Titel: Das Färben der Furnüre; nach C. Puscher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 10 (S. 95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi01_10

Das Färben der Furnüre; nach C. Puscher.

Einige Industrielle in Nürnberg, welche seither ihre durch und durch gefärbten Furnüre von Paris bezogen hatten, waren durch die jüngste Occupirung von Paris genöthigt, sie selbst anzufertigen. Meine auf ihre Veranlassung deßhalb gemachten Versuche erzeugten wohl anfangs schöne Farben, jedoch nur auf der Oberfläche, im Inneren blieben sie ungefärbt. Erst nachdem ich die rohen Furnüre eine halbe Stunde hindurch in einer 10procentigen Aetznatronlauge gekocht und 24 Stunden darin digerirt hatte, nahmen sie, nachdem sie vorher durch öfteres Auswaschen von der anhängenden Lauge befreit waren, auch die Farben im Inneren auf. Sie erhalten dadurch im feuchten Zustande eine lederartige biegsame Beschaffenheit und müssen nach dem Färben beim Trocknen zwischen Pappendeckel gelegt und gepreßt werden. Legt man so vorbereitete Furnüre in eine concentrirte heiße Blauholz-Abkochung (1 Theil Blauholz auf 3 Theile Abkochung) 24 Stunden hindurch, läßt sie hierauf etwas abtrocknen und bringt sie dann in eine warme Eisenvitriollösung (1 Theil Vitriol auf 30 Theile Wasser), so erhält man nach Verlauf von 24 Stunden sehr schön schwarz durch und durch gebeizte Furnüre, die nach dem Abwaschen die Pariser Furnüre an Tiefe der Farbe weit übertreffen.

Eine Auflösung von 1 Theil Pikrinsäure in 60 Theilen heißen Wassers und Zusatz von etwas Aetzammoniak, bis zur Geruchswahrnehmung desselben, färbt so vorbereitete Furnüre schön gelb und benachtheiligt, da die Pikrinsäure gesättigt ist, die später stattfindende Politur nicht.

Corallin in heißem Wasser gelöst, dem man zuvor kleine Mengen Aetznatron und den fünften Theil des Wassers Wasserglaslösung zugefügt hat, gibt je nach der Menge des gelösten Corallins schön rosenrothe bis ponceaurothe Farben. Ein schönes Hochroth erzeugt man mit einer heißen Auflösung von Fuchsin in Wasser, dem man zur Hervorrufung der hochrothen Farbe eine entsprechende Menge einer wässerigen Vesuvinlösung zugegeben hat. Es ist nothwendig, daß die vorbereiteten Furnüre auch in diesen Farbenlösungen wenigstens 24 Stunden hindurch digerirt werden.

Die einzige Farbe, welche die Furnüre ohne vorherige Abkochung mit Aetznatron durch und durch annehmen, ist ein sehr schönes Silbergran. Man erhält dasselbe, wenn man die Furnüre einen Tag hindurch in eine sehr verdünnte Eisenvitriollösung legt (1 Theil Vitriol, 100 Theile Wasser). (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1871 S. 217.

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