Titel: Bericht des Directors v. Werner über die Versuche mit dem englischen Dampfpflug in Kirchgartshausen bei Mannheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 2 (S. 474–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi05_2

Bericht des Directors v. Werner über die Versuche mit dem englischen Dampfpflug in Kirchgartshausen bei Mannheim.

In Folge des erhaltenen hohen Auftrages habe ich mich am 31. October 1. I. nach Mannheim begeben, um den in der dortigen Gegend unter persönlicher Führung des Hrn. Ingenieurs Max Eyth arbeitenden Fowler'schen Dampfpflug in Thätigkeit zu sehen und habe nun über den Erfolg meiner Reise Folgendes zu berichten.

Ich traf den Dampfpflug auf dem von der Zuckerfabrik Waghäusel gepachteten, 1500 Morgen großen Hofgute Kirchgartshausen in voller Arbeit, unter Führung des Hrn. Eyth, welcher mit freundlicher Zuvorkommenheit bemüht war, mich auf das Genaueste zu orientiren und mit der Construction und den Leistungen seines Apparates bekannt zu machen.

Vor Allem ist mit der große Fortschritt aufgefallen, welcher in der Entwickelung des Dampfpfluges erzielt worden ist seit dem Jahre 1867, wo ich einem Concurrenzpflügen verschiedener Dampfpflüge von Fowler und Howard in der Nähe von Paris angewohnt habe.

Dieser Fortschritt besteht hauptsächlich in einer äußerst soliden Construction des ganzen Apparates in allen seinen Theilen, in möglichster, durch höchst sinnreiche Vorrichtungen erzielten Vereinfachung des bei dem Apparate in Anwendung gebrachten Mechanismus, so daß die Handhabung desselben auch einem Nicht-Techniker bald verständlich wird und von einem solchen bei einiger Aufmerksamkeit und längerer Uebung ohne Anstand erlernt werden kann. In Folge der großen Solidität und genialen Construction seines Apparates vermag Hr. Eyth Terrainschwierigkeiten und locale Hindernisse, wie größere im Boden festsitzende Steine, Wurzeln von Bäumen etc., wenn auch nicht ohne Anstand, so doch ohne erhebliche Beschädigung des Apparates und ohne wesentliche Beeinträchtigung der zu leistenden Arbeit zu überwinden und seinen Pflug unter Verhältnissen in Thätigkeit zu setzen, wo dessen Anwendung nach den bisherigen Erfahrungen, wenn nicht geradezu für unmöglich, jedenfalls für höchst unvortheilhaft gehalten wurde. Der Dampfpflug wird immer auf großen ebenen Flächen mit möglichst steinfreiem Boden am vortheilhaftesten arbeiten, allein seine Anwendung ist auch auf etwas schwierigem Terrain möglich und unter Umständen sogar zu empfehlen, da unbestritten bleibt, daß die vortreffliche Bodenbearbeitung, wie solche die Dampfcultur ermöglicht, durch Gespannarbeit niemals erzielt werden kann. |475| Die Terrainschwierigkeiten würden somit der Einführung der Dampfcultur in Württemberg kein unübersteigliches Hinderniß entgegensetzen. Allein eine Hauptbedingung für eine vortheilhafte und rentable Anwendung der Dampfcultur ist das Vorhandenseyn großer Güter.

Nach eigener Angabe des Hrn. Eyth kann nur ein solches Gut mit Vortheil den Dampfpflug anwenden, welches mindestens 1000 Morgen unter dem Pfluge hat. Bei einer kleineren Ackerfläche wird der Pflug nicht gehörig ausgenutzt, arbeitet somit zu theuer.

Güter von solchem Umfange sind mit in Württemberg keine bekannt.

Hohenheim besitzt 600 Morgen Ackerland. Angenommen, daß sämmtliches Ackerland mit dem Dampfpfluge bearbeitet werden könnte, was mit immerhin noch etwas zweifelhaft erscheint, würde Hohenheim gegenüber der von Eyth angegebenen Minimalgröße mit dem Dampfpfluge um 40 Proc. theurer arbeiten.

