Titel: Metallene Gegenstände mit einem fast kostenlosen, sich von selbst bildenden dauerhaften, schwarzglänzenden Ueberzug zu versehen; von C. Puscher in Nürnberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 7 (S. 92–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi01_7

Metallene Gegenstände mit einem fast kostenlosen, sich von selbst bildenden dauerhaften, schwarzglänzenden Ueberzug zu versehen; von C. Puscher in Nürnberg.

Auf der letzten Pariser Industrie-Ausstellung fanden sich in der französischen Abtheilung Herde und Oefen ausgestellt, welche mit einem schwarzglänzenden dünnen Lacküberzug, der sich nicht mittelst des Fingers abkratzen ließ, überzogen waren. Auch andere metallische von Paris stammende Artikel, wie z.B. Corsettstahl, besitzen diesen elastischen, selbst beim Erwärmen weder riechenden noch klebenden Ueberzug. Die große Egalität desselben, sowie das Fehlen eines Pinselstriches, erweckten in mit die Vermuthung, daß der Ueberzug wohl auf eine andere Weise, als durch bloßes Anstreichen oder Eintauchen erzeugt seyn müßte. Nach verschiedenen Versuchen führte mich nachstehendes Verfahren zum Ziele.

Man bedeckt den Boden eines 18 Zoll hohen cylindrischen gußeisernen Topfes ungefähr 1/2 Zoll hoch mit Steinkohlengries, legt einen Zoll höher einen Rost ein und füllt nun den übrigen Raum des Topfes mit den Gegenständen aus, welche man mit erwähntem Ueberzuge versehen will. Ich habe außer verschiedenen Eisengußwaaren, Gegenstände von Eisendraht, Messing, Zink, Bandstahl, verzinnten Blech- und Töpferwaaren dazu gewählt. Nun schließt man den Topf mit einem passenden Deckel und stellt denselben auf ein bereit gehaltenes Kohksfeuer unter einem gut ziehenden Schlot. Anfangs verdunstet nur die in den Steinkohlen befindliche Feuchtigkeit, bald aber tritt Verkohkung ein und es entweichen tiefbraune, die Lungen zum Husten reizende Dämpfe. Nachdem der Boden des Topfes etwa 1/4 Stunde einer angehenden Rothgluth ausgesetzt war, wodurch zugleich die eingesetzten Gegenstände eine ziemlich hohe Temperatur erhalten, ist die Verkohkung der Steinkohlen größtentheils vollendet. Der Topf wird nun vom Feuer entfernt und nach etwa 10 Minuten der Deckel desselben zum Abdunsten der Einlagen geöffnet. Sie sind alle bis auf die Thonwaaren mit einem schwarzglänzenden Ueberzug versehen, der die erwähnten Eigenschaften besitzt.

Derselbe schützt nicht nur nach angestellten Versuchen die Metallwaaren vor Oxydation, sondern hält auch, da er ja bei großer Hitze erzeugt wird, hohe Temperaturen aus, erst bei angehender Glühhitze verschwindet er, daher seine Anwendung zu Oefen und Herden, denen er zugleich ein schönes Aeußere gibt. Feine Eisendrahtgegenstände, wie z.B. Siebe, sind mit einer bewunderungswürdigen Egalität dieses Ueberzuges bekleidet, wie sie niemals durch Anstreichen erzielt werden kann. Zinnerne, verzinnte oder mit weichem Loch gelöthete Metallwaaren können, wegen der |93| dabei stattfindenden Temperatur, bei welcher das Loth schmelzen würde, nicht mit diesem Ueberzug versehen werden.

Es treten bei dieser Verkohkung der Steinkohlen nicht die riechenden Theerproducte auf, wie sie sich bei der bei Luftabschluß startfindenden Verkohkung in den Gasanstalten zeigen, weßhalb der Ueberzug geruchlos ist. Wird die Verkohkung der Steinkohlen zu weit getrieben, so verlieren die Gegenstände ihren Glanz und werden matt schwarz, der Ueberzug ist dann nicht so zähe und solid.

Kleinere Artikel, wie z.B. Haken und Oesen, erhalten diesen Ueberzug, wenn solche in einer Kaffeetrommel, mit kleinen Stückchen Steinkohlen gemischt, unter stetem Umdrehen so lange erhitzt werden, bis sich derselbe erzeugt hat. Die Anwendung von Colophonium statt der Steinkohle gab keine so günstigen Resultate. Große Bedeutung möchte dieser fast kostenlose Ueberzug für die Eisengußwaaren haben, und jeder Industrielle wird sich leicht nach dem Mitgetheilten eine passende Einrichtung für obigen Zweck selbst construiren können. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1871 S. 217.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: