Titel: Das Erhärten hydraulischer Magnesia-Kalke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 5 (S. 386–387)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_5

Das Erhärten hydraulischer Magnesia-Kalke.

Außer den Kalk-Thonerde-Silicaten, welche als Wassermörtel benutzt werden, hat man auch dolomitische Kalke und reine Magnesia zu demselben Zwecke verwendet, wobei die Hydraulicität auf der Bildung von Magnesiahydrat beruht. Die Zusammensetzung der besonders in Amerika in dieser Weise verwertheten Magnesiakalke stimmt nun, wie Hr. Hauenschild durch fünf Analysen nachweist, mit Magnesiakalksedimenten vom Nordrande des Todtengebirges in Oberösterreich. Dieß führte zu Versuchen, aus diesen Kalken hydraulische Producte zu gewinnen, welche sehr befriedigende Resultate ergaben und für Oesterreich eine sehr hohe volkswirthschaftliche Bedeutung haben. Hr. Hauenschild machte hierbei auch Beobachtungen über die Natur der Erhärtung, die wegen ihres allgemeineren Interesses hier ihre Stelle finden sollen:

„Die Masse besteht, unter dem Mikroskope betrachtet, aus winzigen rhomboedrischen Kryställchen, welche regellos gelagert sind und nur äußerst lose zusammenhängen. Durch das Abkneten mit Wasser und den damit verbundenen Druck lagern sie sich möglichst bequem und werden in Folge des Austrocknens durch Flächenattraction offenbar bedeutend cohärenter. Gebrannt nimmt dann die ihrer Kohlensäure beraubte Magnesia nur so viel Wasser auf, als zu ihrer Hydratisirung nothwendig ist, und der bereits bestehende mechanische Zusammenhang verhindert das Eindringen von dickeren Wasserschichten, welche die Adhäsion der einzelnen Kalkmolecüle zu einander überwinden könnten.

Die bei der Bildung krystallinischen Magnesiahydrates auftretende Volumvergrößerung bringt die Theilchen einander näher und bewirkt so das Erhärten.

Dasselbe geht wohl auch beim Anmachen gepulverten Materiales vor sich, aber die Moleculargruppen sind hier ohne Zusammenhang; die sich um jedes Theilchen des Pulvers bildenden Wasserhüllen sind nach verschiedenen Richtungen verschieden dick, nach den Krystallkanten am dünnsten, daher die Attraction der Theilchen hier am größten, und diese in Folge dessen unregelmäßig gelagert. Die Wasserhüllen vergrößern sich durch Capillarwasser so, daß die allerdings auch hier auftretende Volumsvergrößerung nicht hinreicht, die Adhäsion der Wasserhüllen durch die Attraction der festen Theilchen zu überwinden. Dadurch wird die Cohärenz der ganzen Masse so gelockert, daß sich die geringste Bewegung des Wassers durch alle Capillarräume fortleitet und unterstützt von der Schwerkraft, den Zerfall zu einem Pulver herbeiführt. Durch Anwendung von möglichst wenig Wasser, durch gleichmäßiges Verdunsten des überschüssigen Wassers in der Luft, durch tüchtiges Abkneten und durch Druck wird die Molecularanziehung der in Hydratisirung begriffenen Magnesiatheilchen befördert, und sobald diese in Action tritt, das überschüssige Wasser durch bequeme Lagerung der Molecülgruppen verdrängt, und die Masse erlangt hierdurch die Fähigkeit, hinterher eindringendem Wasser zu widerstehen und zugleich fremde Körper zu verkitten. Schon dadurch wird der Mörtel beträchtlich fest, nun hat die Kohlensäure, in Wasser absorbirt, die Eigenschaft, kohlensauren Kalk in Lösung zu bringen; so wie sie aber |387| in Action tritt, bemächtigt sich ihrer die Magnesia, indem sie die näher verwandte Säure statt des an Stelle einer Säure eingetretenen Hydratwassers eintauscht.

Dadurch wird die Dichtigkeit und Unlöslichkeit des Mörtels noch mehr vergrößert, und der Werth der Magnesia-Cemente bedeutend erhöht.... Hieraus erklärt sich leicht, warum dünne Schichten viel schneller erhärten als Würfel, warum Sandzusatz (er befördert die Verdunstung) so vortheilhaft wirkt, warum das feinste gepulverte Material das beste ist, und warum dickere Schichten, einseitig an der Luft austrocknend, Risse bekommen. (Sitzungsberichte der Wiener Akademie, Bd. LXI, Heft 2.)

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