Titel: Casëin als Verdickungsmittel für Zeugdruckerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 9 (S. 93–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi01_9
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Casëin als Verdickungsmittel für Zeugdruckerei.

In einer längeren Abhandlung über Casëin und Kleber im Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1871, t. XLI p. 103 berichtet E. Schlumberger u.a. über ein neues Verdickungsmittel für die Zeugdruckerei, das aus Casëin unter Zusatz von Magnesia hergestellt ist. Behandelt man nämlich Casëin in der Kälte bei Gegenwart von Wasser mit sehr wenig, etwa 2 bis 3 Proc. Magnesia, so erhält man eine dicke, gummiartige Lösung, die nicht von selbst, wohl aber durch die Wärme gerinnt: die geronnene Masse ist in alkalischen Flüssigkeiten löslich. Druckt man unlösliche Färben mit dieser Lösung, so werden dieselben in Folge des eintretenden Gerinnens beim Dämpfen fixirt, der Druck ist aber, wie nach dem erwähnten Verhalten der geronnenen Masse gegen Alkalien zu erwarten, nicht seifenächt.

Behandelt man dagegen das Casëin mit einer größeren Menge Magnesia, etwa 5 bis 10 Proc., so erhält man nicht mehr eine Lösung, sondern einen dicken, halbflüssigen, homogenen Teig, der in Wasser angerührt werden kann, ohne eine eigentliche Lösung zu geben. In Barytwasser dagegen gibt dieser Teig eine dünnflüssige, gummiartige Lösung, die für gewisse Fälle als Verdickungsmittel geeignet erscheint. Dieselbe gerinnt in der Wärme fast vollständig und die geronnene Masse ist in Alkalien unlöslich. Die Lösung läßt sich, wie es scheint, sehr lange ohne Zersetzung aufbewahren, nur muß sie vor Einwirkung der Kohlensäure der Luft geschützt werden, die allmählich den Baryt fällt und so die Löslichkeit der Magnesiaverbindung vermindert.

Zur Darstellung der Verdickungsmasse verwendet man 1 Kilogrm. gepulvertes Casëin, 75 Grm. gebrannte Magnesia und 4 Liter Wasser; man rührt zuerst das Casëin und die Magnesia, jedes für sich, mit etwas Wasser an, mischt dann und rührt einige Zeit lang um, wobei die Masse bald dick wird. Nachdem man eine Nacht hat stehen lassen, fügt man eine Lösung von 300 Grm. Barytkrystallen in 3 Liter höchstens 35° C. warmem Wasser hinzu und rührt um, bis das Ganze eine völlig gleichmäßige Masse bildet. Zur Darstellung von Druckfarben braucht man die Verdickungsmasse nur mit den Farbenpulvern anzurühren, welche fixirt werden sollen. Die oben beschriebene Masse enthält pro Liter 125 Grm. Casëin. Vergleicht man die damit erhaltenen Nüancen mit denen, welche Albuminfarben mit ebenfalls 125 Grm. Albumin pro Liter geben, so zeigt sich, daß der Vortheil sowohl in Bezug auf Aechtheit wie in Bezug auf Glanz eher auf Seite des neuen Verdickungsmittels ist. Ultramarin, Zinkweiß und Beinschwarz bieten beim Drucken keine Schwierigkeit; das Guignet'sche Grün erfordert nur einen stärkeren Barytzusatz, da die Farbe sonst gerinnt, wird dieß berücksichtigt, so läßt die Farbe nichts zu wünschen übrig. Mit Anilinfarben hat Schlumberger kinen Erfolg erzielt; dieselben werden durch die stark alkalische Lösung vollständig gefällt. Vielleicht wäre der Zweck dadurch zu erreichen, daß man unlösliche Lacke dieser Färben anwendete.

Enthält das neue Verdickungsmittel nicht Baryt im Ueberschuß, so gerinnt es leicht bei Vermischung mit einem anderen Verdickungsmittel; das Gerinnen wird aber verhindert und selbst das schon gebildete Gerinnsel wieder aufgelöst, wenn man etwas überschüssigen Baryt zusetzt, und dann kann man die Masse mit Stärke, Traganth, Senegalgummi und Dextrin vermischen, ohne daß das Gerinnen in der Wärme beeinträchtigt wird. Ein Ueberschuß an Baryt hindert zwar demnach das Gerinnen nicht und vermindert auch die Aechtheit der Färben nicht, es scheint aber als zersetzten sich die Farbmassen um so leichter, je größer derselbe ist, so daß also für jede Farbe die genau nöthige Menge Baryt zu ermitteln wäre. Wird diese nicht überschritten, so lassen sich die Färben, wie es scheint, sehr lange aufbewahren, ohne zu gerinnen, nur bildet sich durch Einwirkung der atmosphärischen Kohlensäure eine dicke Haut, deren Entstehung man aber auch vermeiden kann, wenn man die Farbe mit Oel oder Terpenthin bedeckt. Ein wesentlicherer Uebelstand liegt aber in der zu großen Verdickungskraft des Casëins in der angegebenen Lösung. Eine Lösung mit 125 Grm. Casëin pro Liter ist schon sehr gummiartig und noch concentrirtere Lösungen werden sich schwer drucken lassen. Andererseits aber wird diese Concentration in vielen Fällen, z.B. bei sehr dunklen Färben, welche bedeutende Mengen zu fixirenden Farbstoff enthalten, zur Fixirung des gesammten Farbstoffes nicht ausreichen.

In Bezug auf den Herstellungspreis stellt sich die Casëin-Magnesia gegen Albumin sehr vortheilhaft; Schlumberger berechnet ihn wie folgt:

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1 Kilogrm. Casëin 2 Frcs. 75 Cts.
75 Grm. Magnesia zu 6 1/2 Frcs. pro Kilogrm. – „ 50 „
300 Grm. Barythydrat zu 3 Frcs. „ „ – „ 90 „
–––––––––––––
4 Frcs. 15 Cts.

(Deutsche Industriezeitung, 1871, Nr. 39.)

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