Titel: Ueber Anilinöl für Schwarz und über Anilinschwarz; von Carl Hartmann, Colorist bei Rolffs und Comp. in Siegburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 9 (S. 389–390)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi04_9

Ueber Anilinöl für Schwarz und über Anilinschwarz; von Carl Hartmann, Colorist bei Rolffs und Comp. in Siegburg.

Die zahlreichen Sorten von Anilinöl, welche für die Kattundruckerei, namentlich für die Fabrication des Anilinschwarz geliefert werden, bestehen niemals aus reinem Anilin. Ihre Zusammensetzung ändert sich mit dem Siedepunkte und dem specifischen Gewicht. Gewöhnlich bestehen diese Aniline aus 60 bis 65 Proc. eines Productes bei 180 bis 185° C. siedend, das man als fast reines Anilin betrachten kann (der Siedepunkt des letzteren ist 182° C.), 18 bis 22 Proc. eines Productes bei 185 bis 192° C. siedend, das man als eine Mischung von Anilin und Toluidin betrachten kann, 8 Proc. eines Productes bei 192 bis 198° C. siedend, welches Toluidin ist, und 4 bis 6 Proc. anderer Producte, wie Xylidin, Cumidin etc.

Um zu untersuchen, welche von diesen Producten das eigentliche Schwarz geben, und in welchen Beziehungen sie zu demselben stehen, hat der Verf. sich einige im Handel vorkommende Aniline verschafft, deren specifisches Gewicht und Siedepunkt verschieden war, die ihm aber alle mit der unten folgenden Zusammensetzung gleich schönes Schwarz gaben.

Nr. 1 hatte ein specifisches Gewicht von 2° Baumé.
Nr. 2 3° B.
Nr. 3 2,25° B.

Diese drei Producte, der fractionirten Destillation unterworfen, gaben nachstehende Resultate:

Nr. 1.
6 Proc bei 180° C. siedend, spec. Gewicht
62 „ 180 bis 185 „ 2,75° Baumé
20 „ 185 192 „ 1,6°
10 „ 192 198 „ 0,6°
2 „ – „ unreine Producte.
Nr. 2.
12 „ 180° C. siedend
50 „ 180 185 „ spec. Gewicht 3,4° B.
24 „ 185 192 „ 2,1°
6 „ 192 198 „
8 „ 198 215 „ 0,5°
Nr. 3.
8 „ 180° C. siedend
54 „ 180 185 „ B.
22 „ 185 192 „ 1,8°
10 „ 192 198 „ 0,9°
6 „ 198 215 „ 0,5°

Von einem Anilin-Fabrikanten erhielt der Verf. noch einige im Großen destillirte Proben:

A. bei 180 bis 184° siedend, spec. Gewicht 3,5° Baumé
B. 184 190° 3,18° B.
C. 190 205° 1,5° B.
D. 200 230° 2,5° B.
reines Anilin von Coupier 3,5° B.
gewöhnliches Toluidin 0,88° B.
Pseudotoluidin 0,5° B.

Aus diesen verschiedenen Destillationsproducten hat der Verf. Anilinschwarz auf folgende Art dargestellt:

|390|
7 Liter Verdickung,
500 Gramme chlorsaures Kali,
500 „ Salmiak,
500 „ schwefelsaures Kupfer in Teigform,
650 „ Destillationsproduct,
750 „ Weinsteinsäure.

Nach dem Druck wurden die Proben 48 Stunden im Oxydationslocal für Anilinschwarz aufgehangen in einer Temperatur von 35 bis 40° C. mit der nöthigen Feuchtigkeit und dann durch Krystallsoda fertig gemacht.

Die Resultate, welche der Verf. erhielt, entsprachen ganz seinen früheren Erfahrungen, nämlich:

Reines Anilinöl von Coupier, sowie alle Producte bei 180 bis 185° C. siedend, gaben schönes, brillantes Schwarz. Pseudotoluidin und die Producte bei 185 bis 192° C. siedend gaben ein auf das Blaue ziehendes Schwarz. Gewöhnliches Toluidin von Coupier und die Producte welche ihren Siedepunkt über 192° C. haben, gaben einige schmutziges Kastanienbraun, andere ungleiche Farbentöne, denen man keine Namen mehr beilegen kann.

Nach diesen Resultaten wäre zu schließen, daß bei der Zubereitung des Anilinöles für Schwarz alle Producte über 192° C. siedend von den Fabrikanten zurückgezogen werden sollten, was auch bei den meisten im Handel vorkommenden Anilinen der Fall seyn könnte. Allerdings gibt es auch solche, die Pseudotoluidin enthalten, das bekanntlich seinen Siedepunkt wie Toluidin selbst bei 198° C. hat, und das, wie Anilin, auch Schwarz gibt (doch kommt dieser Fall selten vor).

Hat man also in einer Kattundruckerei Anilin für Schwarz zu prüfen, so kann dieß nach dem Vorhergehenden auf verschiedenen Wegen geschehen:

1) Um es nur oberflächlich und rasch zu thun, kann man sich des Baumé'schen Aräometers bedienen. Wenn das Anilinöl sonst nicht absichtlich verfälscht ist, gibt es bei einem specifischen Gewichte von 2 bis 3 1/2° B. jedes Mal Schwarz. Aniline, die mehr als 3 1/2° B. haben, enthalten gewöhnlich noch Nitrobenzin; die welche weniger als 2° B. haben, enthalten zu viel Toluidin, welches, wie erwähnt, der Entwickelung des Schwarz hinderlich ist und manchmal in der Fabrication viele Schwierigkeiten bereitet.

2) Eine zweite Art, Anilin für Schwarz zu prüfen, besteht in der fractionirten Destillation. Die Quantität Anilinöl, welche man bei dieser Destillation zwischen 180 und 190° C. erhält, zeigt den eigentlichen Werth des zu prüfenden Anilins an.

3) Um ganz sicher den Werth eines Anilins für Schwarz festzustellen, auch um Irrungen zu beseitigen, wenn Pseudotoluidin in dem Anilin enthalten ist, macht der Verf. stets noch folgende Versuche, welche er jedem Praktiker empfiehlt:

Als Bedingung bezüglich der Zusammensetzung der Farbe, wie auch der Oxydation derselben, hat er ermittelt, daß die kleinste Quantität reinen Anilinöles von Coupier, die man nehmen kann, um noch einigermaßen Schwarz zu erhalten, 400 Gramme ist. Hat er nun den Werth von einem oder verschiedenen Anilinen festzustellen, so nimmt er obige Farbe-Zusammensetzung, aber mit 400 Grm. Anilinöl als Einheit, an, und prüft jedes Anilinöl durch Ermittelung der kleinsten Quantität, die ausreicht, um noch Schwarz zu liefern. In diesem Falle concurriren alle Schwarz gebenden Producte, die in dem Anilin enthalten sind, für die Bildung der Farbe, und es kann der Werth derselben nach gewissen Proportionen bestimmt werden, d.h. je mehr man von dem zu prüfenden Anilin gebraucht, um Schwarz zu erhalten, desto weniger Werth hat dasselbe für diesen Zweck. (Musterzeitung, 1871, Nr. 33.)

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