Titel: Verfahren zur Prüfung der Citronensäure auf beigemengte Weinsäurekrystalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 6 (S. 387)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_6

Verfahren zur Prüfung der Citronensäure auf beigemengte Weinsäurekrystalle.

Zu diesem Zweck hat Hager folgende zwei Verfahren in Anwendung gebracht. Nach dem ersten und besten Verfahren wird eine Lösung aus 4 Grm. geschmolzenem Aetzkali in 60 Kubikcentimetern Wasser mit 30 Kubikcentimetern 90procentigem Weingeist gemischt; diese Flüssigkeit gießt man auf einen oder zwei gläserne Teller mit flachem Boden, so daß die Flüssigkeitsschicht ungefähr eine Höhe von 6 Millimeter hat, und legt in die in Ruhe erhaltene Flüssigkeit in gewisser Ordnung und von einander 3 bis 5 Centimeter entfernt einzelne kleine und große Krystalle der zu prüfenden Citronensäure. Der Teller steht auf einer dunklen Unterlage und bleibt unberührt, um jede Erschütterung und Bewegung der Flüssigkeit unmöglich zu machen. Nach 2 bis 3 Stunden findet man die Citronensäurekrystalle größten Theiles oder vollständig gelöst, an ihrer Stelle alsdann ein kleines zartes staubähnliches weißes Feckchen zurücklassend. Der Weinsäurekrystall erscheint dagegen nur zu einem geringen Theil gelöst, weißlich trübe, von einem Barte weißlicher spießiger Kryställchen eingefaßt und von einem Haufwerk kleiner aneinander liegender Krystallgruppen oder einer dünnen, jedoch breiten Krystallschicht umgeben. Die Citronensäurekrystalle erscheinen nach mehreren Minuten der Einwirkung der alkalischen Flüssigkeit klarer und durch sichtiger, die Weinsäurekrystalle trübe und weißlich. – Das zweite Verfahren besteht darin, daß eine verdünnte durchsichtige Lösung von übermangansaurem Kali, welche mit einer Lösung von geschmolzenem Aetzkali stark alkalisch gemacht ist, in ca. 5 Millimeter hoher Schicht auf einen weißen flachen Porzellanteller ausgegossen und in diese in Ruhe befindliche Flüssigkeitsschicht in 4 bis 5 Centimeter weiten Entfernungen Säurekrystalle gelegt werden, so daß deren Höhe mit dem Flüssigkeitsniveau ziemlich abschließt oder darüber hinwegragt. Mau läßt unter Vermeidung jeder Erschütterung 1 bis 2 Stunden stehen. An der Stelle des Weinsäurekrystalles befinden sich dann gelbe oder farblose Flecke, der Krystall ist selten ganz in Lösung übergegangen, dagegen zeigt die Flüssigkeit, wo Citronensäurekrystalle lagen, eine grüne Farbe mit einem Stich in's Bläuliche oder Violette. Die Citronensäurekrystalle sind gewöhnlich gelöst, wenn sie nicht zu groß waren. – Das erstere Verfahren ist das bessere und sicherste. Zum Gelingen der Probe gehört aber, daß die alkalische Flüssigkeit ganz so zusammengesetzt wird, wie angegeben, denn eine geringe Abweichung von der Vorschrift erweist sich alsbald modificirend auf das Resultat. Bei vollständig reiner Citronensäure ist jener zarte weiße Fleck nicht vorhanden, fehlt aber bei der käuflichen Citronensäure nie. (Pharmaceutische Centralhalle.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: