Titel: Ueber die Verwendung von Riemenbetrieb bei Walzwerken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 2 (S. 384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_2

Ueber die Verwendung von Riemenbetrieb bei Walzwerken.

Hierüber gibt die amerikanische Zeitschrift The Locomotive folgende Notizen:

Es ist in Pittsburg gebräuchlich, beim directen Betriebe von 8zölligen Walzen Dampfmaschinen von 12 bis 16 Zoll Cylinderweite zu benutzen, ganz nach Art der gewöhnlichen Schieberdampfmaschinen gebaut, die mit Dampf von 90 Pfd. Kesselspannung und 50 Pfd. (?) mittlerem Kolbendrucke pro Quadratzoll arbeiten. Die 12zölligen Cylinder haben sich als ungenügend erwiesen; 14zöllige sind hinreichend stark und 16zöllige besitzen Uebermaaß an Kraft. Die Kolbengeschwindigkeit beträgt selten weniger als 400 Fuß per Minute, häufig 600 bis 700, und manchmal selbst 800 Fuß.

14zöllige Riemen haben sich ungenügend gezeigt, um solch eine Walzenstraße zu treiben; 16zöllige genügen, und 18zöllige sind breiter als erforderlich. Gewöhnlich werden letztere beiden Sorten benutzt; dieselben bestehen stets aus zwei Lederdicken, oder sie sind zwei- bis dreifache Gummiriemen.

Werden die Walzen von der Wellenleitung aus getrieben, was die gewöhnliche Einrichtung ist, so werden beiderseits 6füßige Riemenscheiben verwendet, wobei die Achsen etwa 15 Fuß Entfernung und der Riemen 20° Neigung gegen die Verticale hat. Manchmal wird die Riemenscheibe an den Walzen schwer gemacht, meistentheils aber werden besondere Schwungräder von 8 Fuß Durchmesser und etwa 4 Tonnen (80 Ctr.) Schwere benutzt. Riemenspanner werden selten angewendet; die Scheiben machen 150 bis 250 Umdrehungen per Minute.

In einem Pittsburger Stahlwalzwerke treibt ein 20füßiges Schwungrad an der Maschinenwelle bei 60 Umdrehungen per Minute direct mittelst Riemens auf eine 6füßige Scheibe von 4 Tonnen Gewicht in 20 Fuß horizontaler Achsenentfernung. Die Walzen sind 9 Zoll stark, der Riemen ist 17 Zoll breit, von dreifachem Gummi, und keine Spannvorrichtung vorhanden.

Dieser Riemen gleitet beim Auswalzen langer Stäbe, was ungenügende lebendige Kraft der Schwungrolle auf den Walzen und unzureichende Adhäsion des Riemens daran bekundet. Größere Enfernung der Wellen und geringerer Unterschied der Durchmesser dürfte bessere Resultate ergeben.

In Betreff der Dauerhaftigkeit der Riemen bei Walzwerken wird keine Klage erhoben. Neue Riemen, die nicht gehörig anliegen, sind zur Erweichung der Oberfläche einzufetten, worauf sie bald zur gehörigen Berührung mit den Scheiben kommen; aus eben diesem Grunde ist es auch vorzuziehen, die Riemen mit der glatteren Narbenseite auf die Scheiben zu legen, statt mit der unebenen Fleischseite. Nachdem der Riemen aber einigermaßen gebraucht ist, läßt sich kein Unterschied zwischen beiden Seiten mehr machen; thatsächlich kann man beide Seiten kaum mehr von einander unterscheiden. (Engineer, September 1871, S. 182; polytechnisches Centralblatt, 1871 S. 1382.)

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