Titel: Ein neues lithographisches Aetzverfahren; von E. Funke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 199/Miszelle 9 (S. 512–513)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj199/mi199mi06_9

Ein neues lithographisches Aetzverfahren; von E. Funke.94)

Sehr schöne Proben eines mir bis dahin unbekannten Aetzverfahrens (wenn ich nicht irre, Erfindung eines Müncheners) veranlaßten mich zu dem Versuche, dieselben nachzumachen. Da mein erster Versuch einigermaßen gelungen ist, theile ich mein Verfahren mit.

Die Manier besteht darin, daß man auf einen Aetzgrund gezogene Striche nach dem Aetzen so behandelt, daß dieselben nach Belieben schwarz auf weißem Grunde oder umgekehrt erscheinen. Man will z.B. auf einer Relief-Medaille den Kopf und umstehende Schrift mit weißen Linien auf schwarzem Grunde, alle geraden Striche dann mit schwarzen Strichen auf weißem Grunde darstellen, so ergibt das einen ganz schönen Eindruck, wie man denn auch auf diese Weise die mannichfachsten Erscheinungen hervorbringen kann.

Das Verfahren geschieht in folgender Ordnung:

1) Gehört dazu ein zum Graviren fertiger, mit gutem Aetzgrund überzogener Stein;

2) wird darauf die Maschinenarbeit vollendet und

3) 2 bis 10 Minuten, je nach der Stärke des zu erzielenden Striches mit einer Mischung aus einem Theil Essigsäure und 6 Theilen Wasser geätzt.

4) Ist der Stein ordentlich getrocknet und etwas erwärmt, so decke man mit einem Pinsel und guter lithographischer Tusche alle Stellen, die schwarz auf weiß werden sollen, zu;

5) kann man, um die weißen Striche etwas breiter zu bekommen, noch zum zweiten Male 1 bis 5 Minuten weiter ätzen.

6) Nachdem der Stein wieder ordentlich abgespült und getrocknet ist, decke man mit einem Pinsel und Kreideätze das Uebrige zu.

7) Nach dem Trocknen wird der Stein abgewaschen und mit einer gut trocknenden Farbe, die jedoch Widerstand gegen Säure haben muß, eingeschwärzt, wobei nur die unter 4 angeführten, mit Tusche gedeckten Stellen annehmen, alles Uebrige ist weiß.

8) Wird der ganze Stein durch Citronensäure gesäuert, d.h. für Fett empfindlich gemacht; dieses geschieht durch eine schwache Lösung dieser Säure, welche man etwa 6–10 Secunden darauf stehen läßt, dann abspült und mit Maculatur abtrocknet;

9) werden mit einer Gummilösung alle Stellen welche schwarz auf weiß werden sollen, so wie diejenigen rings um die Zeichnung her mit einem Pinsel zugedeckt.

10) Jetzt verfertigt man sich einen kleinen Tupfer von Glacée-Leder mit Watte gefüllt, dessen glatte Seite nach außen, etwa von der Größe eines Viergroschenstückes und verreibe auf Leinwand etwas Kreide oder Tusche mit etwas Talg oder Baumöl, |513| und tupfe nun alle Stellen behutsam an, bis sie ordentlich schwarz sind; man darf indeß die Farbe nicht zu schmierig machen, da man sonst auch die tief geätzten Striche mit zutupfen würde;

11) wird mit einem Pinsel und Kreideätze sorgfältig geätzt und schließlich das Ganze mit der Walze gedruckt.

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Auszug aus dem Protokoll des Fortbildungsvereines für Lithographen und Steindrucker in Leipzig, durch „Lithographia.“

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