Titel: Richters, über Verhüttung der Röstrückstände der Schwefelkiese.
Autor: Richters, E.
Fundstelle: 1871, Band 199, Nr. LXXX. (S. 292–302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/ar199080

LXXX. Ueber einige Versuche, die Röstrückstände der Schwefelkiese zu verhütten; von Dr. E. Richters.

Die Anwendung der Pyrite statt des Schwefels zur Darstellung der englischen Schwefelsäure hat in den letzten Jahren immer größere Dimensionen angenommen.

Nachdem das Erz behufs Gewinnung der schwefligen Säure, welche in die Bleikammern gelangt, abgeröstet ist, bleibt ein mit Schwefel in sehr wechselnden Mengen verunreinigtes Eisenoxyd zurück, welches unter Umständen durch seine massenhafte Anhäufung äußerst lästig wird. Um dasselbe fortzuschaffen und gleichzeitig nutzbringend zu verwerthen, hat man die Verhüttung dieses Röstrückstandes im Hohofen vorgeschlagen und auch stellenweise bereits ausgeführt.

Das hauptsächlichste Bedenken gegen diese Art der Verwendung mußte der für ein Eisenerz ganz außerordentlich hohe Gehalt des betreffenden Röstrückstandes an Schwefel veranlassen, der gar nicht selten bis auf 5–6 Proc. steigt, bisweilen freilich auch bis auf 3 Proc. herunter geht.

|293|

Die Menge des in den Rückständen verbleibenden Schwefels hängt einestheils von dem Gange des Röstprocesses, anderntheils von der Zusammensetzung der Kiese ab. Ist jener ein zu heißer, so erscheint der Rückstand geschmolzen und enthält viel Monosulfuret, welches auch durch lange fortgesetztes Rösten nicht entschwefelt wird.52) Führen andererseits die Kiese Blende, wie das häufig, z.B. bei den westfälischen der Fall ist, so findet sich in den Rückständen viel unzersetztes Schwefelzink und basisch-schwefelsaures Zinkoxyd, welches sich durch einen Auslaugungsproceß nur sehr schwierig und unvollständig entfernen läßt.

Außer dem Schwefel treten in den Kiesen bisweilen als die Verhüttbarkeit benachtheiligende Gemengtheile noch Arsen und Kupfer auf. Viele, z.B. die aus der Gegend von Altenhunden in Westphalen, sind von ersterem fast, von letzterem ganz frei.

Das Arsen wird durch den Röstproceß nur zum Theil verflüchtigt; ist seine Menge sehr gering, so kann es keine besondere Bedenken veranlassen.

Die Verhüttung von Rückständen welche Kupfer enthalten, wird dagegen allein von der Möglichkeit der vollständigen Entfernung dieses unliebsamsten Begleiters des Roheisens durch einen vorgängigen Auslaugproceß abhängen.

Im Laufe des verflossenen Jahres hatte ich Gelegenheit vom Standpunkte des Chemikers eine größere Reihe von Versuchen zu verfolgen, welche die Verhüttung jener Rückstände zum Gegenstand hatten. Die chemischen Erscheinungen welche sich dabei ergaben, bieten so viel Interessantes dar, daß ihre Mittheilung gerechtfertigt erscheinen dürfte. Bevor ich auf dieselben näher eingehe, ist es nothwendig einige allgemeinere Bemerkungen über den betreffenden Hohofen welcher zu den Versuchen diente, und sonstige Betriebsverhältnisse vorauszuschicken.

Außer dem hohen Schwefelgehalt der Kiesabbrände welcher, wie bemerkt, bisweilen bis auf 6 Proc. stieg, waren es noch andere Umstände welche die alleinige Verhüttung der Rückstände unthunlich erscheinen ließen. Ich rechne dahin den beträchtlichen Gehalt der circa 10 bis 12 Proc. betragenden Kohksasche an Schwefelsäure, welche in Verbindung mit dem Schwefel der Kiesabbrände den Schwefelgehalt der Gattirung über die Gebühr gesteigert haben würde; ferner den vollständigen Mangel an einem nur einigermaßen manganreichen Zuschlag, welcher bekanntlich die Ueberführung des Schwefels in die Schlacke so ungemein begünstigt, und endlich die Nothwendigkeit der Erzeugung eines möglichst schwefelarmen |294| Roheisens, für welches sich allein ein genügender Absatzmarkt bot.

