Titel: Ueber die Verwendbarkeit des rothen Blutlaugensalzes zu photographischen Zwecken; von Dr. W. F. Gintl, Prof. der Chemie in Prag.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 7 (S. 387–388)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_7

Ueber die Verwendbarkeit des rothen Blutlaugensalzes zu photographischen Zwecken; von Dr. W. F. Gintl, Prof. der Chemie in Prag.

Veranlaßt durch die neuerlich von H. Vogel gemachten Mittheilungen (polytechn. Journal Bd. CXCIX S. 323, zweites Februarheft 1871) über die Lichtempfindlichkeit des rothen Blutlaugensalzes und über Versuche, diese Reaction zur Erzeugung von Lichtbildern zu verwerthen, nimmt der Verf. Gelegenheit, einige Erfahrungen, die er bereits im Jahre 1864 in dieser Beziehung gemacht hat, zur Kenntniß zu bringen.

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Ausgehend von der Ansicht, daß die bereits durch Gmelin bekannt gewordene Zersetzbarkeit des rothen Blutlaugensalzes in Lösung unter Lichteinwirkung, die sich, wie bekannt, zunächst durch Bildung eines Ferrocyanürs bemerkbar macht, im Wesentlichen einem Processe der Reduction des rothen Blutlaugensalzes gleich komme, und daß demgemäß sich nach der anderen Seite hin eine oxydirende Wirkung des zur Zersetzung gebrachten Complexes äußern müsse, versuchte der Verf. diesen auch nach dem sonstigen Verhalten des rothen Blutlaugensalzes zu erwartenden oxydirenden Einfluß in ähnlicher Weise, wie man die gleiche Wirkung des Kaliumdichromates bereits praktisch zu verwerthen gesucht hatte, zum Zwecke der Erzeugung photographischer Positive zu benutzen.

Er überzog zu diesem Ende ein geeignetes glattes Papier mit einer Lösung von rothem Blutlaugensalz in 10 Th. Wasser, welcher er eine Lösung von 1 Th. Gelatine in 5 Th. Wasser zugesetzt hatte. Das Präpariren des Papieres, welches selbstverständlich, sowie die Bereitung der Lösung, im Dunkeln (beziehungsweise photographisch indifferentem Lichte) geschehen muß, wurde durch kurzes Schwimmenlassen der zugeschnittenen Papierblätter auf der Flüssigkeit bewerkstelligt. Das so präparirte und im Dunkeln getrocknete Papier wurde nun unter einem kräftigen Negative je nach der Lichtintensität 10 Minuten bis 1 Stunde lang exponirt. Bei bewölktem Himmel (die Versuche wurden im Mai angestellt) war mindestens eine Stunde Expositionszeit erforderlich. Das so exponirte Papier zeigte sich, wenn die Expositionszeit keine allzu länge gewesen war, nicht merklich verändert, und nur bei genauer Betrachtung konnte wahrgenommen werden, daß die am stärksten belichteten Partien weniger satt gelb gefärbt erscheinen, als die weniger oder nicht belichteten Partien. Behufs der Hervorrufung des Bildes wurden die exponirten Blätter zunächst in ein Bad von lauwarmem Wasser gebracht, in welchem sich die wenig oder nicht belichteten Partien des Gelatine-Ueberzuges, wie zu erwarten stand, theilweise oder gänzlich lösten, während ein wenig deutliches Positivbild von matt gelber Farbe hervor zu treten begann, dessen Deutlichkeit jedoch mit fortgesetztem Wässern sich wesentlich verringerte, ohne daß das Bild auch beim nachherigen Einlegen in ein schwaches Bad von Eisenchlorid, in welchem dasselbe eine blaue Färbung annahm, wesentlich an Deutlichkeit gewann. Es wurde deßhalb das vorherige Auswässern unterlassen, und das exponirte Papier sofort in ein schwaches Bad von Eisenchlorid gebracht, worin das Bild bald mit prächtiger Wiedergabe aller Details hervortrat, um nun auch nach dem Auswässern nicht mehr zu verschwimmen. Die so erhaltenen Berlinerblau-Bilder ließen, abgesehen von dem ungewohnten blauen Tone, nichts zu wünschen übrig und traten namentlich nach dem Satiniren recht deutlich hervor. Behufs der Beseitigung des blauen Tones hat der Verf. auch schon zur Hervorrufung ein Bad verwendet, welches durch Auflösen von etwa gleichen Theilen Eisenchlorid und essigsaurem Uranoxyd hergestellt war, und er erhielt auf diesem Wege Bilder von nicht unangenehmem schwarzbraunen, etwas in's Grüne ziehendem Tone. Seiner Ansicht nach ließe sich dieses Verfahren, wenn überhaupt von einer Verdrängung des Silberverfahrens die Rede seyn kann, recht gut für Landschaftsbilder verwenden, während es für Portrait-Photographie vielleicht nicht völlig geeignet wäre, weil die Durcharbeitung des Bildes zu sehr von der Dicke der aufgetragenen Gelatineschicht abhängig ist. Die so erhaltenen Bilder sind recht dauerhaft. Der Verf. besitzt noch heute, also nach mehr als sieben Jahren, ein derartiges Portrait, das sich völlig unverändert erhalten hat. (Chemisches Centralblatt, 1871, Nr. 37.)

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