Titel: Fabrication von Eisenmennig in der Farbenfabrik von Schlör und Leroux zu Hellziehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 4 (S. 304)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi03_4

Fabrication von Eisenmennig in der Farbenfabrik von Schlör und Leroux zu Hellziehen.61)

Es werden möglichst reine, sehr eisenhaltige Stuferze von der bei Hellziehen in der bayerischen Oberpfalz) gelegenen St. Marien-Eisensteinzeche ausgesucht, diese Erze sodann in einem hierzu eingerichteten Flammofen stark durchgeglüht, so daß das in denselben enthaltene Hydratwasser vollständig ausgetrieben wird, und die Erze selbst, wenn sie erkaltet sind, ein röthlich blaues Ansehen gewinnen.

Die so vorbereiteten Erze werden sodann unter ein mit schweren Eisenstampfen versehenes Pochwerk gebracht; der Trog, in welchem die Stampfen arbeiten, ist ungefähr 2 1/2 Fuß mit Wasser gefüllt. – Hierbei ist eine Vorrichtung in der Art angebracht, daß immerwährend reines Wasser in den Trog zuläuft, welches durch ein am oberen Theile des Stampftroges angebrachtes Ablaufrohr als stark rothbraun gefärbtes Wasser in eine 25 Fuß lange Rinne abläuft.

Diese, an ihrem unteren Ende oder beim Ablauforte etwas höher gelegte Rinne leitet das Wasser mit den darin suspendirten Eisenoxydtheilchen durch mehrere große Bottiche, in welchen sich das Wasser rasch klärt, und in deren letzten dasselbe vollständig rein wieder abläuft.

Schon in der Rinne setzen sich die schweren Theilchen der gepochten Erze und überhaupt alle gröberen Körnchen zu Boden. Dieselben werden von da unter eine Glasur- oder auch unter eine Rollmühle gebracht, wo sie vollständig fein gerieben werden, neuerdings mit Wasser vermengt und durch die obenbeschriebene Schlämmrinne zu den Bottichen gelangen.

Der sich hierbei ergebende gröbere Niederschlag besteht dann meistentheils aus seinen Quarzkörnchen, welche bei Seite geschafft werden müssen. – Die in den Bottichen gewonnene ganz feine Masse wird nun in Trockenapparate gebracht und bis zu höchstens 3 bis 4 Procent Wassergehalt wieder abgetrocknet.

Hierdurch hat man nun Eisenmennig in Stücken gewonnen; da aber diese Farbe gewöhnlich nur als feiner Staub in den Handel kommt, so werden diese Stücke in einer Mühle durch zwei gußeiserne Walzen fein gemahlen, vermittelst einer Siebvorrichtung ähnlich den bei den Getreidemühlen befindlichen fein gesiebt und so in feinen Staub umgewandelt.

Eine andere Manipulation, die wir seither auch bei Fabrication des Eisenmennigs angewendet haben, besteht darin, daß der Eisenstein in ungebranntem Zustande in gleicher Weise, wie wir es oben vom gebrannten Eisenstein beschrieben haben, gepocht, gemahlen und geschlämmt, die geschlämmte Masse alsdann lufttrocken gemacht, in eisernen Cylindern geglüht, zu Staub gemahlen und gesiebt wird. – Bayerisches Patent vom 6. September 1868. (Aus dem bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1871 S. 277.)

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Ueber das Product dieser Fabrik wurde im polytechn. Journal, 1868, Bd. CLXXXIX S. 182 berichtet.

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