Das Eisenerz welches mit den Abbränden gattirt wurde, war der Hauptmenge nach ein derber, sehr reiner, schwer reducirbarer Magneteisenstein, der zuvor einem Röstungsprocesse unterworfen wurde; ferner wenig Blackband, gerösteter Thoneisenstein, Rasen- und Rotheisenerz.

Bei der derben Beschaffenheit des Magneteisensteines und dem großen Schwefelgehalte der Beschickung waren die Verhältnisse für eine reichliche Kohlung des Eisens nicht besonders günstige. Es würde für letzteren Zweck sich ohne Zweifel die Anwendung milderer Erze empfohlen haben. Da aber die Umstände gleichzeitig auf die Erzeugung eines möglichst phosphorfreien Roheisens drängten, so gab man dem fast phosphorsäurefreien Magneteisenstein doch vor den übrigen zu Gebote stehenden, mehr oder weniger phosphorsäurereichen Erzen den Vorzug.

Die tägliche Production des Ofens betrug circa 450 Ctr. – Pressung des Windes 4 Pfd. pro Quadratzoll, Temperatur desselben 360 bis 400°C. – Verbrauch an Brennmaterial 150–160 Pfd. Kohks auf 100 Pfd. Roheisen, mit welchen gleichzeitig 100–110 Pfd. Schlacken erblasen wurden. – Die erste Frage, welche beim Beginne der Versuche zur Erörterung kam, war folgende: „Bis zu welcher äußersten Grenze kann unter den gegebenen, übrigens, soweit ihre Regelung möglich ist, günstigsten Verhältnissen der Schwefel in der Beschickung steigen, ohne daß gleichzeitig der Schwefelgehalt des Roheisens dessen Qualität benachtheiligt?“

Hierzu ist zunächst Folgendes zu bemerken: Die Schwierigkeit den Schwefel aus der Beschickung in die Schlacke überzuführen, hängt wie bekannt nicht allein von der Menge desselben, sondern auch von der Art seines Vorkommens ab. Sie ist am geringsten, wenn er in den schlackengebenden Bestandtheilen und dem Brennmaterial, am größten, wenn er in den Erzen enthalten ist. Die Beschickung enthielt den Schwefel in beiden Formen. Um dieselben ihrer Menge nach wenigstens annähernd festzustellen, verfuhr ich wie folgt: Da sich die jedesmalige Bestimmung des Gesammt-Schwefelgehaltes durch besondere Analysen als zu schwierig und unsicher erwies, so berechnete ich denselben nachträglich aus dem bekannten Gewichte und dem jedesmal bestimmten Schwefelgehalt des Roheisens und der Schlacke. Ich ging dabei von der vielleicht nicht ganz richtigen Voraussetzung aus, daß sich die ganze Menge des Schwefels in der Schlacke und dem Eisen wieder finde, die Gichtgase mithin vollständig schwefelfrei seyen. Ist dieß auch |295| wohl nicht ganz richtig,53) so ist der hierdurch entstehende Fehler doch sehr gering, denn jedenfalls ist der Schwefelgehalt der Gichtgase nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil der großen Schwefelmenge der Beschickung. Von dem wie angegeben ermittelten Gesammtgehalt an Schwefel zog ich ab, denjenigen der Zuschläge und des Brennmaterials, welchen ich nach den vorliegenden Analysen als constant annahm. Der Rest wurde als in den Erzen vorkommend betrachtet und aufgeführt.

Was die in der obigen Frage erwähnten günstigsten Verhältnisse für die Entschwefelung des Eisens betrifft, so ist zu berücksichtigen daß dieselbe fast ausschließlich im Schmelzraume erfolgt, wo sich das flüssige Eisen und die Schlacke mit einander in Berührung befinden. Die Schlacke kann um so mehr Schwefel aufnehmen, je basischer sie ist. Eine hohe Temperatur der Schmelzzone und eine starke Basicität der Schlacke sind daher zwei Grundbedingungen von welchen die Gewinnung eines schwefelarmen Eisens aus einer schwefelreichen Beschickung abhängt. Daß beide übrigens sehr bald ihre Grenzen finden, über die hinaus zu gehen unmöglich ist, selbst wenn man schwerwiegende pecuniäre Rücksichten außer Acht setzen wollte, ist selbstverständlich.

