Titel: Ein wohlfeiler Eisbehälter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 12 (S. 392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_12

Ein wohlfeiler Eisbehälter.

Das Eis ist in Folge seiner immer ausgedehnteren Anwendung zu den verschiedensten Zwecken ein bedeutender und gesuchter Handelsartikel geworden, und würde auch in den Haushaltungen noch viel häufiger zum Gebrauch kommen, wenn nicht die Vorrichtungen zu seiner Aufbewahrung in größerer Masse bisher immer noch ziemlich kostspielig gewesen wären. Im Hinblick darauf ist vielleicht ein ganz einfacher Eisbehälter mittheilenswerth, welchen sich Jeder leicht herstellen kann, und den ich kürzlich auf einem größeren Gute gesehen habe, wo er sich schon seit mehreren Jahren vollständig erprobt hat.

An einem beliebigen Platz, der nicht nothwendig schattig seyn muß, obwohl dieß natürlich vorzuziehen ist, auf freiem Boden, oder wenn man der Reinlichkeit halber will, auf einer etwa 8 Zoll hohen Lage Moos oder Sägmehl, werden Winters möglichst große Eisstücke schichtenweise im Kreis – dessen Durchmesser sich nach dem aufzubewahrenden Eisbedarf richtet – so nahe als möglich aneinander gesetzt, die entstehenden Fugen mit zerstoßenem Eise ausgefüllt und mit Wasser begossen. Ist auf diese Weise eine entsprechende Schichte zu einem compacten Klumpen zusammengefroren, so folgt eine weitere und so fort bis zu einer Höhe von 9–10 Fuß. Der so gebildete Eiskegel wird in einem 2 1/2 – 3 Fuß dicken Mantel von Waldmoos eingehüllt und über das Ganze ein auf Pfosten ruhendes Strohdach gemacht, welches um etwa 2 Fuß überragt, aber nicht ganz darauf aufsitzt. Will man Eis haben, so besteigt man den Kegel und öffnet oben – niemals aber an der Seite – die Moosdecke so lange, bis das gewünschte Quantum losgelöst ist. Das Eis hält sich bei dieser Art der Aufbewahrung ganz vortrefflich von einem Jahr zum anderen. Diese ganze Einrichtung empfiehlt sich durch ihre Einfachheit und Wohlfeilheit, z.B. auch für größere Käsereien, welche mageren oder auch halbfetten Käse liefern, weil dieselben dadurch, daß die Milchgefäße mit Eis umgeben oder auf Eis gestellt werden, auch ohne kostspielige Kellerbauten in den Stand gesetzt sind, im hohen Sommer die Milch länger süß zu erhalten und in Folge dessen mehr Rahm zu gewinnen. – Eine bedeutende Rolle spielt bekanntlich auch das Eis in der Heilkunde, und es ist bei manchen Krankheitsfällen von dem größten Werth, solches schnell bei der Hand zu haben. Wie leicht kann sich nun auf obige Weise manche Gemeinde einen Eisvorrath halten mit ganz geringen Kosten. B. (Württembergisches Wochenblatt für Land- und Forstwirthschaft, 1871, Nr. 44.)

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