Titel: Prüfung roher Carbolsäure; von Dr. G. Leube jun. in Ulm.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 13 (S. 308–309)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi03_13

Prüfung roher Carbolsäure; von Dr. G. Leube jun. in Ulm.

Im Laufe des vorigen Jahres, als der Verbrauch von Carbolsäure ein bekanntlich sehr starker war, hatte ich Gelegenheit, verschiedene Sorten von roher Carbolsäure zu untersuchen und wurde mit die Aufgabe gestellt, den Gehalt der rohen Säure an reiner Carbolsäure möglichst rasch zu bestimmen.

Da zu einer solchen Bestimmung keine besondere Methode existirt, die zu einem schnellen Resultate führt, so habe ich mit eine solche erdacht. Ich theile dieselbe mit, ohne damit sagen zu wollen, daß sie ohne jeglichen Mangel ist, glaube aber, daß ein annäherndes Resultat damit erzielt werden kann. Sollten geübtere Analytiker durch diese Mittheilung vielleicht veranlaßt werden, meine Methode zu verbessern, so wäre mit das eine angenehme Genugthuung, daß ich nicht umsonst die Sache veröffentlicht habe. Die Untersuchung beruht auf der Reaction welche Carbolsäure mit Eisenchlorid erzeugt.

Ich versetzte reine Carbolsäurelösungen von verschiedener Stärke mit Eisenchloridlösung (1 Theil Eisensalz und 9 Theile Wasser). Je stärker die Säurelösung, um so dunkler blau war die Färbung der Flüssigkeit; da nun anzunehmen ist, daß rohe Carbolsäure nicht selten mehr als die Hälfte ihres Gewichtes reine Karbolsäure enthält, so bereitete ich Lösungen von 0,25 Grm., 0,20 Grm., 0,15 Grm. in je 10 Kubikcentimeter Wasser, setzte zu jeder dieser Lösungen je 10 Tropfen der Eisenchloridlösung und stellte die Gläser in einer Reihe nebeneinander auf.

Diese Lösungen dienen zum Vergleichen, dürfen aber nicht zu bald vorräthig gemacht werden, sondern erst, nachdem die Probe der rohen Carbolsäure vorbereitet ist. Dazu wog ich stets 5 Grm. roher Säure in ein Glas, in welchem 100 Grm. Wasser enthalten waren, schüttelte tüchtig, ließ einige Zeit stehen, bis der Theer sich oben gesammelt hatte. Von dieser Lösung wurden dann 10 Kubikcentimeter, welche einem Gewichte von 0,5 Grm. Carbolsäure entsprechen, mittelst einer Pipette herausgezogen, dieselben mit 10 Tropfen Eisenchloridlösung versetzt und die eingetretene Färbung mit den Probelösungen verglichen.

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Ich hatte in meinen Proben eine rohe Carbolsäure mit 40 Procent, und zwei solche mit 30 Proc. reiner Säure nachzuweisen. Bei zwei weiteren Proben, von anderen Fabriken bezogen, ist die Reaction gar nicht eingetreten, dieselben haben, auch anderen Eigenschaften nach zu schließen, gar keine wirkliche Carbolsäure enthalten. (Wittstein's Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, Bd. XX S. 574.)

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