Titel: Tenwick's Glühofen für hämmerbares Gußeisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199, Nr. XCVII. (S. 364–366)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/ar199097

XCVII. Glühofen für hämmerbares Gußeisen, von John Tenwick in Grantham.

Nach dem Engineer, December 1870, S. 372 und Engineer, December 1870, S. 473.

Mit Abbildungen auf Tab. X.

Bei der Darstellung von hämmerbarem Gußeisen müssen die Glühöfen vor jedem neuen Einsetzen wieder abkühlen, wodurch nicht allein ein großer Brennmaterialaufwand, sondern auch ein bedeutender Zeitverlust entsteht. Um diesen Uebelständen zu begegnen, hat Tenwick schon vor einiger Zeit in den Eisenwerken von Hornsby und Söhnen zu Grantham einen Glühofen nach dem Princip der Rundöfen errichtet, wie solche in anderen Industriezweigen mit Erfolg eingeführt worden sind.

Der kreisrunde Herd, auf welchem die Glühbüchsen aufgestellt werden, besteht aus mehreren einzelnen Wagensectoren, die insgesammt auf einer Drehscheibe ruhen. Diese Sectoren laufen mittelst Rädern auf Schienen, welche zu und vom Ofen führen und auf der Drehscheibe selbst ihre Fortsetzung finden. Die Rostfeuerungen befinden sich auf zwei einander gegenüberliegenden Seiten des Ofens.

Wenn auch die Resultate mit Tenwick's Glühofen noch Einiges |365| zu wünschen übrig lassen, so verdient die Construction mit Rücksicht auf den Umstand, daß namhafte englische Werke62) denselben einführten, alle Beachtung.

Die ursprüngliche, etwa 1 1/2 Jahre alte Aufstellung dieses Glühofens bei Garrett in Leiston ist in Figur 7 bis 9 dargestellt und nach dem Vorstehenden ohne Weiteres verständlich. Einen neueren, verbesserten Glühofen zeigen Figur 10 und 11 in Schnitt und Grundriß.

Die Rostfeuerungen c, c communiciren mit den Rauchabzügen o, o, welche mit Klappen versehen sind, um die Flammen von der linken zur rechten Seite oder umgekehrt durch den Ofenraum ziehen zu lassen. A bezeichnet die Drehscheibe, auf welche entweder ein Wagen D¹ mit dem auszuglühenden Gußstück, welches im Formkasten D² eingeschlossen ist (Fig. 10), oder mehrere – und zwar sechs – Wagensectoren D (Figur 7 und 9) für die Glühbüchsen T eingeführt werden können. Auf der Oberseite der Drehscheibe A sind daher die Schienen, wie im Grundriß Figur 11 angedeutet ist, entsprechend gelegt.

Der Ofenraum ist durch die Thür G zugänglich, welche mittelst mechanischer Vorrichtungen auf- und niedergelassen werden kann. Eine kleine Oeffnung I in dieser Thür dient zum Wegräumen etwa niedergefallener Asche, zum Freimachen der Züge, auch zur Einführung kleinerer Gußstücke während des Betriebes. Links und rechts sind noch zwei Drehthüren H (Fig. 11) angebracht, um das Einführen größerer Gußstücke, wie ganzer Räder u. dgl. zu ermöglichen. Zur Beobachtung des Processes sind in der Ofenwand hinten und in der Thürwand kleine Schaulöcher M vorhanden.

Die Glühtöpfe oder die Glühkästen, worin die Waare befindlich ist, müssen so aufgestellt werden, daß die Verbrennungsgase stets unbehinderten Durchzug haben, damit eine gleichmäßige Erhitzung stattfindet.

Ist der Ofen für Handbetrieb eingerichtet, so wird die Drehscheibe A bei jeder Schürung und Nachfeuerung um 1/6 weiter gedreht, was zufolge der Uebersetzung (selbst bei Lasten von 40 Tonnen auf der Drehscheibe) vom Heizer leicht besorgt werden kann. Hat man maschinellen Betrieb eingeführt, so erhält die Drehscheibe eine langsame continuirliche Drehung, welche innerhalb drei Stunden einmal herumgeht, wenn Gußwaare geglüht wird. Brennt man Steine, wie dieß auch geschah, so geht die Umdrehung rascher von Statten.

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Wie aus dem Schnitt in Figur 10 zu entnehmen, ist im Ofenraum ein etwa 2 1/2 Zoll weit vorspringender Ring im Mauerwerk angebracht, welcher mit Formsand belegt werden soll, um eine Art feuersicheren Abschlusses für die unterhalb liegenden Theile zu bilden. Etwa unter die Drehscheibe herabfallender Sand kann bequem ausgeräumt und in eigene Gräben gebracht werden, aus denen derselbe von Zeit zu Zeit beseitigt wird.

Der Ofen kann ohne Einstellung der Feuerung und des Betriebes successive entleert und neuerdings beschickt werden, und darin liegt der Vortheil dieser Construction. Wohl wird von einer Seite (Engineer a. a. O.) diesem Glühofen der Vorwurf gemacht, daß die Erhitzung in demselben keine gleichförmige sey, daß der Mechanismus zur Drehung der Drehscheibe, zur Hebung der Ofenthür allzu häufigen Beschädigungen unterliege, daß das Aus- und Einbringen eines Wagensectors immer noch 20 Minuten beanspruche, während welcher Zeit eine solche Abkühlung des Ofens eintrete, daß 2 bis 3 Stunden bis zur Erreichung des nothwendigen Hitzegrades verstreichen. Die Glühtöpfe sollen bei diesen wechselnden Temperaturen stark leiden, sowie in Folge der erwähnten Mißstände eher ein Verlust als eine Ersparniß an Brennmaterial, welche man doch anstrebte, erzielt werden.

Es muß aber Tenwick's Glühofen doch sehr große Bequemlichkeiten im Betriebe gewähren und müssen – wie ja die von verschiedenen Seiten erfolgte Aufstellung dieses Ofens beweist – die ungünstigen Eigenschaften keine allzu große Bedeutung haben, so daß sie sich allmählich mit Erfolg werden beseitigen lassen.

J. Z.

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Wir nennen hier die Firmen: Hornsby und Söhne in Grantham, Ransomes, Sims und Head in Ipswich, Garrett in Leiston, John Crowley und Comp. (eine renommirte Firma für hämmerbares Gußeisen) in Sheffield, ferner Picksley, Sims und Comp. in Leigh bei Manchester, und Gebrüder Heppel in Gateshead-on-Tyne.

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