden, zeigen bei völlig blasenfreier Bruchfläche ein mehr oder weniger feinkörniges Gefüge und sind ungehärtet vollständig weich; an den gehärteten Stellen je nach den verschiedenen Bestimmungen weicher oder so hart, daß sie sich mit der Feile und dem Meißel nicht bearbeiten lassen.

Außer zwei Vollgeschossen sind folgende Gegenstände ausgestellt: eine Hülse für ein Schwanzhammerwerk, die Warzen der Hülse sind gehärtet; eine Malzquetschwalze, gedreht, gehärtet und dann geschliffen; Pflugsohlen und ein Streichbrei, an den erforderlichen Stellen gehärtet; ein conisches Rad für eine Häckselmaschine mit gehärteten Kämmen, alle übrigen Theile sind weich; ein Excentric für eine Drahtfabrik, abgedreht und gehärtet. Bei diesem Stück ist besonders hervorzuheben, daß sich dasselbe von Gußstahl nicht herstellen läßt, weil es nach dem Urtheil von Sachverständigen beim Härten unfehlbar springen würde; zwei Lagerschalen von gehärtetem Stahlguß, die schon vielfach auf ihre Festigkeit probirt wurden; eine kleine Walze mit gehärteter Walzenfläche und ungehärteten Lagerstellen und Schraubengewinden; eine kleine Rolle für Eisenbahnwagen; Schiebethüren, vollständig gehärtet; Schaare für Säemaschinen mit gehärteten Schneiden; Bremsmuttern, mit abgedrehten Zapfen und eingeschnittenem Gewinde.

Was die Festigkeit des Fabricates anlangt, so liegt ein Bericht über die ausgeführte Festigkeitsprobe mit einer Bremsmutter von Stahlguß von einer der bedeutendsten und renommirtesten Wagenfabriken in Deutschland vor; diese Probe hat ergeben, daß die Festigkeit der gegossenen Bremsmuttern der Festigkeit von Bremsmuttern aus Schmiedeeisen völlig gleich kommt.

Große Bedeutung hat sich der Stahlguß in Verwendung von Bremsklötzen erworben. Die oberschlesische Eisenbahn hat denselben zuerst dazu in Anwendung gebracht. Jetzt sind Bremsklötze von Stahlguß im Gebrauch bei der oberschlesischen, der niederschlesischmärkischen, der Halle-Casseler, der Cöln-Mindener und Magdeburg-Leipziger Bahn. Es ist unzweifelhaft, daß Bremsklötze von Stahlguß die von Pappelholz gänzlich verdrängen werden; die oberschlesische Bahn berichtete im Sommer 1869 über die Glöckner'schen |457| Bremsklötze: Seit April 1867 sind gußeiserne Bremsklötze von Gebr. Glöckner in Betrieb und gegenwärtig sind 185 Wagen verschiedener Bestimmung damit versehen. Die Bremsklötze bestehen aus Holzkohleneisen mit Gußstahl-Drehspänen und werden einzeln vor dem Gebrauch durch starke Schläge geprobt. Das Härten sowohl als das Tempern hat sich nicht bewährt, indem sich im ersten Fall Einbrüche, im zweiten Falle rasche Abnutzung einstellten. Die Gewichtsverminderung eines Satzes von 355 Pfd. betrug nach einjähriger Benutzung 2 5/6 Pfd., so daß bei einem auszunutzenden Gewichte von 240 Pfd. die Dauer von 84 1/2 Jahren resultirt. Mit Anrechnung des Arbeitslohnes und Abrechnung des verbleibenden Materialwerthes ergeben sich die jährlichen Unterhaltungskosten der gußeisernen Bremsklötze auf 1 Thlr. 6 Sgr. 7 Pfg. gegen 1 Thlr. 21 Sgr. 5 Pfg. der hölzernen. Zu der Ersparniß von 14 Sgr. 10 Pfg. kommt noch eine bemerkbare Schonung der Bandagen und dem entsprechend der Geleise. Nach einer Erfahrung von zwei Wintern ist die Abnutzung der Bandagen eine viel geringere wie früher bei Holzbremsen und dabei durchaus gleichmäßig. Diese Vortheile werden der Verhütung des Feststellens der Räder, sowie einer beträchtlichen Verminderung des Erhitzens durch die schnellere Wärme-Ableitung zugeschrieben. In dem Bericht der Direction vom 16. April 1868, betreffend die Radreifenbrüche, wird die Thatsache erwähnt, daß nur bei Anwendung hölzerner Bremsklötze Brüche vorgekommen sind, während unter den eisernen Bremsklötzen bisher keine Bandage gesprungen ist. Die geringere Bremswirkung der gußeisernen Bremsklötze wird durch deren besseren Zustand, sowie durch Vermehrung des Bremsgewichtes um circa 2 Ctr. etwas ausgeglichen. Eine Vergrößerung der Kraftübersetzung war nicht erforderlich. (Berggeist, 1870, Nr. 49.)

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