Titel: Haedicke's selbststellende Feldwindmühle nebst Schöpfapparat.
Autor: Haedicke, H.
Fundstelle: 1871, Band 199, Nr. XXI. (S. 81–83)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/ar199021

XXI. Selbststellende Feld-Windmühle nebst Schöpfapparat; von H. Haedicke, Marine-Ingenieur in Kiel.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Diese Feld-Windmühle hat den Zweck, auf eine leichte Weise die Kraft des Windes zu untergeordneten Zwecken bei geringen Arbeitsanforderungen auszunutzen. Sie muß aus diesem Grunde leicht transportabel, leicht und einfach ausführbar, möglichst billig und besonders selbststellend seyn, damit sie keine weitere Behandlung als etwa die eines zeitweisen Schmierens erfordert.

Ein an einem geeigneten Punkte eingegrabener Pfahl enthält einen langen eisernen Zapfen a, Figur 7, auf welchem ein conisches Rad b mit einer langen Nabe läuft. Die obere Hälfte dieser Nabe ist auf einen geringeren Durchmesser abgedreht und dient zur Aufnahme eines Ringes c, welcher nach rechts in die Flügelwelle d, nach links in den Arm e mit dem das Gewicht der Flügel etc. ausgleichenden verstellbaren Gegengewicht f ausläuft.

Die Welle d trägt ein kleines conisches Rad g, welches in das erstgenannte (b) eingreift und mit einem im Theilkreise liegenden Ringansatz auf einem diesem entsprechenden des Rades b ruht. Das Rad g enthält die Naben h zur Aufnahme der eisernen Flügelarme, an welchen sich die aus dünnem Eisenblech gefertigten (ebenen) Flügel befinden. Die schräge Lage dieser Flügel ist durch die Zugstangen i von dem Ende der Flügelarme aus gesichert, und diese sind wieder durch die Streben k in Verbindung mit dem Zugorgan l gegen den Druck des Windes abgesteift.

Eine durch den Wind bewirkte Drehung der Flügel wird sich, wenn die Achse derselben auf irgend eine Weise an der Drehung um den Zapfen a (oder die Nabe des Rades b) verhindert wird, auf das conische Rad b fortpflanzen. Die Nabe dieses Rades enthält in ihrem oberen Ende einen Zapfen der Säule m festgekeilt, dessen Kopf gegen den des Zapfens a liegt, welcher also das ganze System trägt.

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Die Säule m, in ihrer Lage durch den Halsring n und die Stange o gehalten, trägt eine Kurbel p, welche die Arbeit fortzupflanzen bestimmt ist.

Der in der gezeichneten Stellung vielleicht von Rechts kommend gedachte Wind wird zunächst die Flügel in der Weise drehen, daß die oberen Theile sich in die Zeichenebene hinein bewegen. Es wird also das conische Rad g auf dem dazu gehörigen Rade b rollen, mithin das ganze Flügelsystem sich nach Links (hinten herum) drehen. Es wird dieß so lange thun, bis die immer mehr und mehr verkehrt werdende Flügelstellung eine entgegengesetzte Drehung verursacht. Es beginnt nun folgendes Spiel:

Ist der Wind stark, der Widerstand der zu leistenden Arbeit gering genug, daß das Rad b in dem Sinne nachgeben kann, daß der Flügelkörper auf der dem Winde abgewendeten Seite bleibt, so wird der Zweck erreicht seyn und die Mühle eine bestimmte Arbeit leisten.

Bei schwachem Winde oder großem Widerstande wird sich der Flügelkörper seitlich einstellen und hin- und herspielen, ohne einen fremden Widerstand zu überwinden im Stande zu seyn. – Durch entsprechende Wahl der Räder b und d wird sich dieses in brauchbare Grenzen einzwängen lassen.

Die auf derselben Zeichnung (Fig. 7) durch diese Mühle getrieben gedachte Schöpfvorrichtung wirkt auf folgende Weise:

Zwei Lattenpaare α und β, durch einen (hier mit der Mühle in Verbindung stehenden) Winkelhebel wechselseitig auf und nieder bewegt und in den losen Führungen γ gehalten, tragen in gleichen Entfernungen vermittelst horizontaler Achsen die um diese drehbaren Schalen δ. Dieselben haben in der Horizontal-Projection einen rechtes-, in der Vertical-Projection einen trapezförmigen Querschnitt.

Die unterste Schale δ₁, hat ein sich leicht nach innen öffnendes Bodenventil, so daß es beim Einsenken in das zu schöpfende Wasser einen möglichst geringen Widerstand bietet.

Geht nunmehr die durch das Eintauchen gefüllte Schale δ₁ (mit den zu ihrem System gehörenden zugleich) in die Höhe, so senkt sich die Schale δ₇ herab und legt sich mit dem Ende des Hubes auf den Knaggen 7. Kurz vorher hat die Schale δ₁ den Knaggen I erreicht, ist durch denselben schief gestellt worden – ähnlich wie die punktirt gezeichneten Schalen δ₃ und δ '₅ – und gießt so ihren Inhalt in die Schale δ₇.

Geht nunmehr wieder das linke System herauf, das rechte hinab, so füllt sich u.a. abermals die Schale δ₁ aber zu gleicher Zeit legt sich die Schale δ₂ gegen den Knaggen 2, die Schale δ₇ erreicht den Knaggen 7 |83| und übergibt, durch denselben umgekippt, ihren Inhalt der Schale δ₂. Im weiteren Verlauf übergibt δ₂ das Wasser an δ₆, diese an δ₃ u.s.f., bis δ₄ den Inhalt in die Rinne ε ausgießt.

So wird bei jeder Umdrehung der Kurbel p eine Schale Wasser in die Rinne gebracht werden. Die größere oder geringere Arbeit dieser Schöpfvorrichtung läßt sich sehr leicht an der Schale δ reguliren. Schneidet man einen Rand derselben an einer Stelle so niedrig aus, daß nur eine bestimmte Wassermenge darin gehalten werden kann, so wird dadurch die Schöpffähigkeit im Ganzen reducirt. Leicht verstellbar und der Mittelkraft des Flügelapparates anzupassen ist dieß durch einen kleinen Schieber zu erreichen, welcher seitlich an der Schale δ₁, angebracht die Capacität derselben bestimmt.

Wenn auch von einer theoretisch vortheilhaften Arbeit dieser Vorrichtung nicht die Rede seyn kann, da nur ein bestimmter Theil des Hubes zur Geltung kommt, und auch durch unvollkommenes Ausgießen der Schalen Verluste entstehen werden, so ist doch dieselbe so einfach, so leicht herzustellen und mit so wenig schädlichen Widerständen verbunden, daß sie für Entwässerungszwecke, Jauchenschöpfungen etc. gerade wegen ihrer Einfachheit und Sicherheit gute Dienste leisten dürfte, und daher namentlich für die Landwirthschaft empfohlen werden kann.

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