Titel: Eigenthümliche Beobachtung eines Basrelief-Abdruckes von Druckschriften mittelst Collodium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 13 (S. 562–563)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi06_13
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Eigenthümliche Beobachtung eines Basrelief-Abdruckes von Druckschriften mittelst Collodium.

L. G. Kleffel beobachtete eine merkwürdige Eigenschaft des Collodiums, auf welche ihn der Zufall geführt hat, und die möglicherweise bei gehöriger Ausbildung einer nützlichen Anwendung fähig seyn kann. Wenn man nämlich eine Glasplatte, wie gewöhnlich, mit Collodium übergießt, dasselbe etwas trocken werden läßt, und dann ein bedrucktes Blatt Papier leicht mit dem Ballen der Hand andrückt, so zeigt sich nach der Entfernung des Papieres der Druck ganz genau auf der Collodiumfläche reproducirt und bleibt auch nach dem vollständigen Austrocknen derselben sichtbar. Besonders deutlich treten die Schriftzeichen im durchscheinenden Lichte hervor, oder beim Anhauchen im reflectirten Lichte, und zwar sind die Schriftzeichen etwas vertieft und klar, während die übrigen Stellen etwas matter erscheinen. Der Grund dieser merkwürdigen Erscheinung ist bis jetzt noch nicht bekannt, wahrscheinlich ist nur, daß der Fettgehalt der Druckerschwärze dabei eine Rolle spielt, indem dieser von dem Alkohol und Aether des halb erstarrten Collodiums nicht angegriffen wird, während das Druckpapier völlig durchdrungen und erweicht wird. Daher die Erscheinung der Druckschrift als Basrelief.

Um diese Erscheinung besonders schön zu erhalten, ist es nothwendig, ein etwas dickes structurloses Collodium zu verwenden, und darf das Erstarren der aufgetragenen Schicht nicht zu weit vorgeschritten seyn. Es bedarf aber nur eines geringen gleichmäßigen Druckes, um ganz scharfe und deutliche Copien zu erhalten.

Das Verfahren läßt sich vielleicht dazu benutzen, um schnelle Copien werthvoller Originale zu erhalten, insofern die ganze Methode nicht mehr Zeit erfordert, als das Herstellen einer Copie von Geschriebenem durch die gewöhnliche Copirpresse. (Photographische Zeitschrift „Licht,“ 1871, Nr. 39.)

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