Titel: Darstellung der chinesischen Tusche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 14 (S. 514–515)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi06_14

Darstellung der chinesischen Tusche.

Nach Erfahrungen des französischen Chemikers Champion, welcher sich längere Zeit in China aufhielt, wird der Ruß, der zur Darstellung der chinesischen Tusche dient, theils aus Oelen und Fetten, theils aber auch, und zwar gewöhnlicher, aus dem Holze der Fichte und anderer harzreicher Bäume und aus dem Harze selbst hergestellt. Verbrannt wird das Material an der gewöhnlich 2 Fuß großen Mundöffnung eines 8 bis 40, selbst 50 Fuß langen Ofens; am äußersten Ende desselben setzt sich der zur besten Tusche verwendbare feinste Ruß ab. Die Feinheit des Rußes hängt auch von der Langsamkeit des Verbrennungsprocesses ab. Den feinsten Ruß soll Schweinefett, nach diesem Oel und andere Fette liefern. Doch ist die Güte der Tusche im hohen Grade auch von der Sorgfältigkeit abhängig, mit der man den Ruß durch seidene Beutel oder Siebe siebt. Zur Bereitung der Tusche setzt man Büffelleim, der von einer ganz besonderen Güte seyn soll, mit Wasser an, erhitzt in einem eisernen Napf und setzt die entsprechende Menge Ruß zu. Unter Zusatz einer geringen Quantität Oel wird der Teig sorgsamst mit der Hand geknetet und auf einer Temperatur von circa 55° C. erhalten, bis er vollkommen homogen ist. Dann wird er zu flachen, ein bis zwei Pfund schweren Kuchen ausgegossen und einige Tage sich selbst überlassen, um zu „reifen.“ Der „gereifte“ Teig erhält dann die für die Tusche übliche Form; der Former wärmt hernach mit einem kleinen Kohlenbecken ein |515| Stück Teig an, knetet es stark mit der Hand, gießt es in die Form, setzt diese unter einen langen Hebel, an dessen anderem Ende er sitzt, und preßt nun auf ganz kurze Zeit durch sein eigenes Gewicht die Tusche sehr heftig, indem er unterdessen schon wieder die nächste Form füllt. Die angewendeten Formen sind von Holz, ebenso die Stempel, welche die Buchstaben etc. enthalten, welche der Tusche aufgepreßt werden. Der lebhafte Glanz wird der Tusche durch Bürsten mit einer harten, mit Baumwachs getränkten Bürste verliehen, was außerdem noch den Zweck hat, die Hand vor Beschmutzung zu schützen, wenn die Tusche angefeuchtet wird. Der charakteristische Geruch, den die feinen Tuschesorten besitzen, wird durch Beimengung einer kleinen Menge Campher oder Moschus zum noch warmen Teig erreicht; die gewöhnlichen Sorten haben keinen specifischen Geruch. Die bunten Buchstaben und Decorationen werden mit einem Haarpinsel gemalt, wobei Gold, Silber und die anderen Farben in Wasser suspendirt sind, dem ein wenig Gelatine beigesetzt ist.

In ganz gleicher Weise stellen auch die Japanesen Tusche dar, doch ist die chinesische bei weitem besser, ein Umstand der seinen Grund in der unendlichen Sorgfalt haben kann, welche die Chinesen auf Darstellung des Rußes verwenden, denn der japanesische Leim steht dem chinesischen ebenbürtig zur Seite. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 38.)

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