Titel: Die Heißwasserheizung im neuen Verwaltungsgebäude der niederschlesischmärkischen Eisenbahn in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 7 (S. 243–244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi03_7

Die Heißwasserheizung im neuen Verwaltungsgebäude der niederschlesischmärkischen Eisenbahn in Berlin.

Weil die Warmwasserheizung zu kostspielig ausgefallen seyn würde und für die Heißwasserheizung noch der Vortheil sprach, daß sie die unabhängige Heizung einzelner Zimmer-Gruppen gestattete, wurde letztere Art von Centralheizung gewählt und durch Joh. Haag in Augsburg ausgeführt. Der im Keller aufgestellte Heizapparat umfaßt 15 Systeme, welche paarweise eine gemeinsame Feuerung besitzen und aus der Feuerung, der Schlange, den Heizrohren und dem Expansionsgefäß bestehen.

Die Roste besitzen 28,8 auf 36,6 bis 28,8 auf 60,1 Centimet. Oberfläche und auf 100 Kubikmeter zu heizenden Raum sind 0,024 bis 0,032 Quadratmeter totale Rostfläche gerechnet, wobei die Zwischenräume 1/4 der totalen Rostfläche betragen.

Die Schlange besteht aus einem 18,8 bis 31,4 Met. langen, 19,6 Millimet. weiten schmiedeeisernen Rohre mit 6,5 Millimet. Wandstärke und 1,97 bis 3,28 Quadratmeter Heizfläche, so daß auf 100 Kubikmeter zu heizenden Raum 4,27 bis 7,40 Meter Schlange kommen.

Auch die Heizrohre haben 19,6 Millimet. Lichtweite und 6,5 Millimet. Wandstärke; sie steigen von der Schlange vertical in die Höhe, sind dann horizontal unter den Fußböden der zu heizenden Räume (unter durchbrochenen Platten) hingezogen und gehen zuletzt in paralleler Richtung nach dem unteren Ende der Schlange zurück. Für einzelne Räume sind auch in den Ecken Spiralen aufgestellt, um mehr Heizfläche zu gewinnen, und es sind überhaupt 10 bis 40,6 Met. Rohrleitung auf 100 Kubikmeter Raum gerechnet.

Als Expansionsgefäß ist im obersten Punkte der Leitung ein zum größten Theil mit Luft gefülltes Gußeisenrohr angebracht.

Geheizt wird mit Steinkohlen und es muß 2 bis 3 Stunden vor Benutzung |244| der Räume damit begonnen, auch 4 bis 6 Stunden lang geheizt werden, wenn die Räume 6 Stunden lang warm seyn sollen. Die Temperatur des Wassers in den Röhren beträgt 120 bis 140°, diejenige der Zimmerluft 16° R. und der Kohlenverbrauch pro 1000 Kubikfuß (30,92 Kubikmeter) Raum täglich 0,073 Scheffel (à 0,55 Hektoliter) Kohle bei – 9°, bei 0° aber 0,053 und bei + 10° R. 0,023 Scheffel. – Erwähnenswerth ist noch, daß bei der Probefeuerung an einer Stelle, wo ein Zuleitungsrohr um einen Gurtbogen nach unten geführt war, eine Explosion erfolgt ist, ohne jedoch Schaden anzurichten, indem das Rohr der Länge nach aufplatzte und das Wasser als Dampf ausströmte. (Sandler, in der Zeitschrift für Bauwesen, 1870.)

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