Der dritte Punkt, welcher in Beziehung auf die obige Frage noch zu erledigen ist, ist folgender: Welchen Schwefelgehalt des Roheisens will man noch als zulässig gelten lassen? Hierbei kommt es natürlich wesentlich auf die Zwecke an, für welche das Eisen bestimmt ist. Im Gußeisen darf der Schwefelgehalt im Allgemeinen höher steigen, wie in denjenigen Sorten welche zur Darstellung von Stahl und Stabeisen dienen. Man ging nun von dem Grundsatze aus, daß die Aufgabe in der Erzeugung eines so schwefelarmen Roheisens bestehe, daß der Schwefelgehalt desselben der Verwendbarkeit für irgend welche Zwecke nicht hindernd in den Weg trete, und zwar dienten in dieser Hinsicht die Angaben verschiedener Bessemerhütten als Richtschnur, welche einen Schwefelgehalt von 0,04 Proc. noch als zulässig bezeichneten.

Die Versuche wurden nun in der Weise ausgeführt, daß man nach und nach die Menge der Abbrände in der Gattirung, gleichzeitig aber auch den Kalkzuschlag vermehrte, und hiermit so lange fortfuhr, bis einestheils die Strengflüssigkeit der Schlacke einen weiteren Kalkzuschlag verbot, und anderntheils der Schwefelgehalt des erblasenen Roheisens bei gutartigem Ofengange noch unter dem so eben angegebenen Maximum blieb.

Die Grenzen zu denen man hierbei gelangte, finden sich in den nachfolgenden Angaben gezogen:

|296|
I. Die Beschickung
bestand aus:
II. Mit Berücksichtigung der
Kohksasche kommen auf
100 Pfd. Eisen (Fe):
38,0 Proc. geröstetem Magneteisenstein, 40,8 SiO²
25,5 Kiesabbränden,54) 12,3 Al²O³
1,5 rohem Blackband, 53,5 CaO
35,0 Kalkstein. 6,5 MgO
4,6 S
–––––
100,0

Auf 100 Pfd. Erze und Zuschläge kamen 54 Pfd. Kohks, auf 100 Pfd. Robeisen 154 Pfd. Von obigen 4,6 Schwefel waren 3,9 in den Erzen enthalten. Da 100 Pfd. Roheisen 93 Pfd. Fe und 3,0 Pfd. Silicium enthielten, 100 Pfd. Fe mithin 107,5 Pfd. Roheisen entsprachen, so blieben für diese zur Schlackenbildung die sub II aufgeführten Verbindungen minus 6,9 Pfd. SiO² übrig, und man erhält wie die Rechnung ergibt für 100 Pfd. Roheisen fast genau 100 Pfd. Schlacke von folgender Zusammensetzung:55)

a) berechnet: b) gefunden:
30,6 Proc. SiO² 31,29 Proc. SiO²
11,5 Al²O³ 10,36 Al²O³
42,3 CaO 41,08 CaO
6,0 MgO 5,91 MgO
9,6 CaS 0,90 FeO
Spur Mn u. PO⁵
9,60 CaS
––––––––––– –––––––––––
100,0 99,14

Die Sauerstoffverhältnisse sind folgende:

|297|
RO Al²O³ SiO²
14,29 resp. 16,43* : 4,83 : 16,68

Das graue graphitische Roheisen enthielt:

0,133 Proc. gebundenen Kohlenstoff
2,976 Graphit
0,022 Schwefel
0,031 Phosphor
3,002 Silicium

Die Schlacke war lichtgrau, steinigt und sehr strengflüssig, im Uebrigen war von letzterem Umstande abgesehen, der Ofengang ein durchaus normaler und gutartiger.

Ich darf indessen nicht unerwähnt lassen, daß die Erzeugung eines so schwefelarmen Roheisens, wie oben angegeben, nicht stets gelang; sobald die Temperatur der Schmelzzone sank, und der Ofengang ein minder gaarer wurde (wobei derselbe indessen vom Rohgange noch weit entfernt blieb), fiel bei gleicher Basicität der Schlacke und selbst bei geringerem Schwefelgehalt der Beschickung, das Roheisen bedeutend schwefelreicher aus.

