Titel: Erfahrungen über die Leistung der in Rübenzuckerfabriken verwendeten Dampfkessel, welche mit erdiger Braunkohle gefeuert werden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 1 (S. 150–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi02_1

Erfahrungen über die Leistung der in Rübenzuckerfabriken verwendeten Dampfkessel, welche mit erdiger Braunkohle gefeuert werden.

Der anhaltische Zweigverein für Rübenzuckerindustrie hat neuerdings eine Ermittelung über 129 Dampfkessel veranstaltet, welche in anhaltischen Rübenzuckerfabriken |151| Verwendung finden und ausschließlich mit erdiger Braunkohle gefeuert werden. Aus den Zusammenstellungen welche Ingenieur A. Lichtenstein in Cöthen hierüber in der „Zeitschrift des Vereines für Rübenzuckerindustrie“ mittheilt, ergeben sich nicht uninteressante Resultate. Von den 129 berücksichtigten Dampfkesseln sind 61 Stück Cylinderkessel mit durchgehendem Flammenrohr und zwar vorzugsweise mit nur einem, seltener mit zweien; die übrigen sind, bis auf einen, gewöhnliche Dampfkessel, bestehend aus je einem Ober- und einem Unterkessel. Pro 100 Ctr. Rüben tägliche Verarbeitung auf Rohzucker differiren die vorhandenen Heizflächen der Kessel:

  • 1. bei 22 1/2' bis 25' langen Einstammrohrkesseln von 4 1/2' bis 5' Durchmesser zwischen 83 und 127 Quadratfuß;
  • 2. bei 33' bis 36' langen Einflammrohr-Kesseln von 4 1/2' bis 5' Durchmesser zwischen 147 und 219 Quadratfuß;
  • 3. bei 33' bis 36' langen Doppelkesseln von 3 3/4' bis 4' Durchmesser zwischen 128 und 162 Quadratfuß;
  • 4. bei verschieden großen Doppelkesseln in einer und derselben Fabrik steigt diese Zahl bis zu 279 Quadratfuß.

Abgesehen von der Kesselconstruction sind also die Differenzen zwischen 83 bis 279 Quadratfuß. (Zweiflammrohr-Kessel und kurze Doppelkessel waren nur in Saftmelis-Fabriken, resp. Raffinerien vorhanden). – 42 Kessel sind mit Treppen-, die übrigen mit Planrosten versehen.

1 Quadratfuß Planrost speist:

  • 1. bei den 22 1/2' bis 25' langen Einflammrohr-Kesseln zwischen 13 und 21 1/2 Quadratfuß Heizfläche;
  • 2. bei den 33' bis 36' langen Einflammrohr-Kesseln zwischen 18 und 26 1/2 Quadratfuß Heizfläche;
  • 3. bei den 24' bis 29' langen Doppelkesseln zwischen 12 und 30 Quadratfuß Heizfläche;
  • 4. bei den 33' bis 36' langen Doppelkesseln zwischen 17 und 23 Quadratfuß Heizfläche.

1 Quadratfuß Treppenrost speist:

  • 1. bei den 22 1/2' bis 25' langen Einflammrohr-Kesseln zwischen 13 1/2 und 14 1/2 Quadratfuß Heizfläche;
  • 2. bei den 36' langen Zweiflammrohr-Kesseln zwischen 26 und 31 Quadratfuß Heizfläche;
  • 3. bei den 24' bis 26' langen Doppelkesseln zwischen 14 1/2 und 23 Quadratfuß Heizfläche;
  • 4. bei den 33' bis 36' langen Doppelkesseln zwischen 20 1/2 Quadratfuß Heizfläche.

Abgesehen von Kesselconstruction speist also:

1 Quadratfuß Planrost zwischen 12 und 30 Quadratfuß Heizfläche und
1 Treppenrost 13 1/2 31

Die totale Rostfläche zu 100 angenommen, ergeben sich folgende Verhältnißzahlen für den unteren Schornstein-Querschnitt:

für die kurzen Einflammrohr-Kessel zwischen 14 und 50
langen „ „ 13 23
Zweiflammrohr-Kessel 27 37
kurzen Doppelkessel 24 1/2
langen 8 3/4 und 31 1/2

überhaupt also zwischen 8 3/4 und 50.

Der freie Durchgang des Rostes für die Luft schwankt bei Planrosten zwischen 10 und 39 Proc., bei Treppenrosten zwischen 33 und 46 Proc. der Total-Rostfläche. Die (erdigen Braun-) Kohlen variiren im Gewicht zwischen 300 und 396 Pfd. pro Tonne mit Grubenfeuchtigkeit; der Aschengehalt schwankt zwischen 2,6 und 10 Proc. Pro Quadratfuß Rost und Stunde werden verbrannt:

bei Planrosten zwischen 22 und 64 Pfd. Kohle
Treppenrosten 23 91

Ein Pfd. Kohle verdampft:

bei Flammrohrkesseln zwischen 2,3 und 3,1 Pfd. Wasser
Doppelkesseln 1,8 2,9

Die Speisewassertemperaturen schwanken zwischen 25 und 94° C., die Dampfspannungen zwischen 38 und 53 Pfd. pro Quadratzoll.

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Da die erwähnten Verhältnisse der Dampferzeuger so bedeutende Abweichungen zeigen, so sollte man bei der Dampfverwerthung unter Berücksichtigung der beeinträchtigenden Momente der Fabrication, als Betriebsgröße, Saftgewinnung, Wasserzusatz, Saftreinigung, Verdampfung und Kochmethode, noch größere Differenzen im Kohlenconsum erwarten, als in der That vorhanden sind. Derselbe schwankt nämlich pro 100 Ctr. Rüben auf Rohzucker (mit Hinweglassung recht ungünstiger Anlagen und auch geringer Kohle) nur zwischen 17 und 25 1/2 Tonnen. Das wäre allerdings eine Differenz von 50 Proc., die sich aber auf die Hälfte reducirt, wenn man die Fabriken ausschließt welche nur 17 bis 18 1/2 Tonnen consumiren, von denen zwei mit recht guter Kohle und eine mit guter Kohle arbeiten, während die vierte geringe Kohle, aber großen Betrieb und Dampfüberhitzung hat. Es bleiben dann die Fabriken welche Kohle brennen die nicht wesentlich verschieden seyn dürften; diese schwanken zwischen 20 1/2 und 25 1/2 Tonnen pro Ctr. Rüben, also eine Differenz von 25 Procent. Berücksichtigt man nun die Kürze der 22 1/2 bis 25' langen Einflammrohr-Kessel, so ergeben dieselben mit Einer Ausnahme die besten Resultate, während die auf 36' verlängerten Kessel gleicher Construction recht ungünstig sind; diese Kessel haben schlechte Verhältnisse bekommen, indem der Querschnitt des selbstverständlich beibehaltenen Flammrohres zu klein für die übrige Größe des Kessels ist. Die Zweiflammrohr-Kessel müßten eigentlich das beste Resultat ergeben; sie arbeiten aber in Saftmelis-Fabriken, resp. Raffinerien, pro 100 Ctr. Rüben sind also keine Vergleiche möglich, zudem ist die Kohle für diesen Kessel sehr gering. Dasselbe trifft auch die kurzen Doppelkessel. Die langen Doppelkessel erreichen nur in Einem Fall den kurzen Einstammrohr-Kessel, stehen aber durchschnittlich dem langen gleicher Construction vor. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 44.)

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