Titel: Neue Anwendungen der Photographie durch die amerikanische Regierung; von E. L. Wilson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 9 (S. 306–307)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi03_9

Neue Anwendungen der Photographie durch die amerikanische Regierung; von E. L. Wilson.

Man hat in Amerika zwei oder drei neue und ganz nützliche Anwendungen der Photographie gemacht, welche der Mittheilung werth sind. Das Pensions-Bureau hat viele Verluste gehabt, welche durch betrügerische Pensionsforderungen herbeigeführt wurden. Zum Beispiel, Jemand empfängt das, was er zu fordern hat, bei der General-Office in Washington und erhebt dann rasch noch einmal denselben Betrag bei einer Agentur in irgend einer größeren Stadt. Jetzt hat man aber solchen Betrügereien einen Riegel vorgeschoben. Jeden Tag werden die betreffenden Seiten in den Quittungsbüchern photographirt und Copien davon an alle Bureau's geschickt; wenn dann der Fälscher zum zweitenmale seinen Schein präsentirt, so wird ihm seine eigene photographirte Quittung vor Augen gestellt, und die Regierung ist auf diese Weise vor Betrug geschützt.

Eine andere Anwendung der Photographie geschieht beim Steuer-Departement. Wenn in New-York von auswärts Güter ankommen für Kaufleute in anderen Städten, so werden sie in gesicherten Eisenbahnwagen placirt und mit dem photographischen Schlosse des Zollhauses verschlossen. Das Schloß selbst ist nichts als ein gewöhnliches Vorlegschloß, bei welchem mittelst einer besonderen Einrichtung ein Stück Glas von einem Zoll im Quadrat über dem Schlüsselloch angebracht und dort durch eine Feder festgehalten wird, die man nicht erreichen kann, ohne das Glas zu zerbrechen. Durch kein Mittel der Welt, selbst nicht durch die Schlauesten Manöver ist es möglich, das Schloß zu entfernen oder zu öffnen, ohne das Stück Glas zu zerbrechen. Hier zeigt sich der Werth der Photographie. Eine große Glasscheibe, auf einer Seite roth, wird in New-York präparirt, indem man sie zunächst in Quadrate von der betreffenden Größe theilt. Auf jedem Quadrate bringt man nun allerlei eigenthümliche rothe Figuren und unregelmäßige Flecke hervor, indem man die rothe Farbe an den übrigen Stellen mittelst Flußsäure fortätzt. So ein Stück Glas kann nicht vervielfältigt werden. Der Regierungs-Photograph empfängt diese Gläser in Washington und macht drei Photographien davon, welche ganz getreue Abbildungen der Figuren und Flecke auf dem Glase zeigen, und dann werden Glas und Photographien in kleine Quadrate zerschnitten und in kleine Kästen verpackt; jedes Glasquadrat mit seinen drei Papierphotographien zusammen. Diese werden dann den Beamten zum Gebrauche übergeben. Der Beamte in New-York verschließt die Eisenbahnwagen, in denen sich die betreffenden Waaren befinden, befestigt die Glasscheibe über dem Schlüsselloche und schickt die Photographie davon an den Beamten in Philadelphia oder anderwärts, der |307| nachher die Güter in Empfang zu nehmen hat. Wenn bis zur Ankunft des Wagens das Schloß erbrochen und die Glasscheibe durch eine andere ersetzt worden ist, so wird der Beamte dieß sogleich gewahr.

Dieß ist eine sinnreiche und praktische Anwendung der Photographie, und es werden noch mehrere Anwendungen dieser Kunst folgen, um das Eigenthum sicherzustellen und Verbrecher gegen dasselbe zu entdecken. Der Photograph beim Finanz-Departement ist jetzt damit beschäftigt, die Siegel für die neuen Schlösser anzufertigen, welche jene Behörde beim Transporte von garantirten Gütern anwenden wird, oder überhaupt für solche Fälle in denen der Schutz, den sie gewähren, nöthig seyn wird. (Photographische Mittheilungen, 1871 S. 173.)

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