Titel: Anthracenroth von Gebrüder Gessert in Elberfeld.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 13 (S. 547)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi06_13

Anthracenroth von Gebrüder Gessert in Elberfeld.

Dr. J. Gessert in Elberfeld bemerkt in einem Schreiben an Prof. Dr. Wagner in Würzburg über das Anthracenroth Folgendes:

„Die Darstellungsmethoden für das künstliche Alizarin aus dem Anthracen wurden bisher geheim gehalten. Der erzielte Farbstoff liefert sehr schöne Nüancen in Roth und Braun, vorzüglich aber ein sehr feuriges Gelbroth. Das mit ihm erzeugte Violett hat einen bläulich grauen, lernen Stich und steht bei Weitem dem mit Alizarin aus Krapp erzeugten nach. Diese Eigenthümlichkeit des Anthracenroths dürfte darauf beruhen, daß in demselben neben reinem Alizarin ein gelber Farbstoff enthalten ist, und es wird ohne Zweifel bald gelingen diesen zu entfernen, und das Anthracenroth dem Alizarin gleichwerthig zu machen. In der Aechtheit steht das Anthracenroth dem Alizarin nicht nach, und Garn welches mit Anthracenroth türkischroth gefärbt ist, verliert bei der Avivage wesentlich weniger, als mit Krapp oder Garancin auf gleiche Stärke gefärbtes Garn. Was endlich die Concurrenzfähigkeit des Anthracenroths mit dem Krappfarbstoff betrifft, so sieht es damit vor der Hand für das erstere noch sehr ungünstig aus. Die durch sehr lebhafte Nachfrage bei sehr geringer Production zu einer unnatürlichen Höhe gesteigerten Preise des Anthracens sowohl, als die Neuheit der Fabrication macht es verständlich, daß das Anthracenroth bisher sehr wesentlich theurer zu stehen kommt, als derselbe Farbstoffwerth in dem Garancin. Dagegen ist schon jetzt eine Concurrenz des Anthracenroths mit dem Krappextract möglich, und da sicher zu erwarten ist, daß die Preise des Anthracens sich binnen Kurzem auf 1/3 des jetzigen Preises reduciren werden, und daß man in der Fabrication des Anthracenroths sehr wesentliche Fortschritte machen wird, so darf es nicht bezweifelt werden, daß nach einer gewissen Zeit das künstliche Alizarin aus Anthracen dem Krappbau und der Garancinfabrication eine tödtende Concurrenz machen wird.“ (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 22.)

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