Man darf nicht glauben, daß die Schwierigkeit, aus einer schwefelreichen Gattirung ein schwefelarmes Roheisen zu erzeugen, in gleichem Maaße wachse wie der Schwefelgehalt der Beschickung. Die bei den Versuchen gemachten Erfahrungen führten vielmehr zu der Ueberzeugung, daß, wenn einmal die Umstände zur Verhüttung von Erzen zwingen, welche nicht sehr schwefelarm sind, es sowohl für den Ofenbetrieb, wie für den Schwefelgehalt des Eisens ziemlich gleichgültig ist, ob sich der Schwefelgehalt der Gattirung um 1/2 oder 1 Proc. vermehrt oder nicht. Bis auf 1/10–2/10 Proc. läßt sich nämlich – selbstverständlich innerhalb gewisser, oben bereits angedeuteter Grenzen, – der Schwefel durch eine entsprechend vermehrte Basicität der Schlacke aus dem Eisen entfernen. Die weitere Entschwefelung desselben hängt aber in jedem Falle, mag nun die Beschickung etwas mehr oder weniger Schwefel enthalten, von dem Zusammenwirken verschiedener günstiger Umstände ab. Namentlich spielt in dieser Hinsicht, wie bereits bemerkt wurde und die sogleich mitzutheilenden Analysen zeigen werden, die hohe Temperatur des Schmelzraumes eine große Rolle. Nimmt dieselbe in Folge unvermeidlicher Störungen und Unregelmäßigkeiten im Betriebe in nur verhältnißmäßig |298| geringem Grade ab, so erhält man statt des grauen, graphitischen Eisens halbirtes, dessen Schwefelgehalt ein erheblich höherer ist. Sehr klar tritt uns der Einfluß einer Temperaturabnahme des Schmelzraumes in den nachfolgenden Analysen entgegen.

I. Die Beschickung
bestand aus:
II. Mit Berücksichtigung
der Kohksasche kommen
auf 100 Fe:
36,4 Proc. geröstetem Magneteisenstein, 36,6 SiO²
15,0 Rotheisenstein, 12,1 Al²O³
12,0 Kiesabbränden, 51,8 CaO
3,1 Rasenerz, 6,2 MgO
33,5 Kalkstein. 3,3 S

Auf 100 Pfd. Roheisen kamen 153 Pfd. Kohks und wiederum, wie früher annähernd, 100 Pfd. Schlacke. Von obigen 3,3 S waren 2,6 im Erze.

Zusammensetzung der Schlacke:
33,05 Proc. SiO²
11,18 Al²O³
0,34 FeO
42,57 CaO
5,80 MgO
6,75 CaS
––––––––––––
98,69

Die Sauerstoffverhältnisse sind folgende:

RO Al²O³ SiO²
15,22 resp. 16,71 : 5,21 : 17,09

Die Basicität der Schlacke war, wie die Zahlen zeigen, derjenigen der vorigen Gattirung fast gleich. Dagegen verminderte sich der relative Schwefelgehalt um 1,3 d. i. um fast ein Drittel. Der Verbrauch an Brennmaterial war fast genau derselbe, auch die übrigen Verhältnisse, was Pressung und Temperatur des Windes anlangt etc., wurden nicht geändert.

Das erblasene Eisen war theils grau, graphitreich (Nr. I), theils halbirt (Nr. IV); Nr. II und III sind Uebergänge zwischen I und IV derart daß ersteres nach I, letzteres nach IV neigt.

Nr. I. II. III. IV.
Kohlenstoff, gebunden 0,411 0,751 1,540
Graphit 2,494 2,084 1,305
Schwefel 0,049 0,088 0,096 0,224
Phosphor 0,039 0,066
Silicium 2,098 1,530 1,269
|299|

Wenn wir die Zusammensetzung des aus der ersten Gattirung erblasenen Eisens mit in Betracht ziehen, so tritt uns in den obigen Zahlen der Einfluß des Ofenganges auf die Entschwefelung, beziehungsweise Zusammensetzung des Eisens auf's Klarste und Unverkennbarste entgegen. Die hohe Temperatur des Schmelzraumes zeigt sich deutlich in dem hohen Siliciumgehalt (3,00 Proc.) des Eisens der ersten Gattirung. In den 3 resp. 4 letzten Roheisen nimmt derselbe von I nach IV stufenweise ab. In dem Maaße wie das Silicium sich vermindert, wächst der Schwefelgehalt, er steigt von 0,02 auf 0,22 Proc., also um mehr wie das Zehnfache, wofür sich lediglich die niederere Temperatur des Schmelzraumes als übrigens vollkommen ausreichender, mit der sonstigen Zusammensetzung des Eisens durchaus im Einklange stehender Erklärungsgrund angeben läßt.

