Titel: Das Kaltwalzen von Eisen in Amerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 8 (S. 425–426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi05_8

Das Kaltwalzen von Eisen in Amerika.

Auf den Eisenwerken von Jones und Laughlins in Pittsburg ist, wie Dr. Klüpfel in einem längeren Bericht über das Eisenhüttenwesen in den Vereinigten |426| Staaten (berg- und hüttenmännische Zeitung, 1871 S. 50) mittheilt, die Fabrication von polirtem Rund- und Flacheisen mittelst Walzen im kalten Zustand in aller Stille zu hoher Vollkommenheit ausgebildet worden. Das prächtige Product, welches bis jetzt einzig und allein von genannter Firma (auch unter dem Namen American Iron Works ) dargestellt wird, ist auch schon auf dem deutschen Markte aufgetreten und hat entschieden eine Zukunft. Namentlich das Rundeisen für Transmissionen, Achsen etc. ist in Amerika sehr beliebt und wird von dem Werke nicht billiger abgegeben, als dieselben Artikel auf dem gewöhnlichen Wege mittelst Abdrehens hergestellt werden können. Das Rund- und Flacheisen, welches in das Kaltwalzwerk kommen soll, wird zuerst im gewöhnlichen Walzwerk auf die verlangten Dimensionen ausgewalzt und es werden sodann die langen Stangen außerhalb des Walzwerkes in große, in die Erde eingelassene Säurebottiche gebracht. Aus den Säurebottichen kommen die Stangen in solche mit Kalkwasser. Von hier herausgenommen, werden sie sauber abgerieben und neben der Kaltwalzenstraße aufgehäuft. Diese ungemein sauber und glänzend aussehenden Walzenstraßen sind in einer Linie wie folgt aufgestellt: zuerst ein Rundeisen-Walzwerk für gröbere Sorten mit einer Blechstraße daneben, von einer besonderen ungefähr 30pferdigen liegenden Maschine getrieben; dann kommt ein kleines Universalwalzwerk und nachher eine Kleineisenstraße, durch die allgemeine Transmission der Arbeitsmaschinen mit Riemen getrieben. Während Dr. Klüpfel's Anwesenheit wurde z.B. 2 1/2 zölliges Rundeisen gewalzt. Dieses kam in die Grobeisenstraße und wurde ungefähr 25 mal durch ein und dasselbe Kaliber gelassen, indem man die Stange nach jedem Durchgang ein klein wenig drehte. Außerdem wurde 2 mal am Stellrad der Oberwalze ein wenig gedreht. Die Maschine machte während dessen pro Minute 40 Umgänge. Während dieser Durchgänge wird die Stange zusehends blanker, zuletzt wird sie auf den Boden gelegt und man beseitigt mit hölzernen Hämmern die gröbsten Biegungen die sie während des Walzens erhalten hat. Sodann werden die Stangen eingefettet und einstweilen auf hölzerne Gestelle gelegt, bis das Richten an sie kommt. Letzteres ist die Hauptsache der ganzen Arbeit und es kommt wesentlich auf die Geschicklichkeit der hierbei beschäftigten Arbeiter an, ob es schnell genug und doch sehr pünktlich geschieht. Es waren 5 Richtbänke vorhanden, an deren jeder 3 Arbeiter beschäftigt waren. Auf jeder sind 5 Schlitten beweglich, deren größter eine Schraubenpresse ist. Das Rundeisen wird auf die beiden äußersten Schlitten auf kleine Rollen gelegt, durch deren Drehung die beiden Hülfsarbeiter die Stange in Rotirung erhalten, während der Meister mit der Kreide in der Hand die ausweichenden Stellen beobachtet und dieselben nach Bedarf mittelst der Presse gerade biegt. Dieses wird so lange wiederholt, bis sich kein ausbiegender Punkt mehr zeigt. Zur letzten Vollendung der Geradrichtung sind sodann 3 Drehbänke vorhanden, in welchen sauber zugleich die Wellen auf die genaue Länge abgeschnitten werden. Sodann werden sie gereinigt und in Kisten verpackt. Bei der ganzen Fabrication kommt Alles auf genaue Arbeit und wenig auf das erforderliche Capital an, da ja Walzenstraßen, Richtbänke etc. ganz nach Bedarf nach und nach vermehrt werden können. Es ist daher auffallend, daß man in Deutschland noch nicht daran gedacht hat, die Sache nachzumachen, denn die Arbeiter wären hier jedenfalls viel billiger zu beschaffen als in Amerika, und was das Material betrifft, so kommt dasselbe in Pittsburg ganz unverhältnißmäß theuer zu stehen. (Deutsche Industriezeituug, 1871, Nr. 8.)

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