Titel: Herstellung der Spiralbohrer; von G. Lander, Civilingenieur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 3 (S. 241)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi03_3

Herstellung der Spiralbohrer; von G. Lander, Civilingenieur.

Diese vortrefflichen Bohrer, deren Gebrauch in Europa jetzt erst anfängt sich zu verbreiten, obwohl dieselben schon lange bekannt sind, wurden bisher in der Art dargestellt, daß man die Vertiefungen derselben aus einer massiven Rundstahlstange ausfräste, dann den Bohrer abdrehte, härtete und richtete; dieser Proceß war langsam und kostspielig, obwohl die hierzu benutzten Vorkehrungen und Maschinen in ihrer Art bewundernswerth waren. Neuerdings werden diese Bohrer in England mit Erfolg in einer Weise dargestellt, welche gänzlich von dieser Art abweicht. Zur Anfertigung dieser Bohrer wird zunächst besonders geformter Stahl gewalzt, sodann in entsprechende Längen abgetheilt und noch ein Mal in Kammrollen gewalzt, welche eine gerade Vertiefung bilden, während der Zapfen durch entsprechende Höhlungen gebildet wird. Hierauf wird der „Blank,“ wie er nun genannt wird, zu der Windemaschine gebracht, welche im Wesentlichen aus einer hohlen Spindel besteht, die an ihrem Ende ein durchlöchertes Stahlstück trägt, in welches der „Blank“ eingeführt wird. Wenn die Maschine in Gang gesetzt wird, hat die Spindel sowohl eine Umdrehungsbewegung als auch eine Verschiebung ihrer Achsenrichtung, so daß sie sich dazu eignet, den Blank zu verwinden, welcher am äußeren Ende fest zwischen Klammern gehalten wird. Andere Klammern, welche durch passende Vorkehrungen bewegt werden, schließen sich an den Blank, sowie sich die Spindel von ihm entfernt; diese dienen dazu, die dem Blank gegebene Drehung zu erhalten. Nach Vollendung der Drehung öffnen sich die Klammern, der Blank wird weggenommen, und die Drehspindel kehrt zu ihrem Ausgangspunkte zurück. Nach dem Winden werden die Bohrer centrirt und aus dem Groben geschliffen, dann durch Erhitzen in einem Bleibade und Abkühlen in Wasser gehärtet, angelassen und schließlich auf das bestimmte Maaß fertig geschliffen.

Die Hauptzüge dieses neuen Verfahrens sind das Schmieden und Winden, anstatt des Schneidens aus dem vollen Metalle; die Hauptschwierigkeit lag auch darin, die Blanks zu schmieden, da Genauigkeit ganz wesentlich war; nach Ueberwindung dieser Schwierigkeit wurden die Vorzüge bald klar. Neuere Versuche haben gezeigt, daß es für die Formgebung der Metalle sehr wesentlich ist, auf den „Strich des Metalles“ Rücksicht zu nehmen. Jede besondere Form, in welche eine Eisen- oder Stahlstange geschmiedet wird, hat eine besondere Anordnung der Theilchen, und jede Abweichung von dieser Anordnung ist nachtheilig. Beim Schmieden und Winden der Spiralbohrer wird diesem Umstande die vollste Rechnung getragen, da jeder Bohrer, was seine Gestalt betrifft, vollendet ist, ehe ein Spänchen Metall davon abgeschnitten wird. Diese Rücksichtnahme auf die Lage des „Striches“ belohnt sich dadurch, daß die Anzahl der durch Härterisse verloren gehenden Bohrer so gering ist, um den Einfluß derselben auf die Kosten der Production gänzlich außer Acht lassen zu können. (Arbeitgeber.)

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