Titel: Ueber Bleizusatz beim Raffiniren des Kupfers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 3 (S. 476–477)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi05_3

Ueber Bleizusatz beim Raffiniren des Kupfers.

In einem Reisebericht über Kupferhandel, Hüttenwesen und Bergbau in England gibt Leuschner in der „Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen,“ 1870, Heft 4 und 5, einige treffende Bemerkungen über die Nothwendigkeit eines Bleizusatzes beim Raffiniren des Kupfers zu gewissen Zwecken. Der Verfasser weist zunächst darauf hin, daß auf englischen Kupferhütten die Beurtheilung darüber, wie das Raffinad darzustellen ist, lediglich nach dem Zwecke der Verwendung des Kupfers getroffen wird, während anderwärts hierauf wenig Werth gelegt zu werden pflegt. Deßhalb wisse auch in England jeder Raffinirmeister, ja sogar der Arbeiter, wozu das darzustellende Metall verwendet werden soll. Man unterscheidet in dieser Beziehung drei Arten, nämlich a) die Verwendung zur mechanischen Behandlung durch Walzen und Hämmern, b) zum Drahtziehen etc. behufs galvanischer Zwecke aller Art (Telegraphie etc.), c) zum Gießen für Messing etc.

Dem Walzkupfer wird stets Blei zugesetzt, weil die englischen Hüttenleute nach ihren Erfahrungen auf das Bestimmteste behaupten, daß dasselbe ohne diesen Zusatz niemals sicher gut gewalzt oder gehämmert werden kann. Bewährte Schmelzer versichern sogar, daß sie das reinste Kupfer von vorzüglicher Qualität mit Blei versetzen würden, wenn es in Blech verwandelt werden sollte, weil sonst kein Mensch im Stande sey, den Erfolg einer guten Walzarbeit zu garantiren. Dem Kupfer zur Drahtfabrication für die Telegraphenleitungen setzt man dagegen weniger Blei zu, und möchte es am liebsten ganz vermeiden, wenn nicht auch wiederholte Erfahrungen gemacht worden wären, daß es sonst zu viel Ausschuß gibt. Soll endlich das Kupfer zur Messingfabrication benutzt werden, so hält man den Bleizusatz für gefährlich und er bleibt fort. Diese Ansichten sind unter den englischen Schmelzern so verbreitet und anerkannt, daß absolut Niemand anders arbeitet.

Es mag dahin gestellt bleiben, ob diese Annahmen wirklich für alle Kupfersorten zutreffen, und ob sie sich nicht vorzugsweise nur für die meist sehr unreinen Arten bewähren, welche man in England darstellt. Wenigstens ist es im Mansfeldischen gelungen, auch ohne den Zusatz von Blei bei allerdings reinen Erzen ohne schädliche Beimischungen ein Kupfer zu erzeugen, welches nach allen Richtungen wegen seiner ausgezeichneten Qualität befriedigt. In welcher Weise das Blei wirken mag, kann wohl verschieden beurtheilt werden. Muthmaßlich gibt dasselbe dem Metall nur eine größere Dichtigkeit und verhindert das Kupfer, zu steigen oder Blasen zu machen, Zustände welche das spätere Walzen wegen der sogenannten Schieferstellen natürlich erschweren oder den Erfolg ganz hindern. Bei Verwendung des Kupfers zu galvanischen Zwecken mag dagegen der Bleizusatz die Leitungsfähigkeit stören. Beim Gießen des Kupfers, um durch Vermischung mit anderen Metallen neue Legirungen zu schaffen, insbesondere Messing, ist es natürlich gleichgültig, ob das Kupfer Blasen hat, wenn es nur rein ist, wohl aber wirkt hier ein Zusatz von Blei schädlich; deßhalb läßt man ihn auch in England weg.

Uebrigens ist kaum anzunehmen, daß das Blei, welches auf den englischen Hütten beim Raffiniren zugesetzt wird, wirklich ganz im Kupfer bleibt. Man kann vielmehr beobachten, daß beim Ausgießen des sogenannten tough cake,“ wie auch schon im Ofen selbst über dem Metallbade Bleidämpfe in großen Mengen entweichen, und es |477| läßt sich deßhalb vermuthen, daß wahrscheinlich der größte Theil des Bleies dampfförmig wieder fortgeht.

Auf der Kupferhütte von Williams Forster bei Neath wird nach dem übereinstimmenden Urtheile der Swanseaer Schmelzer am geschicktesten und besten raffinirt. Hier hat auch Professor Percy in London (an der Bergakademie) seine Studien gemacht, welcher in seinem Lehrbuche der Metallurgie bei dieser Frage unter Anderem behauptet: „daß die Probe nach dem Bruche allein überhaupt nicht zutreffe, weil erfahrungsmäßig zuweilen ganz und gar derselbe Bruch total verschiedene Qualitäten des Metalles anzeigen könne.“

Es ist auch ganz richtig, daß die Beschaffenheit des Kupfers noch sehr wesentlich von der Temperatur abhängt, mit welcher gegossen wird. Wenn dasselbe beispielsweise beim Gießen ähnlich sich verhält wie Quecksilber, so sagt der englische Raffineur, das Kupfer ist zu heiß, und es wird dann leicht brüchig, wenn es auch chemisch noch so tadellos ist.

Wir können zu den vorstehenden Bemerkungen nur hinzufügen, wie einen Beweis dafür, daß bei gutem reinem Kupfer ein Zusatz von Blei nicht erforderlich ist, außer dem schon angeführten Mansfelder, auch das russische Paschkoffkupfer liefert, welches fast chemisch rein ist und keine Spur von Blei enthält, dabei aber doch das ductilste Kupfer ist, welches man überhaupt antrifft. (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure.)

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