Titel: Der phosphorsaure Kalk als Beizmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 8 (S. 458–460)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi05_8

Der phosphorsaure Kalk als Beizmittel.

Wir haben früher schon mitgetheilt,107) daß Collas sich ein Verfahren patentiren ließ, mit einer sauren Lösung von phosphorsaurem Kalk (Knochenerde) zu beizen.

|459|

Wir finden im Moniteur de la teinture ein Verfahren angegeben, nach dem man mit Hülfe dieser Beize – welche übrigens in Deutschland hier und da als animalische Knochenbeize oder unter ähnlichen Namen verkauft wird – Baumwolle für Anilinfarben vorbereiten kann.

Das Recept, welches die genannte Zeitschrift gibt, bezieht sich auf 20 Pfund Baumwolle. Man verfährt, wie folgt.

Die Baumwolle wird zuerst in einer klaren Abkochung von 4 Pfund Schmack bei 40–50°C. schmackirt und dann in ein kaltes Bad gebracht, welches 2 Pfund einer syrupdicken Lösung von phosphorsaurem Kalk in Salzsäure enthält. Man läßt die Waare 20–30 Minuten darin, dreht ab und kann spülen, was indessen nicht unumgänglich nöthig ist.

Man färbt dann in einem Anilinfarbenbade aus, wie man es gewöhnlich macht.

Wenn es sich darum handelt, eine helle Nuance zu bekommen, so kann man das Schmackiren ganz unterlassen und, während der Stoff in dem Bade von phosphorsaurem Kalk ist, nach und nach 1 Pfund kohlensaures Natron in aufgelöstem Zustande hinzufügen. Dadurch wird neutraler phosphorsaurer Kalk niedergeschlagen, welcher an die Faser herangeht.

Die Sache mit der Beizung, mit Hülfe des phosphorsauren Kalkes scheint nicht ganz sicher. Man würde, wie man sich durch Ansicht des obigen Receptes überzeugen kann, dasselbe Resultat wahrscheinlich auch erhalten, wenn man gar keine Auflösung von phosphorsaurem Kalk zusetzte, denn die Quantität von 4 Pfund Schmack auf 20 Pfund Baumwolle reicht sehr wohl hin, eine Schmackirung hervorzubringen, welche die Anilinfarben außerordentlich fixirt. Man wird dagegen einwenden, daß zur Erzeugung einer hellen Nuance ja gar kein Schmack angewendet worden ist. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß beim Zufügen von Soda zur Auflösung des phosphorsauren Kalkes eine kleine Quantität kohlensauren Kalkes auf der Faser befestigt wird, so wird Man auch zugeben müssen, daß die Anilinfarbe durch kohlensauren Kalk oder auch geradezu durch den Ueberschuß von kohlensaurem Kalk auf der Faser gefällt ist. Wenn man sich dasjenige ins Gedächtniß ruft, was wir am Anfang des vorigen Jahres in der Musterzeitung für Färberei etc. über die Beizung der Baumwolle für Anilinfarben mit Borax und kohlensaurem Natron gebracht haben, so ist es auch sehr klar, daß man wenigstens hellere Nuancen auch auf diesem Wege erhalten kann. Man versuche nur einmal, die hellen Nuancen zu färben und zuvor in einem Bade aus einem Pfunde kohlensaurem Natron zu beizen. Wir sind sicher, man bekommt dasselbe Resultat und wahrscheinlich weit besser, als wenn man das Pfund kohlensaures Natron in die Auflösung von phosphorsaurem Kalk hineinbrächte. Ja, das Verfahren wird noch besser gehen, wenn man an Stelle eines Pfundes nur einige Loth kohlensauren Natrons anwendet. Die Ersparung ist dann ganz bedeutend.

Die Anwendung von phosphorsaurem Kalk spukt aber nicht nur in Frankreich; sie wird auch noch sehr häufig als ein besonderes Beizmittel vorgeschlagen, und wir kennen Recepte zur Erzeugung von Cochenilleroth auf Baumwolle, bei welcher eine solche Beize ebenfalls eine große Rolle spielt. Auch in diesem Falle könnte man die Färbung ebenso wohl, wenn nicht noch schneller hervorrufen, wenn man diese Beize vollständig fortließe. Wir können also nicht umhin, unsere Leser vor der Anwendung dieser Knochenbeize, animalischen Beize oder wie sonst die verschiedenen Namen alle lauten mögen, welche man für eine Auflösung von Knochenerde oder aber auch gewöhnlicher getrockneter Knochen in Salzsäure hat, zu warnen, da dieselbe höchstens, wenn nicht schadet, so doch immer Verlust an Zeit und Geld verursachen wird.

Der Moniteur de la teinture fügt übrigens dem Artikel, in welchem er die Beizung beschreibt, noch hinzu, daß man durch Mischung von saurem phosphorsaurem Kalk, Leim und irgendeinem unlöslichen gefärbten Pulver dieses letztere genau so fixiren kann, wie man es mit Hülfe von Albumin zu thun im Stande ist. Daß dem so ist, ist aber gewiß nicht die Schuld des phosphorsauren Kalkes, sondern höchstens ist es der Leim, welcher auch bei Einwirkung von Säuren, besonders in der Wärme unlöslich gemacht werden kann. Auch hier würde man noch weit besser zum Ziele gelangen, wenn man den sauren phosphorsauren Kalk einfach durch eine starke Säure ersetzt, oder aber es unterläßt, in der angewendeten Säure die Knochen erst aufzulösen.

Nur wenn es möglich ist, mit Hülfe des sauren phosphorsauren Kalkes ohne Anwendung irgend eines anderen Beizmittels eine wirkliche Beizung der Waare hervorzurufen, |460| können wir den Nutzen eines solchen Mordants einsehen. Dr. M. Reimann. (Musterzeitung für Färberei etc., 1870, Nr. 28.)

|458|

Polytechn. Journal, 1869, Bd. CXCIV S. 358.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: