Titel: Dr. Carl Stammer's Farbenmaaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 10 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi02_10

Dr. Carl Stammer's Farbenmaaß.

Es ist bekannt, daß bei Beurtheilung der Säfte, Syrupe und Zucker vielfach die Farbe derselben in Betracht gezogen wird, und daß sie namentlich bei Vergleichen aller Art die Entscheidung wesentlich beeinflußt. Eben so bekannt ist aber auch, daß eine bloße Schätzung der Farbe nach dem Augenschein, eine im höchsten Grade trügerische ist. Denn nicht allein haben die Dimensionen der Gläser, durch welche die Flüssigkeiten betrachtet werden, sowie die Beleuchtung, der Hintergrund etc., den größten Einfluß, sondern auch der subjective Eindruck, und mithin das Urtheil über das Gesehene, ist so sehr von äußeren Umständen abhängig, daß ein sicherer Ausspruch über größere oder geringere Helligkeit, oder gar über den Grad der Farben vollständig unmöglich ist. Für den Vergleich ähnlich zusammengesetzter Knochenkohle, für die Leistungsfähigkeit der im Betriebe befindlichen Filter, besitzen wir keinen anderen Maaßstab, als den Vergleich des Entfärbungsvermögens der Knochenkohle, über welches zum großen Schaden der Fabrikanten bis jetzt nur der Augenschein urtheilt. In vielen Fabriken wird die Qualität der Arbeit in bestimmten Zeitperioden durch Vergleich der erhaltenen Zucker- oder Füllmassen mit den verarbeiteten Rüben bei genauen Zuckerbestimmungen festgestellt; die Qualität der Arbeit kann aber nur dann vollständig erkannt, und somit auch die Arbeit in verschiedenen Jahren oder Perioden verglichen werden, wenn zugleich die äußere Erscheinung, also die Farbe der erreichten Producte in Rechnung gezogen wird.

Die vorstehenden Erwägungen haben bei denkenden Fabrikanten daher längst den Wunsch hervorgerufen, ein Instrument zu besitzen, welches leicht, schnell und sicher die Farbenunterschiede anzeigt, dieselben in Zahlen ausdrückt, und mit welchem auch Ungeübtere arbeiten können. Wie bekannt, hatte Hr. Dr. Stammer früher ein „Chromoskop“ genanntes Farbenmaaß construirt, welches jedoch an einigen Uebelständen litt, und namentlich zu theuer war, um allgemein in den Fabriken eingeführt werden zu können. Es ist ihm nunmehr gelungen ein Instrument zu erfinden, welches frei von diesen Mängeln, seiner einfachen Construction wegen einen billigen Preis gestattet und gleichzeitig eine leichte und schnelle Manipulation möglich |192| macht, so daß es mit Recht als ein in jeder Weise für die Praxis der Fabriken geeignetes bezeichnet werden kann. Das neue Instrument ist solide aus Metall gefertigt, die Normalfarbe besteht aus einem Normalgläschen, welches mit größter Sorgfalt von Dr. C. Stammer selbst ausgewählt, in allen Instrumenten von gleicher Farbenschattirung ist, mit welcher diejenige sämmtlicher Producte der Zuckerfabrication, der dunkelsten wie der hellsten, in Folge der sinnreichen Einrichtung rasch und sicher verglichen, und die Farbe in Form einer Zahl ausgedrückt wird. Die Arbeit mit dem Apparate ist, da weder Waagen, Maaße noch andere Hülfsmittel dazu gehören, eine ungemein leichte und schnelle.

Es ist demnach zu erwarten, daß das neue Instrument, welches die Bezeichnung Dr. C. Stammer's Farbenmaaß“ erhalten hat, bald in allen rationell geleiteten Zuckerfabriken vorhanden und nicht mehr zu entbehren seyn wird. Da mit der alleinige Verkauf des Instrumentes übertragen ist, so offerire ich dasselbe mit der dazu gehörigen Gebrauchsanweisung und der ihm beigegebenen doppelten Anzahl Farbegläser, in solider Verpackung zu 25 Thlr. preuß. Courant frei ab Berlin.

Ed. Steinkrauß,
Berlin, Charlottenstraße 4.

Nachstehend genannte Herren nehmen ebenfalls Aufträge auf das Instrument entgegen:

Berlin: Dr. C. Scheibler, Alexandrinenstr. 24.
Leppin und Masche, Brüderstr. 13.
Braunschweig: v. Dolffs und Helle.
Breslau: J. H. Buechler.
Magdeburg: Robert Burger.
Dr. H. Zerener, Regierungsstr. 1.
Paris: Mr. Dureau, redacteur du journal des fabrication de sucre.
Prag: Dr. C. Weiler, Lindengasse 1444 II.
Wien: Dr. Kohlrausch, III. Salesianergasse 17.
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