Titel: Die Schmelzbarkeit des Platins in der Löthrohrflamme; von W. Skey.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 9 (S. 426–427)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi05_9

Die Schmelzbarkeit des Platins in der Löthrohrflamme; von W. Skey.

Nach der bisherigen Annahme sollte das Platin nur bei einer, mittelst des gewöhnlichen Löthrohres nicht erreichbaren Hitze schmelzbar seyn; wenigstens habe ich vergebens nach Angaben gesucht, welche das Gegentheil nachweisen.

Als ich vor Kurzem mit Untersuchungen über die Wirkungen der Flamme des Heißluftlöthrohres beschäftigt war, fand ich eine genaue Bestimmung des Schmelzbarkeitsgrades des Platins für nöthig und beobachtete bei derselben, daß, wenn der durch Leitung verursachte Wärmeverlust verhütet wird, Platin mittelst eines gewöhnlichen Löthrohres in einer Kerzenflamme zum Schmelzen gebracht werden kann. Zu diesem Zwecke ersetzte ich die allgemein gebräuchliche Metallspitze des Instrumentes durch ein Rohr aus Thon oder aus Glas, also aus Materialien welche im Vergleich zu Metallen |427| schlechte Wärmeleiter sind. Mit dieser Vorrichtung gelang es mir, die Spitzen feiner Platindrähte zu Kügelchen zu schmelzen. Zu den betreffenden Versuchen wurde das gewöhnliche hydrostatische Löthrohrgebläse und die Flamme einer Stearinkerze benutzt. Um dem etwaigen Einwurfe zu begegnen, daß das von mir benutzte Platin vielleicht einen Gehalt von einem leichtflüssigeren Metalle gehabt habe, durch welches sein Schmelzpunkt niedriger geworden, stellte ich mir zu speciellen Versuchen ein von solchen Verunreinigungen absolut freies Platin dar.

Da der Schmelzpunkt des Platins bei 2534° C. liegt, so müssen wir aus diesem Versuche schließen, daß bei Beobachtung geeigneter Vorsichtsmaßregeln gegen Wärmeverlust durch Leitung, mittelst des gewöhnlichen Löthrohres bei Anwendung der angegebenen Flamme diese hohe Temperatur erreicht werden kann. (Chemical News, vol. XXII p. 268.)

Mit Recht erinnert Prof E. J. Chapman zu Toronto in Chemical News vol. XXIII p. 29 an die Jedem, der sich mit dem Löthrohre einigermaßen beschäftigt hat, wohlbekannte Thatsache, daß die Schmelzbarkeit des Platins in der Löthrohrflamme schon vor langen Jahren von Plattner beobachtet worden ist. Dieser ausgezeichnete Metallurg sagt in seiner „Probirkunst mit dem Löthrohre“ (4. Auflage, S. 16): „Will man sich überzeugen, ob man im Stande ist, eine hinreichend starke Oxydationsflamme hervorzubringen, so darf man nur versuchen, das eine Ende eines 0,1 Millimeter starken Platindrahtes zum Kügelchen zu schmelzen. Man biegt den Draht, von dem einen Ende ungefähr 3 bis 6 Millimet. entfernt, unter einem rechten Winkel und hält das umgebogene Ende so in die äußere Flamme, daß die Achsenlinie desselben genau mit der Achsenlinie der Löthrohrflamme zusammentrifft und nicht vibrirt. Ist die Flamme wirksam genug, so bemerkt man sehr bald, wie sich mit einemmale ein Kügelchen bildet, welches um so größer ist, je kräftiger die Flamme war. – Aehnlich spricht sich Hnr. O. Lenz in seiner „Löthrohrschule“ und B. Kerl in seinem „Leitfaden“ aus.

H.

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