Der Gang des Ofens war auch bei Eisen Nr. IV normal gaar, was sowohl aus der Beschaffenheit der Schlacke wie aus dem immerhin nicht unbedeutenden Gehalt des Eisens von 1,269 Proc. Kiesel hervorgeht.

Beachtung verdient noch der Kohlenstoff. Die Summe an gebundenem und graphitischem Kohlenstoff ist bei allen 5 Eisensorten annähernd dieselbe. Das verschiedene Aussehen derselben beruht lediglich auf der ungleichen Menge des ausgeschiedenen Kohlenstoffes, wofür der bekannte Einfluß des Siliciums auf die Graphitbildung wiederum die Erklärung abgibt. Im Ganzen ist die Kohlung, theils in Folge des bedeutenden Schwefelgehaltes der Gattirung, theils wohl auch in Folge der derben Beschaffenheit des die Hauptmasse der Erze bildenden Magneteisensteines keine sehr beträchtliche aber immerhin ausreichende.

Ich habe bereits bemerkt, daß in der ersten Gattirung sowohl hinsichtlich des Schwefelgehaltes wie der Basicität der Schlacke die äußersten Grenzen erreicht waren. Da die Schlacke sehr strengflüssig war, so versuchte man diesem Uebelstande unter gleichzeitiger Verminderung der Kiesabbrände von 25 auf 19 Proc., durch eine etwas größere Acidität derselben abzuhelfen. Durch ein bloßes Abbrechen an Kalk war diese schwierig zu erreichen, da man hierdurch das ohnehin schon ziemlich knappe Verhältniß zwischen Schlacke und Eisen noch mehr geschmälert haben würde. Ueberdieß war das Bestreben auf die Erzeugung eines möglichst phosphorarmen Eisens gerichtet, weßhalb man den bis dahin benutzten milden, nur circa 87 Proc. CaO, CO² enthaltenden phosphorsäurereichen Kalkstein durch einen fast vollkommen reinen, krystallinischen ersetzte. Die auch hierdurch bedingte Beschaffung eines phosphorsäurefreien, an Kieselsäure und Thonerde reichen Zuschlages gelang erst nach vielen vergeblichen Versuchen (da sich sämmtliche Melaphyre aus Steinkohlenschiefer, |300| auf die sich zunächst die Aufmerksamkeit richtete, als ziemlich reich an PO⁵ erwiesen) durch die unbrauchbar gewordenen Kapseln der Porzellanfabriken. Der zur Anfertigung derselben dienende Thon enthielt zwar ursprünglich eine kleine Menge PO³, hatte dieselbe aber bei dem wiederholten Glühen im Scharffeuer des Porzellanofens gänzlich verloren. Die Kapselscherben bestanden aus 61,1 Proc. SiO² und 36,6 Proc. Al² O³.

I. Die Beschickung bestand
zunächst aus:
II. Auf 100 Fe kommen
mit Berücksichtigung der
Kohksasche:
44,7 Proc. geröstetem Magneteisenstein, 39,1 Proc. SiO²
19,2 Kiesabbränden, 12,8 Al² O³
21,7 krystallinischem Kalkstein, 50,7 CaO
8,4 mildem Kalkstein, 7,4 MgO
4,2 Kapselscherben, 3,9 S
1,8 Rotheisenstein.

Auf 100 Pfd. Eisen und 100 Pfd. Schlacke wurden verbraucht 149 Pfd. Kohks. Von obigen 3,9 S waren 3,25 im Erze enthalten.

Das erblasene Roheisen war zum größten Theil grau und graphitreich, der Schwefelgehalt schwankte zwischen 0,033 und 0,060 Proc. Nachstehend theile ich die Zusammensetzung eines näher untersuchten Eisens und der zugehörigen Schlacke mit:

1. Eisen, grau. 2. Schlacke.
0,206 Proc. gebundener Kohlenstoff, 31,12 Proc. SiO²
2,487 Graphit, 12,07 Al² O³
0,033 Schwefel, 41,55 CaO
2,560 Silicium. 6,98 MgO
0,31 FeO
8,08 CaS
–––––––––––
100,11

Sauerstoffverhältnisse der Schlacke:

RO Al² O³ SiO²
14,71 resp. 16,50 : 5,62 : 16,59.

