Titel: Erzeugung eingebrannter Photographien auf Porzellan und Email.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 11 (S. 428–429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi05_11

Erzeugung eingebrannter Photographien auf Porzellan und Email.

Kleffel theilt in seinem Werkchen: „Das Neueste auf dem Gebiete der Photographie“ folgendes Schmelzfarben-Verfahren mit, welches er als einfach und sicher empfehlen zu können glaubt.

Die lichtempfindliche Mischung besteht aus 100 Grm. Wasser, 6 Grm. Melasse, 5 Grm. Gummi arabicum, 5 Grm. doppelt-chromsaurem Kali und 10 Tropfen Ammoniak. Sie wird filtrirt; zwei Tage alt, arbeitet sie am besten. Man gießt sie wie Collodium auf eine gut gereinigte Spiegelplatte und trocknet bei mäßiger Wärme. Die Platte wird, noch warm, unter einem Transparent-Positiv belichtet, im Schatten an trüben Tagen 6 bis 7 Minuten, an sonnigen 2 bis 3 Minuten lang. Man stellt die Platte nach der Belichtung im Dunkelzimmer in der Nähe des warmen Ofens an die Wand. Dann nehme man Baumwolle, zu einem Bausch geformt, reibe diesen auf Porzellanfarbenpulver und fahre damit leicht über der belichteten Platte hin. Bei richtiger Belichtung erscheint das Bild in kurzer Zeit; man muß jedoch so lange mit der Entwickelung fortfahren, bis das Bild überkräftig erscheint, da beim Einbrennen die Bilder so weit zurückgehen, wie ein Eiweißbild im Goldbade. Auch hat man besonders darauf zu achten, daß die höchsten Lichter rein bleiben. Zu langes Hervorrufen verursacht Schleier. Ueberbelichtete Bilder erscheinen hart, zu kurz belichtete sind total verschleiert.

Das gut entwickelte Bild wird mit Collodium (190 Th. Alkohol, 190 Th. Aether, 3 Th. Collodiumwolle und 1 Th. Ricinusöl) überzogen und nach Erstarrung des Häutchens in reines Wasser gelegt. Einige Minuten nachher bedeckt man das Häutchen mit einem kleinen Stück feuchten Fließpapieres, schlägt die Collodiumränder um das Fließpapier zurück, und hebt das Bild vom Glase. Dann taucht man das Bild mit dem Papier in eine Mischung von 1 Th. Schwefelsäure und 7 Th. Wasser, bis es nicht mehr gelblich erscheint. Es wird hierauf in häufig zu erneuerndes Wasser und zuletzt in ein Gefäß mit Gelatinelösung (2 Th. Gelatine, 3 Th. Glycerin und 75 Th. Wasser) gelegt. In dieser Lösung trennt man das Fließpapier vom Bilde und fängt das letztere auf dem gereinigten Porzellan- oder Email-Gegenstande auf, die Bildseite dem Porzellan zugekehrt. Nach dem Trocknen radirt man mit dem Federmesser alle die Theile weg, welche nicht mit eingebrannt werden sollen.

Vor dem Einbrennen überzieht man das Bild mit einem Flußmittel, bestehend aus 5 Th. gebranntem Borax, 3 Th. gebranntem Feuerstein und 1 Th. reiner Mennige für Porzellanbilder, dagegen aus 10 Th. Bleiglätte, 5 Th. Feuerstein und |429| 1 Th. Borax für Emailbilder. Jedes wird für sich möglichst fein gerieben, dann gut gemischt. Die Feuersteine werden geglüht und durch rasches Einwerfen in kaltes Wasser abgekühlt; dieß wird öfters wiederholt. Die Steine werden im Mörser gestampft, durch Seide gesiebt, das Pulver in der Reibschale fein gerieben. Das Bild wird mit Terpenthinöl eben befeuchtet und mit so viel Flußpulver eingestäubt, als daran haften will.

In einer eisernen Muffel läßt sich ganz gut einbrennen. Die Muffel ist ein aufrecht stehender Cylinder von starkem Eisenblech, oben mit einem Deckel, an der Seite mit einem eisernen Rohr versehen, welches den Gegenstand während des Brennens zu beobachten gestattet. Die noch neue Muffel wird mit einem Brei aus Kaolinerde und Wasser gut ausgeschmiert, getrocknet und zwei Mal ausgeglüht. Das Brennen geschieht unter einem gut ziehenden Schornstein. Auf die Herdplatte stellt man einen eisernen Dreifuß von 4 Zoll Höhe, die Muffel ohne Deckel darauf, und darunter, bis zur vollen Höhe, bringt man glühende Holzkohlen. Dann baut man, die Herdwand als Rückwand benutzend, von losen Mauersteinen eine Wand, doch so, daß das Beobachtungsrohr sich außerhalb der Wand befindet. Den Raum zwischen Herd und Steinwand füllt man mit Holzkohlen, hin und wieder eine glühende Kohle dazwischen werfend, bis etwa 2 Zoll vom oberen Rande der Muffel. Sind die Wände der Muffel glühend, so legt man den Deckel auf, und auf diesen noch so viel Kohlen, daß die ganze Muffel mit glühenden Kohlen umgeben ist. Ein Emailbild braucht zum Einbrennen 7 bis 9 Minuten, ein Porzellanbild 25 bis 30 Minuten. Man reißt nach dieser Zeit die provisorische Mauer ein und entfernt die Kohlen allmählich. Nach einer halben Stunde kann man das Geschirr aus der Muffel nehmen. Diese ist bis dahin vor Luftzug zu schützen. (Industrieblätter, 1870, Nr. 47.)

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