Titel: Verbesserungen in der Drahtfabrication, von Hill und Ward.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 7 (S. 189–190)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi02_7
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Verbesserungen in der Drahtfabrication, von Hill und Ward.

Hill und Ward (Newport Wire Mills, Middlesbrough) haben sich kürzlich in Verbindung mit Claus gewisse Verbesserungen in der Drahtfabrication patentiren lassen, welche nach den Proben von dem nach dieser Methode fabricirten Draht zu urtheilen, von Werth sind. Bei dem gewöhnlichen Verfahren ist es üblich, den Stab, aus welchem der Draht hergestellt wird, und den Draht selbst, zum Hellrothglühen zu erhitzen und dann langsam erkalten zu lassen, um dem Metalle den nöthigen Grad von Weichheit oder Streckbarkeit zu ertheilen, welcher das Ausziehen zu einem geringeren Durchmesser ermöglicht. Diese Operation, das Glühen oder Ausglühen wird in bedeckten eisernen Töpfen oder in verschlossenen eisernen Röhren in einer Esse oder in besonderen Glühöfen ausgeführt. Obschon zum Ausglühen verschlossene Gefäße benutzt werden, läßt sich aber der Zutritt von Luft doch nicht gänzlich verhindern und in Folge davon überziehen sich die Stäbe, bez. der Draht mit einer dünnen Haut von Oxyd (Glühspan), welche ein weiteres Ausziehen zu feineren Nummern unmöglich macht. Man ist daher genöthigt, zu diesem Zweck die Glühspanhaut zu beseitigen, was gewöhnlich durch Behandeln mit verdünnten Säuren geschieht; meistens benutzt man hierzu verdünnte Schwefelsäure oder Salzsäure. Die Behandlung mit Säure in diesem Stadium macht aber das Metall spröde oder mürbe (rotten), was namentlich bei Eisen- und Stahldraht der Fall ist. Nachdem der auf diese Weise mit Saure abgebeizte Draht in reinem Wasser abgespült, dann in Kalkwasser getaucht und darauf getrocknet worden, ist er zum Ausziehen zu feinerem Drahte durch Anwendung der bekannten Methoden fertig. Nachdem er zwei oder höchstens drei Löcher des Zieheisens passirt hat, ist jedoch das Metall durch das Ziehen so hart geworden, daß ein weiteres Ausziehen desselben ohne Gefahr des Zerreißens unmöglich ist. Dann muß das Ausglühen und das darauf folgende Abbeizen, Abspülen etc. wiederholt werden und zwar um so öfter, je feiner der Draht ist; je feiner aber der Draht wird, um so schädlicher wirkt die Säure auf seine Qualität.

Der Zweck der Erfindung ist nun die Umgehung der erwähnten Uebelstände, namentlich die Verhütung des Zutrittes von Luft, somit Verhinderung der Bildung von Glühspan beim Ausglühen und Vermeidung des Abbeizens mit Säuren und der mit dieser Operation verbundenen Nachtheile, ferner eine Beschleunigung des Ausglühens selbst. Dieser Zweck wird dadurch erreicht, daß der Draht in einem aus einem Flußmittel bestehenden Bade auf die erforderliche Temperatur erhitzt wird und so lange in demselben bleibt, bis er dessen Temperatur angenommen hat und auf diese Weise getempert oder angelassen worden ist, worauf er in rothglühendem Zustande aus dem Bade herausgenommen wird. Ein Theil des Flußmittels bleibt natürlich am Drahte haften, bildet aber eine Decke, welche das Metall beim Erkalten vor Oxydation schützt. Nach dem Erkalten wird diese Decke durch Behandlung des Drahtes mit kaltem oder heißem Wasser entfernt. Der Fluß kann aus einem einzigen oder aus einem Gemenge von mehreren Salzen bestehen, deren übrige Eigenschaften unwesentlich sind, sofern sie die Eigenschaft besitzen: 1) nicht oder nur in geringem Grade flüchtig zu seyn; 2) das Metall aus welchem der Draht oder sonstige Artikel besteht, nicht anzugreifen; 3) bei Rothglühhitze eine dünnflüssige Masse zu bilden und 4) nach dem Schmelzen und darauf folgenden Erstarren in Wasser löslich zu seyn. Als Substanzen welche diese Eigenschaften besitzen, werden vorzugsweise angewendet: Chlorcalcium (geschmolzener salzsaurer Kalk), Natronhydrat und Natron-Wasserglas, da dieselben sehr billig und für den Zweck am besten geeignet sind. (Engineer, September 1871, S. 151.)

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