Es wurde jetzt dieselbe Beschickung mit einem weiteren Zusatz von 3,77 Proc. Kapselscherben verhüttet. Die auf 100 Pfd. Roheisen fallende Schlackenmenge wurde dadurch von 100 auf 109 Proc. erhöht. Die acidere Schlacke war leichtflüssig geworden, lichtgrau, eisenoxydularm, steinigt. Das Eisen dagegen, welches mit derselben erblasen wurde, war nicht mehr tiefgrau, sondern nur noch halbirt; der Schwefelgehalt schwankte zwischen 0,110 und 0,146 Proc.

Nachstehend gebe ich die Analyse eines solchen Roheisens, wie die der zugehörigen Schlacke (berechnet):

|301|
1. Eisen, halbirt. 2. Schlacke.
1,132 Proc. gebundener Kohlenstoff, 34,69 Proc. SiO²
1,756 Graphit, 14,01 Al² O³
0,146 Schwefel, 37,47 CaO
0,045 Phosphor, 6,33 MgO
1,996 Silicium. 7,50 CaS
–––––––––––
100,00

Sauerstoffverhältnisse der Schlacke:

RO Al² O³ SiO²
13,23 resp. 14,90 : 6,52 : 18,50

Die im Verhältniß zum Schwefelgehalt recht beträchtliche Menge Silicium, welche das Eisen enthielt, ist vielleicht zum Theil auf Rechnung der saureren Schlacke zu setzen, sie weist aber andererseits auch wieder auf die hohe Temperatur des Gestellraumes hin, und es erscheint mir charakteristisch für den Einfluß einer möglichst starken Basicität der Schlacke, daß trotz jenes günstigen Umstandes die Entschwefelung des Eisens viel unvollkommener wie früher erfolgte.

Bemerkenswerth ist die große Menge Kiesel welche trotz der äußerst basischen Schlacken stets in die schwefelarmen Roheisen überging. Die Beziehung zwischen Schwefel- und Siliciumgehalt ist keine directe und unmittelbare; sie existirt nur insofern, als dieselben Bedingungen des Ofenganges unter welchen der Schwefel entfernt wird, die Aufnahme des Siliciums zur Folge haben.

Das schwefelärmste und zugleich kieselreichste Eisen (nebst zugehöriger Schlacke), welches bei den Versuchen überhaupt resultirte, hatte folgende Zusammensetzung:

1. Eisen. 2. Schlacke (berechnet).
0,366 Proc. gebundener Kohlenstoff, 32,10 Proc. SiO²
2,416 Graphit, 12,39 Al² O³
0,013 Schwefel, 42,63 CaO
0,103 Phosphor, 5,68 MgO
3,485 Silicium (!) 7,20 CaS
–––––––––––
100,00

Sauerstoffverhältnisse der Schlacke:

RO Al² O³ SiO²
14,44 resp. 16,04 : 5,77 : 17,11

Die vorstehenden Mittheilungen dürften ein Bild davon gewähren, in welchem Maaße und unter welchen Bedingungen die Verhüttung so schwefelreicher Eisenerze, wie die Kiesabbrände sind, gelingt.

|302|

Die Frage der Rentabilität habe ich ganz unerörtert gelassen; einmal läßt sich dieselbe nicht allgemein beantworten, anderntheils verbietet der rein chemische Standpunkt welchen ich den Versuchen gegenüber einnahm, hier Betrachtungen anzustellen, die mich über denselben weit hinaus führen würden.

|293|

Scheurer-Kestner; Wagner's Jahresbericht für 1868, S. 168.

|295|

Man vergl. Scheerer's Metallurgie, Bd. II S. 30.

|296|

Ich gebe nachfolgend eine Analyse derselben; von Phosphorsäure waren sie vollständig frei:

4,35HO
43,36Fe
0,16 Mn
13,92 SiO²
4,84 Al² O³
0,02 CaO
8,83ZnO
4,35 SO³
1,53S
18,64O u. Verluste
Spur Ni u. As
––––––
100,00
|296|

Da die Zusammensetzung einiger der nachfolgenden Schlacken berechnet ist, so habe ich oben die Art der Berechnung etwas näher angedeutet, und das Resultat neben das gefundene gestellt, um zu zeigen wie weit beide übereinstimmen.

|297|

Letztere Zahl, wenn man das CaS als CaO in Rechnung bringt, also die Sauerstoffverhältnisse nicht sowohl der Schlacke als der schlackengebenden Bestandtheile berücksichtigt.

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