Titel: Das Saffranin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 6 (S. 332–333)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi04_6

Das Saffranin.

Bekanntlich gehört der Safflor zu denjenigen Farbstoffen, welche in letzter Zeit im Preise immer mehr gestiegen und dabei in der Qualität fortdauernd gesunken sind. Trotz der großen Kosten, welche die Anschaffung des Safflors sowohl als des Safflor-Carmins im Augenblick bedingt, sind diese Farbmaterialien dennoch häufig von so schlechter Beschaffenheit, daß der Färber wenig daraus färben kann und daher der Preis für die Herstellung des Safflor-Rosa von Tag zu Tag wächst.

Schon seit längerer Zeit hat man sich bemüht einen Ersatz für den Safflor und Safflor-Carmin, welcher letztere besonders in größeren Städten Anwendung findet, zu bekommen; alle Versuche haben bisher nicht zu dem gewünschten Resultat geführt, indem sie theilweise mißlangen, anderntheils wieder der erlangte Farbstoff in größeren Quantitäten nicht darstellbar war.

Erst die neueste Zeit hat einen wahren Ersatz des Safflors gefunden; einem französischen Chemiker gebührt das Verdienst der Darstellung des Farbstoffes, welcher nach allen bisher gemachten Erfahrungen den Safflor gänzlich und in allen Anwendungen ersetzen wird.

Hr. Rudolph Knosp, der bekannte, durch Einführung werthvoller Neuheiten in die Farbenindustrie ausgezeichnete Fabrikant, ist es auch diesesmal, der die Entdeckung in die Hand nahm und nach Ueberwindung praktischer Schwierigkeiten im Augenblick das Präparat in größeren Massen in den Handel bringt. Der Name des Productes ist Saffranin.

Das Saffranin kommt in Form eines dicken bronzeschimmernden Teiges in den Handel, ist in warmem Wasser vollkommen löslich und besitzt eine größere Beständigkeit gegen Angriffe chemischer Agentien als die übrigen Anilinfarben. Es zeigt in dieser Hinsicht große Aehnlichkeit mit Perkin's Violett, welches bekanntlich durch Einwirkung oxydirender Agentien auf Anilinöl hergestellt wird.

Das Saffranin gehört zu den Anilinfarbstoffen und ist als solcher ein substantives, also die animalische Faser direct färbendes Pigment.

Die Ausgiebigkeit des Farbstoffes ist eine sehr bedeutende. Ein Pfund Saffranin färbt circa 50 Pfund Baumwolle in einem dunklen Safflor-Rosa von schöner Farbe und großer Lebhaftigkeit; dieselbe Quantität Farbstoff ist zur Färbung von 8 Pfund Seide ausreichend. Es ist also die Färbekraft des Saffranins etwa dreimal so groß als die des Safflor-Carmins.

Auch auf Wolle läßt sich mit dem Farbstoff ohne Weiteres in derselben Art, wie man mit Fuchsin färbt, eine hübsche rosa Farbe erzielen, welche dem mit Fuchsin gefärbten Rosa an Zartheit voransteht.

Was die praktische Anwendung des Farbstoffes anbelangt, so wird er, wie oben schon angedeutet, einfach in kochendem Wasser, und zwar in möglichst viel desselben, aufgelöst und die Lösung sorgfältig filtrirt.

Die so erhaltene Farbstofflösung kann direct für die Seidenfärberei benutzt werden, indem man einfach in einem Seifenbade unter Zusatz der Saffraninlösung ausfärbt.

Die Baumwolle bedarf natürlich einer Beizung. Man bringt die in einem |333| Seifenbade gereinigte und ausgewaschene Baumwolle zwei Stunden lang auf ein kaltes Bleizuckerbad von 4° Baumé. Hierauf wird abgerungen und die Waare 45° R. warm auf Seife gestellt, dann gewaschen und in einer 50° R. warmen Flotte, der man nach Bedürfniß von der Saffraninlösung zufügt, ausgefärbt. Auf diese Weise erhält man ein gelbliches Rosa, in dunklerer Nüance Cerise. Um Ponceau zu färben, muß man die Baumwolle vor dem Beizen mit Curcuma grundiren.

Nach einem einfacheren Verfahren wird die Baumwolle auf einem kochend heißen Bade von Marseiller Seife – 1 Pfund Seife auf 50 Pfd. Waare – umgezogen, über Nacht stecken gelassen und am anderen Morgen herausgenommen, schwach in fließendem Wasser gespült und kalt ausgefärbt.

Die gefärbte Waare kann, abweichend von den Safflorfarben, in geheizten Räumen getrocknet werden, was in vielen Fällen eine große Annehmlichkeit ist.

Neben diesen in der That außerordentlichen Vortheilen, welche der Farbstoff darbietet, und welche ihn zum vollkommenen Ersatz des Safflors geeignet machen, erlaubt derselbe noch eine Benutzung, welche dem Safflor nicht eigenthümlich ist. Es ist möglich, aus dem Saffranin einen Carmin herzustellen, mit dessen Hülfe man zarte rosa Farben auf Kattun drucken kann. Hr. Knosp beschäftigt sich neben der Anfertigung des Farbstoffes auch mit der Herstellung dieses Carmins.

Es wäre also durch diesen neuen Farbstoff wieder eines der alten seit Decennien eingebürgerten überseeischen Farbmaterialien bei Seite gedrängt, und zwar zum größten Nutzen der Farbenindustrie; denn die Schwierigkeiten, welche das Aufbewahren, die Prüfung, das Färben des Safflors immer mit sich führte, sind den Färbern nur zu wohl bekannt Der Farbstoff empfiehlt sich selbst und wird in kurzer Zeit nicht nur den Platz des Safflors vollkommen eingenommen, sondern sich auch ein ganz neues Gebiet erobert haben.

Nachschrift. – Auf Baumwolle kann man entweder in einer Lösung von essigsaurer Thonerde von 3–5° Baumé beizen und dann die Nacht hindurch die Waare hängen oder liegen lassen, um sie am anderen Morgen zu spülen. Man färbt dann einfach in einer kalten Saffranin-Flotte aus.

Will man das Hängen ersparen, so kann man die Flotte zuerst durch eine 10grädige Lösung von salzsaurer Thonerde nehmen, abringen und, ohne zu spülen, in schwefelsaure Thonerde bringen. Man zieht einigemale um, spült und kann nun direct färben. Die schwefelsaure Thonerde nimmt man 10° Baumé stark und versetzt die Lösung mit ein wenig Schwefelsäure.

Seide kann man in einer 50–60° R. warmen Flotte färben, welcher man ein wenig Soda zusetzt. Man wäscht dann die Seide in kaltem Wasser, welchem man ein wenig Citronen- oder Weinsteinsäure hinzugefügt hat. Wenn die Seide die Farbe zu schnell annimmt, so setze man der Flotte ein wenig Seifenlösung hinzu. (Reimann's Färberzeitung, 1871, Nr. 5 und 6.)

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