Ich muß also die Frage, ob die Einführung des Dampfpfluges für Württemberg und speciell für Hohenheim empfehlenswerth erscheint, zu meinem eigenen lebhaften Bedauern vom wirthschaftlichen Standpunkte aus entschieden verneinen.

Eine andere Frage ist allerdings die, ob die Einführung der Dampfcultur in Hohenheim sich nicht rechtfertigen ließe mit Rücksicht auf die Lehranstalt. Ich werde wohl nicht erst zu versichern nöthig haben, daß ich stolz darauf wäre, Hohenheim im Besitze eines Lehrmittels zu wissen, welches bis jetzt keine andere höhere landwirthschaftliche Lehranstalt aufzuweisen hat, und daß ich mit größtem Danke eine derartige Vermehrung unseres Unterrichtsmateriales anerkennen würde; allein ich halte mich für verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, daß eine solche Anschaffung weniger für die Studirenden des Inlandes, wo der Dampfpflug aus den oben angeführten Gründen niemals eine Zukunft haben wird, als vielmehr für die Studirenden des Auslandes von Werth wäre, namentlich für die zahlreich hier anwesenden Studirenden aus Oesterreich, dem eigentlichen Lande des Großgrundbesitzes, wo dem Dampfpfluge sicher eine große Verbreitung in Aussicht steht. Die Entscheidung darüber, ob die Anschaffung eines solchen, für die Akademie Hohenheim höchst werthvollen Lehrmittels nicht im Mißverhältniß steht mit den hierfür aufzuwendenden Kosten, muß ich lediglich höherem Ermessen überlassen und beschränke mich darauf, eine Kostenberechnung beizufügen, welche ich nach dem neuesten Preisverzeichniß mit Hrn. Eyth entworfen habe und welche eher zu nieder, als zu hoch gegriffen seyn dürfte.

Dieselbe beziffert sich folgendermaßen:

2 zwölfpferdige Locomotiven mit Drahtseil etc. 15,288 fl.
1 dreifurchiger Balancirpflug 960 fl.
1 sechsfurchiger dto. 1140 fl.
1 Untergrundspflug 1200 fl.
1 Cultivator 840 fl.
1 Egge 600 fl.
1 Wasserwagen mit Pumpe und Schlauch 300 fl.
––––––––
20,328 fl.
Zoll 1000 fl.
Fracht von Leeds bis Stuttgart 1000 fl.
für Reservetheile etc 672 fl.
––––––––
23,000 fl.

Mit dem Pflug müssen 3 Mann aus England herüberkommen, welche den Pflug in Gang bringen und mindestens 3 Wochen hier bleiben, bis einheimische Arbeiter eingelernt sind.

Täglicher Lohn für 1 Mann 3 fl. – kr.
Kost und Logis 1 fl. 30 kr.
––––––––––––––––
4 fl. 30 kr.
also 3 × 20 = 60 à 4 fl. 30 kr 270 fl.
Reise von England hierher und wieder
zurück per Mann 110 fl.

330 fl.
–––––– 600 fl.
|476|
Für Herstellung eines Raumes zur Unterbringung des ganzen
Apparates, was in Hohenheim durch Verlängerung des
Maschinenschuppens verhältnißmäßig billig erreicht werden
könnte, werden nothwendig seyn



2000 fl.
–––––––––
Somit berechnet sich der ganze Aufwand:
Anschaffungskosten des Dampfpfluges loco Stuttgart

23,000 fl.
Kosten der Einführung und Unterbringung desselben 2600 fl.
für Unvorhergesehenes 400 fl.
–––––––––
26,000 fl.

(Württembergisches Gewerbeblatt für Land- und Forstwirthschaft, 1871, Nr. 47.)

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