Titel: Rother und violetter Fuchsinfirniß zum Zeugdruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 13 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi01_13
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Rother und violetter Fuchsinfirniß zum Zeugdruck.

Um einen rosenrothen Firniß darzustellen, trug Armand Müller nach einer Mittheilung im „chemischen Centralblatt“ in eine weingeistige Schellacklösung eine ganz geringe Menge Fuchsin, ebenfalls in Weingeist gelöst, ein; dann wurde bis zum Sieden auf einem Dampfbade erhitzt. Nach einiger Zeit sing die Lösung an aus Rosa in dunkel Amaranth, Rothviolett, Violettblaustich und zuletzt in Blau mit schwachem Violettstich überzugehen. Durch diese Farbenveränderung aufmerksam gemacht, stellte Müller eine etwas eingehendere Untersuchung an, deren Resultate folgende sind:

Es wurden 2 Grm. Fuchsin, röthlich, und 15 Grm. ungebleichter Schellack mit 100 Kubikcentimeter Weingeist von 95 Proc. Tralles übergossen und auf dem Dampfbade erwärmt. Die erste Veränderung in der Nuance zeigte sich nach circa 20 Secunden bei einer Temperatur von 31° Cels.: Fuchsin mit schwachem Violettstich; dann nach 1 1/2 Minuten Temperatur 35° Cels.: Lila; nach 2 1/60 Minuten, Temperatur 42° C.: Violettröthlich; nach 3 Minuten, Temperatur 53° C.: rein Violett; nach 4 1/2 Minuten, Temperatur 61° C.: Violettblaustich; nach 5 Minuten, Siedepunkt: Blau, starker Violettstich; nach 6 1/3 Minuten, Siedepunkt: Blau, schwacher Violettstich.

Bei Versuchen mit gebleichtem Schellack traten, soviel man sehen konnte, die Uebergänge immer etwas früher ein. Mit 15 Grm. Schellack konnten bis 7 Grm. Fuchsin in Violett übergeführt werden. Der dickflüssige Firniß wurde mit viel Weingeist aufgelöst und die Solution, trotz ihrem Schellackgehalt, zu einer Druckfarbe auf Baumwolltuch benutzt, nach einer einfachen Methode, die Müller jedoch verschweigt, fixirt und die Zeuge hierauf gewaschen.

Die Farbe ist durchaus waschächt gegen kochendes Wasser, heiße Soda- und Seifenlösung, und wenig empfindlich gegen das Licht. Alle Zwischennüancen von Fuchsinroth bis Violettblau können permanent auf Baumwolle (natürlich auch auf Seide und Wolle) befestigt werden. Die Versuche von Labouret mit Harz- und Gummilacklösungen und die von Schäfer und Gros-Renaud (mit Gummilacklösung: Bleu de Mulhouse) haben mit Müller's Versuchen nichts Aehnliches, da nicht dieselben Stoffe angewendet und auch nicht dieselben Nüancen erzielt wurden.

Diese Methode bietet große Vortheile, da sie einfach ist und bis jetzt kein Violett so billig zu stehen kommt. Was die Ausbeute an Violett anbetrifft, so ist sie ziemlich bedeutend, doch sind noch keine eingehenderen Untersuchungen darüber angestellt.

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