Titel: Ueber die Darstellung der Aethylenbasen im Großen; von Professor A. W. Hofmann in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 8 (S. 93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi01_8

Ueber die Darstellung der Aethylenbasen im Großen; von Professor A. W. Hofmann in Berlin.

Schon vor einem Jahre hat der Verf. auf eine Verwerthung hingewiesen, welche die Nebenproducte der immer schwunghafter betriebenen Chloralfabrication gestatten, nämlich auf die Benutzung der flüchtigeren Antheile jener Nebenproducte zur Darstellung der Aethylamine (polytechn. Journal, 1870, Bd. CXCVI S. 149). Seit jener Zeit sind die höher siedenden Fractionen derselben von Krämer einer näheren Untersuchung unterworfen worden, welche gezeigt hat, daß erhebliche Quantitäten von Aethylenchlorid und Aethylidenchlorid in denselben enthalten sind. Da nun, wie gleichfalls von Krämer beobachtet wurde, das Aethylenchlorid nur erst bei ziemlich hoher Temperatur (160° C.) vom Ammoniak unter Bildung von Collidin angegriffen wird, so lag der Gedanke nahe, daß sich das Gemenge der höher siedenden Choride in ähnlicher Weise für die Darstellung der Aethylenbasen eignen möge, wie sich die niedriger siedenden Fractionen als eine unerschöpfliche Quelle der Aethylbasen erwiesen hatten.

Hr. Schering stellte dem Verf., nm diese Vermuthung zu prüfen, eine große Menge der hochsiedenden Nebenproducte der Chloralfabrication zur Verfügung. Die Bearbeitung derselben wurde in den Werkstätten der HHrn. Martius und Mendelssohn-Bartholdy in Rummelsburg, wo der Verf. besonders eines prachtvollen emaillirten Autoclaven von Gußeisen, der mehrere hundert Kilogramme Flüssigkeit faßte, sich bedienen konnte, ausgeführt.

Versuche im Kleinen hatten dargethan, daß die besten Resultate erzielt wurden, als man das Gemisch der Chloride mit einem Ueberschusse alkoholischen Ammoniaks auf 100 bis 120° C. erhitzte. Dasselbe Verhältniß wurde auch im Großen eingehalten. Das Ergebniß war über alle Erwartung befriedigend. Die nach acht- bis zehnstündigem Erhitzen auf etwa 110° C. erhaltene braune Flüssigkeit wurde zunächst von dem ausgeschiedenen Salmiak abfiltrirt und alsdann durch Destillation von dem Alkohol und den nicht angegriffenen Chloriden befreit. Aus dem zurückbleibenden Syrup schossen alsbald kleine Nadeln an, welche durch mehrfaches Umkrystallisiren aus Wasser und Waschen mit Alkohol, in dem sie unlöslich sind, gereinigt wurden. Diese Krystalle sind das Chlorhydrat des Aethylendiamins,

C²H¹⁰N²Cl² = (C²H⁴) H⁴N², 2HCl,

dessen Reinheit durch die Analyse festgestellt wurde. Durch directe Krystallisation wurden etwa 1 1/2 Kilogrm. dieses schönen Salzes gewonnen, welches in prächtigen, silberglänzenden, 10 bis 15 Centimeter langen Nadeln anschießt. Wenn sich keine Krystalle mehr absetzen, wird die braune Mutterlauge mit Natriumhydrat destillirt; die ersten Destillate liefern wieder mit Salzsäure Krystalle des bereits genannten Salzes. Die späteren Fractionen enthalten die höheren Aethylenbasen, Diamine und Triamine.

Mittelst des bereits gewonnenen Materiales hofft der Verf. seine Untersuchungen über die Körper, welche bei der Einwirkung des Ammoniaks auf das Chlorid und Bromid des Aethylens entstehen, fortzusetzen. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1871, Nr. 12.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: