Titel: Gewinnung von Porzellanerde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1871, Band 202/Miszelle 7 (S. 559–560)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj202/mi202mi06_7

Gewinnung von Porzellanerde.

Hierzu verwendet August Lambrecht, Hofapotheker in Bamberg, als Rohmaterial die im Keupersandstein (Kieselsandstein) häufig vorkommenden Lagen von Thon, Quarz etc. und gibt an, daß daraus eine Porzellanerde gewonnen werden kann, welche der von Limoges, resp. Sèvres in Frankreich und der besten böhmischen Porzellanerde in Hinsicht auf Qualität und Billigkeit nicht nachstehe, alle anderen Sorten von Porzellanerde aber übertreffe. Dieselbe wurde im Durchschnitt von folgender Zusammensetzung gefunden:

75 bis 80 Proc. wasserhaltige kieselsaure Thonerde,
8 bis 11 freie Kieselsäure,
1 Kali, Magnesia, Kalk,
Spuren von Eisen, Mangan.

Der Rest war unzersetztes Gestein, Quarz, Feldspath etc.

Die Bereitung von Porzellanerde geschieht nach folgender Methode: Vor Allem ist darauf hingewiesen, daß nur diejenigen Lager im Keupersandstein verwendbar sind, welche, im Trockenofen gelinde getrocknet, fast weiß, feinkörnig, leicht zerbröcklich erscheinen und, in der hohlen Hand mit Wasser verrieben, nach dem Trocknen auf der Haut ein höchst feines weißes Pulver zurücklassen, welches fettig anzufühlen ist; alle lettigen, eisen- und kalkhaltigen Beimischungen müssen entfernt werden. Das brauchbare Rohmaterial wird zuerst gepocht, so daß ein gröbliches Pulver erhalten wird, |560| und dann ganz fein auf Mühlen gemahlen. Die gemahlene Masse wird hierauf zur Abscheidung der gröberen Theile in einem großen Bottich mit Wasser angerührt und nachdem das Ganze kurze Zeit der Ruhe überlassen war, wird die Flüssigkeit in einen anderen Bottich abgelassen, worin sich die feineren Theile absetzen. Dieser feine Niederschlag wird nun auf einer Mühle, auf 8 Thle. der Masse mit 3 Thln. Thon feinster Qualität von Schnaittabach (Oberpfalz) und 1 Thl. vorher calcinirtem und ebenfalls höchst fein geschlämmtem reinen Feldspath, noch 1 Stunde mit einander sorgfältig vermengt und durch Pressen bis zur Consistenz einer plastischen Masse gebracht; diese Masse wird zum Schluß noch mit 1/2 Proc. Kali genau gemengt und das Ganze anhaltend geschlagen. Die so fertige Masse läßt sich sehr gut verarbeiten, ist plastisch, weiß und steht sehr gut im Feuer; sie eignet sich aber weniger zu massigen Gegenständen, als namentlich zu ganz dünnen, durchscheinenden Gegenständen. – Bayerisches Patent vom 27. Mai 1867. (Aus dem bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1871 S. 308.)

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