Titel: Exter's Geschwindigkeitsmesser für Locomotiven und Wagenzüge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 2 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi02_2

Exter's Geschwindigkeitsmesser für Locomotiven und Wagenzüge.

Der von dem Generaldirectionsrath C. Exter in München erfundene Geschwindigkeitsmesser für Locomotiven setzt den Locomotivführer in Stand, die Geschwindigkeit mit welcher er fährt, in jedem Augenblicke genau zu bemessen, jede kleine Zu- oder Abnahme derselben alsbald zu bemerken und seine Fahrten zur genauen Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit einzurichten. Der Apparat, welcher durch eine Schnur von der Locomotivachse aus in Bewegung gesetzt wird, ist in einem vom Standorte des Locomotivführers unmittelbar vor den Augen desselben angebrachten kleinen Blechkasten enthalten. Derselbe zeigt durch einen Zeiger auf einem Zifferblatt die Fahrgeschwindigkeit in Meilen pro Stunde und zeichnet zugleich mittelst eines Bleistiftes auf einer dem Maschinisten sichtbaren Papierrolle, welche ihre Umdrehung von der Maschine erhält, eine der Fahrgeschwindigkeit in jedem Punkte der Bahn entsprechende Linie auf. Da nun auf dieser Papierscheibe die für die betreffende Fahrt festgesetzte Fahrgeschwindigkeit durch eine Normalgeschwindigkeitslinie vorgezeichnet ist, so ist dem Locomotivführer, wie dem controllirenden Aufsichtsbeamten jede Abweichung von der normalen Geschwindigkeit sofort sichtbar. Die Papierscheiben werden nach zurückgelegtem Fahrturnus aus dem Apparat genommen und durch neue ersetzt. Dieselben geben dem Maschinenmeister, welcher dieselben revidirt und sammelt, eine genaue Controlle zu der Fahrt und sollen dazu dienen, diejenigen Locomotivführer welche sich durch besonders regelmäßige und genaue Einhaltung der vorgeschriebenen, möglichst constanten Fahrgeschwindigkeit auszeichnen, durch Prämien zu belohnen. Der Geschwindigkeitsmesser für Locomotiven ist ferner so eingerichtet, daß bei dem Stillstande der Locomotive ein zweiter Bleistift in Bewegung kommt, welcher die Länge des Aufenthaltes auf den Stationen durch eine gerade, auf derselben Papierscheibe aufgezeichnete Linie angibt und zu zeichnen aufhört, sobald sich die Maschine wieder in Bewegung setzt.

Der Geschwindigkeitsmesser für die Wagenzüge ist auf ähnliche Weise construirt. Derselbe ist aber mit einer genau gehenden Controluhr versehen, welche ein dem Publicum und den Beamten sichtbares Zifferblatt in Umdrehung setzt und nicht nur die Fahrt- und Aufenthaltszeiten, sondern auch die Geschwindigkeit zeigt, mit welcher in jedem Augenblicke während der Fahrt gefahren worden ist. Der ganze Apparat befindet sich in einem kleinen, an einem der Wagengestelle befestigten eisernen Kästchen, welches vorn mit einer Glasthür versehen ist, durch welche das Papierzifferblatt der |153| Uhr, auf welchem die Aufzeichnung der Geschwindigkeitslinie durch einen Bleistift stattfindet, sichtbar ist. Derselbe kann in wenig Minuten an jedem Wagen angebracht werden. Wenn der Wagenzug seine Fahrt vollendet hat, so wird die als Zifferblatt dienende Papierscheibe mit den darauf gezeichneten Geschwindigkeitslinien herausgenommen und der Direction zur Einsicht und Controlle eingesendet. Dieselben geben einen graphischen Stundenpaß und bilden ein genaues Document für die betreffenden Fahrten. (Zeitung des Vereines deutscher Eisenbahnverwaltungen, 1870 S. 365.)

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