Titel: Widerstand der Luft gegen Geschosse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 3 (S. 384–385)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_3

Widerstand der Luft gegen Geschosse.

Mit einem eigens zu diesen Untersuchungen construirten Zeitmesser hat Hr. Professor Bashforth in Woolwich von 1865 bis 1870 Versuche angestellt, um das Gesetz des Luftwiderstandes gegen Geschosse zu ermitteln. Der ausführlichen Darstellung dieser Versuche ist ein Bericht über diese Arbeit von den Herren Stokes, Adams und Noble angehängt, in welchem die Ergebnisse etwa wie folgt, dargestellt sind.

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Ueber die Abhängigkeit des Luftwiderstandes von der Schnelligkeit hatte Professor Hélie 1865 als Resultat von Versuchen mit länglichen Projectilen, die sich mit Geschwindigkeiten von 700 bis 1050 Fuß in der Secunde bewegten, festgestellt, daß der Widerstand ziemlich genau proportional war dem Kubus der Schnelligkeiten. Prof. Bashforth kam 1865 und 1866 selbstständig zu demselben Resultat, mit Geschwindigkeiten welche von 1000 Fuß bis 1500 Fuß in der Secunde variirten.

Der Widerstands-Coefficient aber, den Hr. Bashforth gefunden, ist bedeutend größer als der von Hrn. Hélie gefundene.

1867 und 1868 machte Hr. Bashforth neue Versuche in ausgedehnterem Grade, in denen die Geschwindigkeiten und die Durchmesser der Geschosse innerhalb bedeutender Grenzen variirten. Diese führten zu dem Resultat, daß, während für mäßige Schwankungen der Geschwindigkeit, der Widerstand sich wie der Kubus der Geschwindigkeiten ändert, dieses Gesetz für beträchtlichere Aenderungen der Geschwindigkeit nicht mehr stichhaltig ist. Wenn man daher der Bequemlichkeit wegen den Ausdruck cv ³ beibehalten will, dann muß man auch den Coefficienten c als mit der Geschwindigkeit veränderlich annehmen. Dieser erreicht seinen größten Werth bei einer Geschwindigkeit von etwa 1200 Fuß in der Secunde, und der von Hrn. Hélie gefundene Werth für den Coefficienten des Luftwiderstandes erwies sich nur richtig in der Nähe von 950 Fuß in der Secunde.

Später stellte Hr. Bashforth noch Versuche mit sphärischen Geschossen und Geschwindigkeiten von 1000 bis 2100 Fuß in der Secunde an. Sie ergaben, daß der Widerstandscoefficient bei diesen sehr verschieden ist von den für dieselben Geschwindigkeiten bei länglichen Geschossen ermittelten; doch erreicht er auch hier sein Maximum bei einer Geschwindigkeit von etwa 1200 Fuß in der Secunde. Bei derselben Geschwindigkeit schwankte der Widerstand genau wie das Quadrat der Durchmesser sowohl bei runden, wie bei länglichen Geschossen. (Report on Experiments made with the Bashforth Chronograph,79) 1865–1870, London; Naturforscher, 1871, Nr. 42.)

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Bashforth's Chronograph, zur Messung der Geschwindigkeit eines Geschosses an den verschiedenen Stellen seiner Bahn und für anderweitige Zwecke bestimmt, ist im polytechn. Journal, 1867, Bd. CLXXXIII S. 81 beschrieben.

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