Titel: Ueber Alaun-Krystallisation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 9 (S. 190–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi02_9
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Ueber Alaun-Krystallisation.

Bei der großen Menge von Alaunkrystallen, welche ich zu studiren Gelegenheit hatte, war es mit bisher nicht gelungen, andere Krystalle zu beobachten als Oktaeder, Oktaeder mit Hexaeder combinirt, zuweilen auch mit Flächen des Rhombendodekaeders, aber stets war das Oktaeder vorherrschend; hierbei nehme ich natürlich den kubischen Alaun aus.

Kürzlich hatte ich nun Gelegenheit, vollständig ausgebildete Rhombendodekaeder zu bemerken. Ich ließ nämlich eine ganz schwache Alaunlösung, welcher etwas Potasche beigemengt war, in einem mit einem Deckel geschlossenen Gefäße ruhig stehen. Nach sechs Wochen besatz ich die Flüssigkeit und fand einen Complex von Krystallen in Rhombendodekaedern.

Es ist eine bekannte Thatsache, daß der kubische Alaun aus der Lösung des gewöhnlichen durch Zusatz von caustischem oder kohlensaurem Kali sich bildet. Dieser Umstand führte mich zu der Ansicht, daß in meiner alkalischen Flüssigkeit die Bildung des Hexaeders durch das zugesetzte Alkali motivirt wurde, daß sich auf diese Hexaeder die Oktaeder des gewöhnlichen Alaunes angesetzt hatten, wodurch diese Oktaeder in eine diametrale Stellung zu dem Oktaeder in der normalen Lage gelangen. Diese Oktaeder kommen also aus der Lage O in die von ∞ 0, d.h. in die des Rhombendodekaeders. Da nun diese Krystallform dem Alaun nicht eigen ist, sondern lediglich durch fremde Beimengungen bedingt wird, so ist diese Beobachtung als Beweis anzusehen, daß auch der Alaun des „Pseudomorphismus“ fähig ist. Gleiches habe ich auch mit Eisen- und mit Chromalaun vorgenommen, und ebenfalls, wenn auch nicht so regelmäßig ausgebildete, so doch rhomboedrische Krystallisation beobachtet, so daß mein oben ausgesprochener Satz eine allgemeine Gültigkeit für die Alaune erlangen dürste.

Albert Stiassny, technischer Chemiker.

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