Titel: Chlorcalcium zum Besprengen von Straßen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 11 (S. 546)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi06_11

Chlorcalcium zum Besprengen von Straßen.

Wiederholt, zuerst wohl vor circa 40 Jahren von Leuchs, ist das Chlorcalcium, welches bei mehreren Industriezweigen als Nebenproduct abfällt, wegen seiner bekannten Eigenschaft, aus der Atmosphäre Feuchtigkeit anzuziehen, zum Besprengen von Straßen empfohlen worden (man s. z.B. polytechn. Journal, 1868, Bd. CLXXXIX S. 269); diese Verwendungsweise ist aber wohl nirgends über das Versuchsstadium hinausgekommen. Der Grund dafür dürfte theilweise in den Kostenverhältnissen zu suchen seyn. In Paris brauchte man pro Quadratmeter 0,25 Kilogrm. gereinigtes Chlorcalcium, welches 15,07 Frcs. pro 100 Kilogrm. kostete, so daß sich also der Quadratmeter ohne Arbeitslöhne und Anfuhrkosten auf 3,8 Centimes stellte. Die Wirkung des Besprengens war 5 bis 6 Tage zu bemerken; bei Anwendung von ungereinigtem, Chlormangan haltendem Chlorcalcium, welches 7,6 Frcs. pro 100 Kilogrm. kostete, brauchte man 1/2 Kilogrm. pro Quadratmeter und die Wirkung dauerte nur 3 Tage. Fr. Scheeffer in Mainz berechnet dagegen im Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1870 S. 216, 1 Kubikmeter – circa 2000 bis 2500 Pfd. Flüssigkeit zu circa 3 Thlr. und veranschlagt, daß man damit 10 Quadratmeter Fläche etwa 1 Centimeter zu gießen habe; es würde sich also der Quadratmeter auf 9 Sgr. stellen. Wie man sieht, ist diese Annahme eine viel zu hohe. Mehr begründet sind dagegen Scheeffer's weitere Einwendungen, daß nämlich der erste Regen die Salzlösung spurlos hinwegspüle und daß, wenn von der Lösung etwas an Kleider und Schuhe komme, was doch fast unvermeidlich sey, dieselben befleckt und zerstört werden. In Berührung mit Seife werde das Chlorcalcium derart zersetzt, daß in den Stoffen Kalkseife sich niederschlägt, welche dieselben vollständig verdirbt, namentlich würden Strümpfe nach dem Waschen sehr übel aussehen. Welche Wirkungen der rohe salzsaure Kalk der Salinen auf die Geruchs- und Athmungsorgane und den Feuchtigkeitsgehalt der Luft ausüben dürfte, sey abzuwarten und reines Chlorcalcium möchte doch wohl nicht angewendet werden. Auch dürften die Fische der benachbarten Gewässer, wohin der Regen abfließt, zu berücksichtigen seyn, ebenso alle Diejenigen, welche reines Flußwasser zum Waschen und zu technischen Zwecken bedürfen. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 35.)

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