Titel: Ueber die Anwendung der Anilinfarben in der Pharmacie und den verwandten Fächern; von Fr. Loquens,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 14 (S. 563–564)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi06_14

Ueber die Anwendung der Anilinfarben in der Pharmacie und den verwandten Fächern; von Fr. Loquens,

Das Pulvis fumalis nobilis, zu welchem die österreichische Pharmakopöe vom Jahre 1854 noch eine Vorschrift enthielt, ist ein in allen Apotheken gesuchter Artikel, und das kaufende Publicum greift sehr gern nach einem dem Auge gefälligen Producte, gar in solchen Fällen auch, welche keine absoluten Arzneien sind.

Das Handlungshaus Gehe und Comp. in Dresden hatte schon im Vorjahre Corous pulveris fumalis nobilis auf seine Preisliste gestellt, was nichts Anderes ist als fein geschnittene, mit Anilinfarben gefärbte Radix Iridis Florentinae, wie selbe zu Potpouri verwendet wird. Die Harze und Oele etc. mischt man in beliebigen Quantitäten zu, und das Räucherwerk ist sofort verkäuflich.

Da die Anilinfarben fast alle in Alkohol löslich sind, so ist die Darstellung eines solchen Corpus nicht umständlich. Man löst beliebig concentrirte Aniline in verschiedenen Farben, mengt jedes selbstständig mit der grob gestoßenen Wurzel in Porzellanschalen und trocknet selbe in diesen vollkommen aus. Ein besonderer Umstand ist dabei zu berücksichtigen, nämlich daß ätherische Oele und Alkohole, um Harze glänzend zu machen, jedem einzelnen Körper beigegeben werden müssen, da die Farben, gemengt befeuchtet, leicht in einander verschwinden.

Anilinfarben werden ferner zum Färben von Säften verwendet. Streitigkeiten einiger Liqueurfabrikanten, die sich mit der Production voll Himbeer- und Veilchensaft, sowie von Essenzen zum Färben von Liqueuren und diversen Branntweinen beschäftigen, lenkten die Aufmerksamkeit des Verf. auf diesen Gegenstand, und derselbe hat gefunden, daß ein Aufguß von Radix Iridis, gefärbt mit Anilinviolett (Anilinpurpur), wirklich ein Präparat liefert, welches von einem aus Veilchenblüthen bereiteten schwer zu unterscheiden ist, da auch Chlor die bekannte Reaction auf Anilin wie auf Veilchenblüthensaft ausübt. Dasselbe gilt von einem mit Anilinroth dargestellten Himbeersaft. Himbeersaft mit Anilinroth dargestellt, unterscheidet sich nur durch die bekannte Reaction des Tartarns emeticus, welcher den natürlichen Saft violett färbt.

Anilinroth wird ein bedeutender Concurrent des Carmins in der Darstellung |564| von Zahnpasten, Zahnlatwergen und Zahnpulvern; es hat die gute Eigenschaft, weder zu verschwinden, noch mit der Zeit braun oder schmutzig grau zu werden.

Anilinroth als Schminke ist nicht verwischbar, mit dem Handtuch nicht abreibbar, noch beim Schwitzen abreibbar.

Deßgleichen erfreuen sich die Anilinfarben einer vielfachen Anwendung in der Zuckerbäckern, deren Producte besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Anilintinten haben die Gallustinten verdrängt, weil ihre Darstellung eine viel billigere und mühelose ist. Zu diesen verschiedenen Tinten färbt man gleichartige Streusande (weißen Sandstein) mit gelösten Anilinen. Toiletteseifen mit Anilinen sind prachtvoll. (Schweizerische Wochenschrift für Pharmacie.)

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