Titel: Ueber die Fabrication und Verwendung des künstlichen Schwerspaths (blanc fixe).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 6 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi05_6

Ueber die Fabrication und Verwendung des künstlichen Schwerspaths (blanc fixe).

In der im März 1. J. gehaltenen Sitzung des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen hielt Hr. Fabrikbesitzer Beringer einen Vortrag über die Fabrication und Verwendung des künstlichen Schwerspaths. Er besprach zunächst das Vorkommen des natürlichen Schwerspaths, der jetzt in großen Mengen nach England, Amerika und Rußland exportirt und als Zusatz zum Bleiweiß, als Füllstoff bei der Papierfabrication, als Beimischung zu Kautschukwaaren, Siegellack und anderen Waaren verwendet werde. Die Schwerspathstücke würden nach vorheriger Sortirung mehrmals auf Mahlgängen gemahlen. Werde eine noch größere Feinheit verlangt, als zum Mischen mit Papierstoff, so müsse das Pulver längere Zeit naß gemahlen und geschlämmt werden. Besonders aber eigne sich namentlich für den letztgenannten Zweck der künstlich dargestellte Schwerspath, das blanc fixe. Derselbe sey außerdem wegen seiner feinen Zertheilung ein vorzügliches Material zur Fabrication von Glanzpapieren, für die sich der natürliche Schwerspath, wenn auch noch so fein zerrieben, nicht eigne. Nachdem schon längere Zeit in Paris das blanc fixe wegen seiner blendenden Weiße und Unveränderlichkeit zur Herstellung von Glanztapeten benutzt worden, sey von deutschen Fabrikanten die Wichtigkeit des blanc fixe zur Kartenpapier-Fabrication erkannt, und somit ein heute ziemlich bedeutender Industriezweig in's Leben gerufen worden. Wie das giftige Bleiweiß als Anstreichfarbe zum Theil durch das Zinkweiß ersetzt worden sey, so sey jetzt das Kremser Weiß auf Kartenpapieren durch das blanc fixe verdrängt worden. Die Verwendung des blanc fixe zur Kartenfabrication erstrecke sich jedoch nicht allein auf die Herstellung der Visitenkarten, sondern die ganze Branche der Papeterie, jeder Carton zum Einschlagen von Taschentüchern, Spitzen, von Weißzeug aller Art, jede feine Glanztapete, ob weiß oder bunt, verdanke dem blanc fixe wenn nicht ihren Ursprung, so doch ihre Ausbreitung. |479| Auch zu anderen Industriezweigen habe der künstliche Schwerspath Verwendung gefunden, so namentlich in Amerika zur Herstellung papierener Herrenkragen, welche dort einen bedeutenden Handelsartikel bilden. Auch in Berlin fange man jetzt an, nicht bloß Herrenkragen von Papier und blanc fixe herzustellen, sondern auch Damenkragen bis zu den feinsten Spitzenkragen. Außerdem diene das blanc fixe, wie schon erwähnt, als Füllstoff für Papier; namentlich schöne Schreibpapiere, die sich zart anfühlen und einen feinen Glanz geben sollen, werden am besten mit blanc fixe hergestellt. Wenn es auch der Theorie nach gleichgültig sey, ob das blanc fixe aus Schwerspath oder aus kohlensaurem Baryt dargestellt werde, so sey doch alles aus Schwerspath dargestellte blanc fixe von geringerer Qualität, weil es nicht möglich sey, durch Reduction des Schwerspaths mit Kohle und Zersetzung des Schwefelbariums mit Schwefelsäure einen reinen, schwefelfreien Niederschlag zu erhalten. Das einzige Mittel, um aus Schwerspath gutes blanc fixe zu erhalten, sey, das Chlorbarium vorher möglichst rein im krystallisirten oder calcinirten Zustande herzustellen, wodurch die Herstellungskosten aber größer würden, als wenn man mit kohlensaurem Baryt arbeite. Der gefällte schwefelsaure Baryt könne nicht durch künstlichen schwefelsauren Kalk (pearl hardening) ersetzt werden, da derselbe in Wasser nicht unlöslich sey. Das sogenannte Annalin sey nicht künstlich erzeugter schwefelsaurer Kalk, sondern ein fein gemahlener Gyps, welcher seinen Namen der Annamühle bei Osterode verdanke und in der That ein sehr guter, billiger Zusatz zu gewöhnlichen Papieren sey. (Verhandlungen des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1871 S. 138.)

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