Titel: Ueber die Erzeugung einer Patina auf Bronze und Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 10 (S. 427–428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi05_10

Ueber die Erzeugung einer Patina auf Bronze und Eisen.

In der Versammlung des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen im Juli 1869 hielt Hr. S. Elster in einen Vortrag über die Erzeugung der antiken Patina auf unseren Monumenten. An einer Bronzestatue des Hirtenknabens auf dem Hofe der Gewerbe-Akademie, welche der Vortragende mit seiner Patina versehen hatte, suchte derselbe nachzuweisen, daß diese der antiken Patina nachgebildet, und daß letztere selbst ein Kunstproduct sey, hervorgegangen aus einer sorgfältigen Naturbeobachtung der Alten. Analysen der antiken Patina zeigen z.B. einen Gehalt an Chlor in derselben, welches im Metall selbst fehle, ferner Thonerde, indem bei der Erzeugung der Patina Alaun angewendet worden sey; Kalk stamme von der Anwendung von Knochenkohle oder aus dem zur Beize verwendeten Schmutz der Schweißwolle der attischen Schafe, welcher oxalsauren Kalk enthalte, her. Zur Erzielung einer festen Patina diente der Saft der Zwiebelgewächse, des Knoblauchs und anderer Pflanzenstoffe. Das Studium der antiken Patina zeige, daß dieselbe der Pflege bedürfe; die aufgefundenen Bronzen aus Herculanum, die von Lava umflossen waren, seyen gut erhalten, während die aus Pompeji, welche von Aschenregen verhüllt und theilweise dem Zutritt der Luft ausgesetzt waren, sich zerfressen zeigten und ein dunkles Ansehen hätten Um unsere Monumente mit der antiken Patina zu versehen, sey es nothwendig, daß dieselben erst chemisch gereinigt, dann mit der Patinalösung behandelt und jährlich mit geeigneten Oelen, welche sich mit der Patina verbinden, abgerieben werden. Hiermit sey bei der Statue des Seydlitz auf dem Zietenplatze (in Berlin) begonnen. Geschehe dieß, so würden auch unsere Statuen sich uns in classischer Schönheit zeigen; die antike Patina werde wiedergegeben werden und mit ihr die Enkaustik der Marmor-Denkmale.

Hr. Director Reuleaux bemerkte im Anschluß an diesen Vortrag, daß ein Amerikaner auf der Pariser Ausstellung patinirte Gegenstände aus Gußeisen vorgezeigt und für die Ueberlassung des Verfahrens den Preis von 2000 Frcs. gefordert habe. Es seyen nun in der Werkstatt der königl. Gewerbe-Akademie Versuche angestellt worden, um ein Verfahren zur Erzeugung einer Patina auf Eisengußstücken zu |428| ermitteln. Es handelte sich hierbei hauptsächlich um die Hervorbringung einer Oxydschicht, welche das Rosten des Eisens verhindere. Der Vortragende zeigte eine Anzahl Kunstgegenstände aus Gußeisen, als Teller, Schalen und Untersätze von Maschinenmodellen, vor. Die ersteren zeigen eine gelbbräunliche Patina, ähnlich der Bronze; die letzteren eine schwarze Farbe, welche so präparirt ist, daß die Herstellung derselben in der Technik leicht ausführbar ist, und die Gußstücke gegen das Rosten, wenigstens unter Dach und Fach, vollkommen geschützt sind, wie sich dieß an den seit einigen Jahren fast täglich im Gebrauch befindlichen Modellen der kinematischen Sammlung herausgestellt habe. Die Patina werde durch Erhitzung der Gegenstände unter Zuführung organischen Oeles erzeugt. Der Vortragende will die Versuche noch fortsetzen, sprach die Hoffnung aus, auch die gelbbraune Patina bis zur vollkommeneren Haltbarkeit gegen Rost zu bringen, und will dann später das Verfahren genau mittheilen.

Hr. Bergrath Dr. Wedding knüpfte hieran die Bemerkung, daß ein gleiches Verfahren bereits seit längerer Zeit mit Erfolg auf der Eisenhütte zu Ilsenburg unter Benutzung einer eisernen Muffel angewendet werde, und seines Wissens von dem Hütteninspector Schott eingeführt worden sey Hr. Director Reuleaux bestätigte dieß und zeigte ein ebenfalls zur Stelle gebrachtes Kunstgußstück der Ilsenburger Hütte vor, welches mit einer blau- und orangefarbigen Patina überzogen war. (Verhandlungen des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1869 S. 182.)

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