Titel: Eine eigenthümliche Verfälschung von Anilinfarben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 13 (S. 514)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi06_13

Eine eigenthümliche Verfälschung von Anilinfarben.

Eine solche hat Dr. M. Reimann, wie er in seiner Färberzeitung mittheilt, in seiner Versuchsstation beobachtet. In einem Anilinbraun nämlich, das zu weniger als 1/3 des üblichen Preises verkauft wird, ließen sich schon mit bloßem Auge krystallähnliche, längliche Stücke wahrnehmen, welche, genau so gefärbt wie die übrige stückige Farbstoffmasse, an und für sich zu keinem Verdacht Anlaß gaben. Kochte man diese Stücke mehrmals mit heißem Alkohol, so blieb dieser schließlich farblos, während die vermeintlichen Krystalle an Gestalt und Größe durchaus nichts verloren. Es ergab sich dann, daß diese Stücke aus gestoßener Holz- oder Braunkohle bestanden, die, mit der Lösung des Farbstoffes stark imprägnirt, sich auf den ersten Blick von der eigentlichen Farbstoffmasse nicht unterscheiden lassen. Beim Gebrauch wird der Färber diese Art Fälschung schwer wahrnehmen können, da er sich Farbstofflösungen macht und diese filtrirt. Die Kohlestückchen bleiben dabei im Rückstand, welchen ja die geringen Anilinfarbstoffe sämmtlich lassen, und man muß gestehen, daß diese Art der Verfälschung wirklich sinnreich ist. Die Wahrnehmung derselben ist dadurch möglich, daß man die Farbstoffmasse auf Papier ausbreitet und nach diesen Stückchen sucht, dieselben sammelt, und nun so lange mit heißem Alkohol behandelt, bis die letzte Quantität Alkohol ungefärbt bleibt. Das lebhafte Verbrennen der Körperchen, zum Theil mit rußender Flamme, gibt dann den sicheren Beweis von dem Vorhandenseyn des Holzes oder der Kohle, wenn dieß noch nicht durch das Abfärben derselben, sowie mit dem Auge erkenntlich ist. Natürlich wird eine Beimischung von gepulverter Kohle noch schwerer zu entdecken seyn, und diese mag oft genug vorkommen. Das sicherste Mittel, sich nachhaltig vor dergleichen Verfälschungen zu sichern, ist neben dem Festhalten an reellen Lieferanten, die Vergleichung der Intensität der Lösungen eines zu kaufenden und eines anerkannt guten Farbstoffes derselben Art, dessen Preis man kennt. Wird eine solche Vergleichung mit gehöriger Umsicht und unter Berücksichtigung aller Nebenumstände ausgeführt, so kann von einem Uebervortheilen, selbst bei verfälschter Waare, darum nie die Rede seyn, weil es dann möglich ist, den Preis eines Farbstoffes ganz genau nach seiner Brauchbarkeit festzustellen. Dergleichen Untersuchungen führt Dr. Reimann's Versuchsstation in Berlin (Neanderstr. 8) aus.

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