Titel: Zur Statistik der österreichischen und ungarischen Eisenbahnen während der Jahre 1866 bis 1869.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 3 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi02_3

Zur Statistik der österreichischen und ungarischen Eisenbahnen während der Jahre 1866 bis 1869.

Nach einem kürzlich erschienenen, vom Ingenieur S. Schüller bearbeiteten interessanten Werkchen25) betrug die Gesammtlänge sämmtlicher dem Betriebe übergebenen Bahnstrecken zu Ende 1869 in Cisleithanien 713,37, in Transleithanien 369,02 Meilen; im Jahre 1870 waren weiter 286 Meilen im cisleithanischen, 304,6 Meilen im transleithanischen Theile der Monarchie im Bau begriffen. Für noch weitere 467 Meilen wurde in demselben Jahre die Concession ertheilt.

Die Verkehrseinnahmen der meisten Linien sind seit dem Jahre 1866–1868 in steter Steigerung begriffen. Im Jahre 1869 zeigt auf einzelnen Linien die Verkehrseinnahme eine retrograde Tendenz, deren Erklärung in den allgemeinen Handelsverhältnissen der Monarchie zu suchen seyn wird, indem meistens jene Linien davon betroffen wurden, deren Haupteinnahmen aus dem Exporte erwachsen.

Der Frachtenverkehr weist eine constante Zunahme mit Ausnahme der Aussig-Teplitzer und der Carl-Ludwigs-Bahn auf, welche i. J. 1868 geringere Frachtenbewegung zeigt. Befördert wurden 50,000 (Franz-Josephs Bahn, Rudolphsbahn) bis 5,000,000 (Aussig-Teplitzer Bahn), im Mittel 1,000,000 Centner pro Betriebsmeile. Beinahe verdoppelt hat sich der Güterverkehr gegen 1866 auf 6 Linien; dagegen ist die relative Steigerung desselben auf 4 Linien unbedeutend gewesen.

Ebenso zeigt sich eine constante Zunahme der beförderten Reisenden; es wurden 5000 (Lemberg-Czernowitz-, Franz-Josephs- und Kronprinz-Rudolphs-Bahn) bis 47000 (Aussig-Teplitzer Bahn), im Mittel 14000 Reisende pro Betriebsmeile befördert. Auf 7 Linien fand eine bedeutende, auf 4 eine nur geringe Steigerung des Personenverkehres statt.

Die Einnahmen pro Betriebsmeile betrugen 3800 (Rudolphsbahn), bis 53000 (Elisabeth-Westbahn., im Mittel 16000 fl. öster. Währg. aus dem Personenverkehr und 2100 (Rudolphsbahn) bis 200000 (Ferdinands-Nordbahn), im Mittel 65000 fl. öfter. Währg. aus dem Frachtenverkehre.

Betreffend die Vertheilung der beförderten Reisenden nach den benutzten Wagenclassen zeigt es sich, daß die höheren Wagenclassen auf denjenigen Bahnen mehr benutzt wurden, welche unentwickeltere Landstriche durchziehen. So fuhren im Jahre 1868 von je 100 Reisenden auf der südöstlichen Linie der Staatsbahn 65,3, dagegen auf der böhmischen Westbahn 85,5 in der III. und IV. Wagenclasse.

Das durchschnittliche Bruttoerträgniß aus der Beförderung eines Reisenden ist auf den einzelnen Bahnlinien ziemlich constant. Mit Ausnahme des Jahres 1866, als Kriegsjahr, sind die Einnahmen von einem Reisenden im Abnehmen begriffen, was insofern als günstig aufgefaßt werden kann, als Herabminderung der Tarife seitens der Verwaltungen und erhöhter Localverkehr an diesem Resultate participiren können.

Im Weiteren zeigt sich eine constante Herabminderung der durchschnittlichen Reiselänge eines Passagiers, was auf eine sehr erfreuliche Steigerung des Localverkehres längs der einzelnen Linien schließen läßt. Dagegen weist die durchschnittliche Bahnlänge, welche von einem Frachtcentner zurückgelegt worden ist, eine steigende Tendenz auf.

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Die allgemeinen Verwaltungskosten anlangend, zeigt es sich, daß dieselben mit der Größe der Linien abnehmen. Sind die Linien sehr kurze Brünn-Rossitzer, Aussig-Teplitzer Bahn), so werden auch die Verwaltungkosten sehr groß. Die effectiven Kosten pro Zugsmeile betrugen 8 (öfter. Netz der Südbahn) bis 29 (Brünn-Rossitzer-Bahn) fl. öfter Währg.

Die Anzahl der verfügbaren Locomotiven pro Betriebsmeile belief sich von 0,8 (Erste Siebenbürger Bahn) bis 3 (Ferdinands-Nordbahn) Stück, die Zahl der Personenwagen von 2 (Mohacs-Fünfkirchner Bahn) bis 6 (Elisabeth-Westbahn Stück, die Anzahl der Lastwagen von 13 (Graz-Köhlacher Bahn) bis 137 (Aussig-Teplitzer Bahn), im Mittel 37 Stück.

Die Baukosten pro Meile betrugen von 500000 (Buschlichrader Bahn) bis 1,500000 (Elisabeth-Westbahn) fl. öster. Währg.

Schüller's Werkchen weist außer den angeführten noch viele interessante und höchst werthvolle Daten auf. welche zur besseren Veranschaulichung in graphischen Tabellen dargestellt wurden. Doch macht sich hie und da der Mangel numerischer Tabellen fühlbar.

E. Sch.

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Versuch einer vergleichenden graphischen Statistik der österreichischen und ungarischen Eisenbahnen während der Jahre 1866 bis 1869. Von Sigmund Schüller, Ingenieur. Mit 35 Farbendrucktafeln und einer Eisenbahnkarte. Wien 1871. Verlag von Lehmann und Wentzel.

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