Titel: Ueber das Grègegarn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 8 (S. 244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi03_8

Ueber das Grègegarn.

Das Grègegarn ist aus Wolle und Seide erzeugtes Gespinnst, welches seit ungefähr acht Jahren in Frankreich gesponnen wird und in der Fabrication der feinen Longshawls die Kette bildet. Bis zur Herstellung des Grègegarnes war man gezwungen, wollene Garne zur Kette zu verwenden, welche immer stärker ausfielen, als das Grègegarn ist; oder aber man verwendete direct Seidengarn zur Kette. Im ersteren Falle konnte man die Feinheit der Waare nicht erzielen, welche das Grègegarn zu erreichen gestattet; im letzteren Falle war der Shawl ein Gewebe aus Wolle und Seide, und die Schönheit der Farbe wie auch des Musters kamen dadurch nicht genügend zur Geltung. Lange Jahre hatten die Franzosen das Monopol für die Fabrication der Longshawls auf den Weltmärkten, und erst in neuerer Zeit ist dieser Fabricationszweig im größten Umfange in Deutschland und namentlich in Berlin eingeführt worden, obgleich das zur Production nöthige Garn aus Frankreich bezogen werden mußte. Die Production des Grègegarnes ist nicht nur wegen der außerordentlichen Feinheit des Fadens schwierig, sondern auch wegen der großen Festigkeit, welche von dem Garne verlangt wird. Die Festigkeit desselben muß die eines baumwollenen Zwirnes gleicher Nummer seyn. Da das Zollpfd. Grègegarn ein Längenmaaß von 60,000 bis 70,000 Berliner Ellen ergibt, so muß man die Festigkeit desselben anerkennen, welche so groß ist, daß ein Faden mit Leichtigkeit 7 bis 8 Loth trägt. Dabei darf die Seide natürlich nur zur Vermehrung der Bindekraft der Wolle benutzt und in keinem Falle dem bloßen Auge sichtbar seyn. Bei oberflächlicher Besichtigung hat das Grègegarn nur das Ansehen eines fest gesponnenen, sehr feinen wollenen Kettfadens, wodurch natürlich auch die feinste Qualität der Longshawls als rein wollene Maare erscheint. Man hat in neuerer Zeit auch Kleiderstoffe producirt, indem man das Grègegarn zur Kette verwendete und mit sehr feinen wollenen Fäden durchschoß. Dadurch wird eine Waare erzielt, in welcher auf eine Breite von einer Berliner Elle 32 0 Fäden kommen. Diese Waare übertrifft die bisher gefertigten Cachemirs bedeutend. In gleicher Weise hat sich das Grègegarn in der Fabrication von Cachenez feinster Qualität genügend bewährt.

Bis vor einem Jahre wurde das Gespinnst nur in Frankreich hergestellt, seitdem aber wird es auch in Deutschland erzeugt. Der Fabrik von S. M. Jonas in Berlin ist es gelungen, die Production dieses geschätzten Artikels auf deutschen Boden zu verpflanzen und zwar mit solcher Vollkommenheit, daß die Verdrängung des französischen Fabricates sicher seyn dürfte. Das deutsche Grègegarn besitzt eine entschieden größere Haltbarkeit als das französische, was ein leichteres Vermeiden von Webefehlern bedingt.

Dr. M. Reimann hat in seiner Färberzeitung, 1871 Nr. 1 – welcher diese Notiz entnommen ist – einen Artikel über das Färben dieses Garnes begonnen.

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