Titel: Ueber Eisenoxyd zur Reinigung des Leuchtgases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 6 (S. 91–92)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi01_6

Ueber Eisenoxyd zur Reinigung des Leuchtgases.

Seitdem man weiß, daß der Kalk in der Laming'schen Masse für den Proceß der Gas-Reinigung eigentlich ohne Bedeutung, ja sogar nachtheilig ist, insofern man ihn als Ballast jedesmal mit aus- und eintragen muß, wird statt der Laming'schen Masse fast nur Eisen- oder Manganoxyd zur Gas-Reinigung angewendet. Man benutzt natürliches Eisenoxyd (Raseneisenerz, Wiesenerz), welches sich in den großen Niederungen des Flachlandes unter Wiesen, Moorgrund etc. theils in kleineren, theils in weit ausgedehnten Ablagerungen findet, so z.B. in der Lausitz, in Niederschlesien, in der Mark Brandenburg, in Mecklenburg, Pommern etc. Was die Zusammensetzung desselben betrifft, so enthält es je nach dem Grade seiner Reinheit 20 bis 60 Proc. Eisenoxyd, gewöhnlich auch etwas Eisenoxydul und Manganoxyd, 30 bis 50 Proc. Sand, 7 bis 30 Proc. Wasser, außerdem meist noch andere Beimengungen in geringerer Menge. Für den Zweck der Gas-Reinigung ist natürlich das oxydreichste Erz das werthvollste, und die unreineren Sorten kommen überhaupt nicht zur Verwendung. In Norddeutschland findet das natürliche Eisenoxyd ausgedehnte Anwendung.

Außerdem bilden auch seit Jahren die Anilinfabriken ausgiebige Bezugsquellen für eisenoxydhaltige Reinigungsmasse. Neuerdings hatte die Redaction des Journals |92| für Gasbeleuchtung Gelegenheit, die von der Gesellschaft für Anilinfarben-Fabrication Rummelsburg bei Berlin gelieferte Masse einer Analyse zu unterziehen, und es fanden sich nach Prof. A. Wagner's Untersuchung in derselben, nachdem vorher einige grobe Eisenstückchen durch Absieben entfernt worden waren, 73,8 Proc. Eisenoxyd (entsprechend 71,2 Proc. Eisenoxyduloxyd), 15,1 Proc. Wasser und organische Substanzen und als Rest Sand etc. Ueber die Masse wurde 6 Stunden lang ein starker Strom Schwefelwasserstoff geleitet; hierauf wurde dieselbe 8 Tage lang unter Anfeuchten zur Regeneration stehen gelassen. Die Masse enthielt nun (wenn man das zum größten Theil noch als Eisenoxyduloxyd vorhandene Eisen auf Eisenoxyd berechnet) 62,2 Proc. Eisenoxyd, 12,0 Proc. freien Schwefel und 0,27 Proc. Schwefelsäure. Schwefeleisen war nicht mehr vorhanden. 100 Pfd. dieser Masse würden also auf diese Weise 159 Kubikfuß Schwefelwasserstoffgas absorbiren. Die Masse wird als Rückstand bei der Anilinfarben-Fabrication, nämlich bei der Reduction des Nitrobenzols mittelst Eisenfeile gewonnen und in Berlin sowohl von den städtischen Anstalten, als auch von denen der Imperial-Continental-Gas-Association, außerdem von den Anstalten in Charlottenburg und Leipzig mit Erfolg angewendet; die Production der Fabrik (2500 bis 3000 Kilogr. täglich) ist jedoch so bedeutend, daß noch eine Anzahl anderer Gaswerke mit diesem Material versehen werden können; der Preis des Materiales, offen in Waggons verladen, beträgt pro Centner ab Berlin 12 1/2 Sgr. (Journal für Gasbeleuchtung, 1871, Nr. 14.)

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