Titel: Hofmann, über Reindarstellung des Benzols.
Autor: Hofmann, August Wilhelm
Fundstelle: 1871, Band 199, Nr. CXXXII. (S. 499–500)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/ar199132

CXXXII. Ueber Reindarstellung des Benzols; von Professor A. W. Hofmann.

Aus den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1871, Nr. 3.

Mit einer Abbildung.

Textabbildung Bd. 199, S. 499

Als es sich darum handelte, eine größere Menge reinen Benzols zu gewinnen, habe ich mich eines einfachen Verfahrens |500| erinnert, welches ich C. Mansfield öfters hatte anwenden sehen, als er sich vor mehr als zwanzig Jahren in dem Laboratorium des Royal College of Chemistry mit seiner großen Untersuchung der Kohlenwasserstoffe des Steinkohlentheeröles beschäftigte. Er bediente sich nämlich zur Reindarstellung des Benzols einer sogenannten Beart'schen Kaffeemaschine, eines Apparates welcher damals in England vielfach in Gebrauch war und so eingerichtet ist, daß das heiße Wasser mittelst Luftdruck durch die gemahlenen Kaffeebohnen gepreßt wird. Das unreine Benzol wurde in der Maschine zum Gefrieren gebracht und alsdann die nicht erstarrten Kohlenwasserstoffe von dem festen Benzol mittelst Luftdruckes abfiltrirt.

Die Beart'schen Kaffeemaschinen scheinen aus der Mode gekommen zu seyn, wenigstens ist es mir nicht gelungen, in Berlin eine aufzutreiben. Aber nichts ist leichter, als einen solchen Apparat zu improvisiren. Die vorgedruckte Skizze bedarf nur weniger erläuternder Worte. In dem 8–10 Centimeter weiten und 40–50 Centimeter hohen Messingcylinder bewegt sich luftdicht ein vielfach durchbohrter Piston, welcher durch einen Eisenstab auf und nieder geschoben werden kann. Der Cylinder wird, nachdem der Piston auf den Boden gedrückt worden ist, mit dem zu reinigenden Benzol gefüllt, mit der Kappe verschlossen und in eine Kältemischung gestellt. Es ist zweckmäßig, das erstarrende Benzol von Zeit zu Zeit mit einem Metallstabe durchzuarbeiten, um die Bildung großer Krystalle zu verhindern, damit keine Oeffnungen entstehen, durch welche die Luft beim Heben des Pistons eindringen könnte. Je nach der Reinheit des Benzols wird man die Zeit der Kältung bemessen. Wenn sich nichts mehr ausscheidet, wird der Piston aus dem Cylinder herausgezogen, die nicht erstarrten Kohlenwasserstoffe gehen durch den perforirten Piston, auf welchem sich eine schneeweiße Benzolsäule aus dem Cylinder erhebt. Beim Schmelzen liefert dieser Benzolschnee den Kohlenwasserstoff im Zustande der Reinheit.

Um das Emporheben der ziemlich fest an den Wänden haftenden Masse zu erleichtern, hat der untere Theil des Cylinders außen einen kleinen Vorsprung; auf diesem Vorsprunge liegt ein Bret, aus dessen rundem Ausschnitt der Cylinder hervortritt, und welches, wenn der Apparat in die Kältemischung gestellt wird, leicht zu entfernen ist. Indem man sich auf das Bret stellt, und den Hebel am Ende des Pistons mit beiden Händen faßt, gelingt es leicht, die starre Benzolsäule aus dem Gefäße zu heben.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: